Frau, die Sportkleidung trägt und einen Inhalator benutzt

Lungensport Warum Bewegung bei Asthma, COPD und co. so wichtig ist

Wer bereits beim Treppensteigen außer Atem gerät, denkt selten daran, sich zusätzlich sportlich zu betätigen. Gerade Menschen mit chronischen Lungenerkrankungen vermeiden körperliche Belastungen häufig aus Sorge, ihre Beschwerden könnten sich verschlimmern. Doch stimmt das? Welche positiven Effekte kann Lungensport haben? Und worauf sollten sie achten?

Die positiven Effekte von Lungensport

Lungensport hat viele positive Effekte. Vor allem die Atemmuskulatur wird trainiert, wodurch das Atmen langfristig vielen Betroffenen leichter fällt. Gleichzeitig verbessert sich die körperliche Leistungsfähigkeit, weil Herz, Kreislauf und Muskulatur effizienter arbeiten. Auch auf das allgemeine Wohlbefinden hat Sport im Allgemeinen einen positiven Einfluss. Gerade Personen mit Asthma,COPD oder Lungenfibrose sollten sich sportlich betätigen.

„Regelmäßige körperliche Aktivität ist eine wirksame unterstützende Maßnahme bei chronischen Lungenerkrankungen. Bewegung stärkt nicht nur die Atemmuskulatur, sondern verbessert auch die Sauerstoffaufnahme und die körperliche Belastbarkeit. Viele Patientinnen und Patienten erleben gelinderte Symptome im Alltag und gewinnen ein Stück Lebensqualität zurück“, erklärt Fanar Othman, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin, Gastroenerologie und Pneumologie des Marien Hospital Witten.

 

„Regelmäßige körperliche Aktivität ist eine wirksame unterstützende Maßnahme bei chronischen Lungenerkrankungen.“

  Fanar Othman, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin, Gastroenerologie und Pneumologie des Marien Hospital Witten

Wie kann Sport bei Lungenerkrankungen helfen?

Trotz der positiven Effekte fällt vielen Betroffenen der Einstieg schwer. Wer bereits bei geringer Belastung Atemnot verspürt, verbindet körperliche Aktivität oft mit Unsicherheit oder Angst vor einer Verschlechterung der Beschwerden.

Die Folge kann ein Teufelskreis sein: Aus Angst vor Atemnot wird Sport vermieden. Dadurch bauen Muskeln und Ausdauer weiter ab, die körperliche Belastbarkeit sinkt und selbst alltägliche Aktivitäten werden anstrengender.

Doch schon moderate Belastungen tragen dazu bei, die Muskulatur zu stärken und die Leistungsfähigkeit schrittweise aufzubauen.

 

"Bei COPD beobachten wir häufig, dass sich Patientinnen und Patienten aufgrund ihrer Beschwerden immer weniger bewegen. Dadurch baut sich die Lungenmuskulatur ab und sie verlieren Kondition, was die Beschwerden zusätzlich verstärken kann."

  Dr. Simon Wang, Leitender Oberarzt der Abteilung Pneumologie, Medizinische Klinik I für Allgemeine Innere, Nephrologie, Gastroenterologie und Pneumologie des Marien Hospital Herne

Sport mit COPD

Bei der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) sind die Bronchien anhaltend entzündet. Betroffene leiden unter starken Husten und einer beeinträchtigten Lungenfunktion. Sport kann helfen, die Folgen der Erkrankung abzumildern.

„Bei COPD beobachten wir häufig, dass sich Patientinnen und Patienten aufgrund ihrer Beschwerden immer weniger bewegen. Dadurch baut sich die Lungenmuskulatur ab und sie verlieren Kondition, was die Beschwerden zusätzlich verstärken kann. Gezieltes Training hilft dabei, diesen Kreislauf zu durchbrechen und die körperliche Leistungsfähigkeit langfristig zu stabilisieren“, sagt Dr. Simon Wang, Leitender Oberarzt der Abteilung Pneumologie der Medizinischen Klinik I für Allgemeine Innere, Nephrologie, Gastroenterologie und Pneumologie des Marien Hospital Herne.

Sport mit Asthma

Die Atemwegserkrankung Asthma kann zu Anfällen und Atemnot führen, weshalb viele Betroffene körperliche Belastung meiden. Doch auch bei Asthma gilt: Bewegung hat viele positive Auswirkungen auf die Erkrankung. Training stärkt die Atemmuskulatur, verbessert die Kondition und fördert die Atemtiefe. Dadurch kann Schleim leichter abtransportiert werden. Zudem profitieren Herz und Kreislauf von regelmäßiger Bewegung.

„Asthma sollte kein Grund sein, auf Sport zu verzichten. Im Gegenteil: Regelmäßiges Training kann dazu beitragen, die Sauerstoffaufnahme zu erhöhen und die körperliche Fitness zu verbessern. Wichtig ist jedoch, die Belastung individuell anzupassen und die Therapie optimal einzustellen“, erklärt Dr. Panagiota Zgoura, Chefärztin der Klinik für Innere Medizin des St. Anna Hospital in Herne.

 

„Asthma sollte kein Grund sein, auf Sport zu verzichten. Im Gegenteil: Regelmäßiges Training kann dazu beitragen, die Sauerstoffaufnahme zu erhöhen und die körperliche Fitness zu verbessern. Wichtig ist jedoch, die Belastung individuell anzupassen und die Therapie optimal einzustellen“

  Dr. Panagiota Zgoura, Chefärztin der Klinik für Innere Medizin des St. Anna Hospital Herne

Welche Sportarten eignen sich bei Lungenerkrankungen am besten?

Grundsätzlich sind Sportarten empfehlenswert, die Ausdauer aufbauen und sich gut an die individuelle Leistungsfähigkeit anpassen lassen.

Fahrrad als Symbolbild für geeignete Sportarten bei Lungenleiden

Zu geeignetem Sport für die Lunge zählt beispielsweise:

  • Wandern oder Nordic Walking in ebenen Gelände: Fördert die Ausdauer und verbindet Bewegung mit frischer Luft.
  • Radfahren: Ermöglicht ein gleichmäßiges Ausdauertraining mit individuell steuerbarer Intensität. Auch bei schlechtem Wetter mit einem Heimtrainer möglich.
  • Schwimmen: Fordert die Atemmuskulatur bei gleichzeitig schonender Belastung der Gelenke.
  • Yoga und Tai-Chi: Verbinden sanfte Bewegungen mit bewussten Atemtechniken und fördern die Atemkontrolle.
  • Moderates Krafttraining: Kann die Körperhaltung verbessern und dadurch eine tiefere Atmung unterstützen.

Vermeiden sollten Betroffene Sportarten mit sehr hohen Belastungsspitzen oder extremen körperlichen Anforderungen. Dazu gehören beispielsweise Marathonläufe oder Bergtouren in großer Höhe.

Was ist Lungensport?

Eine besondere Form der Bewegungstherapie für Menschen mit Atemwegs- und Lungenerkrankungen ist der sogenannte Lungensport. Dabei handelt es sich um ein speziell entwickeltes Training, das auf die Bedürfnisse von Menschen mit eingeschränkter Lungenfunktion abgestimmt ist. Die Übungen kombinieren Ausdauer-, Kraft-, Beweglichkeits- und Atemtraining und werden an die individuelle Belastbarkeit angepasst.

Ziel ist es, die körperliche Leistungsfähigkeit zu verbessern, die Atemmuskulatur zu stärken und mehr Sicherheit im Umgang mit körperlicher Belastung zu gewinnen. Viele Betroffene profitieren zudem davon, unter fachlicher Anleitung zu trainieren und schrittweise Vertrauen in die eigene Belastbarkeit zurückzugewinnen.

Sport für die Lunge: Was muss vor Trainingsbeginn beachtet werden?

Bevor mit einem Trainingsprogramm begonnen wird, sollten Personen mit Lungenerkrankungen wie Asthma oder COPD mit ihrem Lungenfacharzt die individuelle körperliche Belastbarkeit abklären. Ein Gespräch kann helfen, geeignete Sportarten auszuwählen, die Trainingsintensität festzulegen und mögliche Risiken zu erkennen. Der Pneumologe kann auch Auskunft darüber geben, ob eventuell eine Einnahme von Medikamenten vor dem Sport sinnvoll oder notwendig ist.

Ein Lungenfunktionstest kann zusätzlich Aufschluss darüber geben, wie belastbar die Lunge ist. So lässt sich sicherstellen, dass die sportliche Aktivität optimal auf die individuelle Erkrankung und die persönlichen Voraussetzungen abgestimmt ist.

Darauf sollte beim Training geachtet werden

  • Langsam starten: Bereits kurze Bewegungseinheiten können positive Effekte haben. Außerdem haben kürzere Trainingseinheiten oftmals eine geringe Einstiegshürde. Die Belastung kann im Laufe der Zeit schrittweise gesteigert werden.
  • Ausreichend aufwärmen: Eine längere Aufwärmphase hilft dem Körper, sich auf die Belastung einzustellen und kann Beschwerden vorbeugen.
  • Regelmäßig aktiv sein: Entscheidend ist weniger die Intensität als die Regelmäßigkeit. Lieber mehrere kurze Trainingseinheiten pro Woche als eine intensive. 
  • Pausen einplanen: Kurze Erholungspausen, gerade wenn die Atemnot zunimmt, sind wichtig und sinnvoll.
  • Training individuell anpassen: Die gewählte Sportart und Trainingsintensität sollten zur persönlichen Leistungsfähigkeit und zum Krankheitsbild passen.