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Eine Frage der richtigen Einstellung So sitzen Sie gesund auf dem Sattel

Die frühlingshaften Temperaturen verführen zu einer Fahrrad-Tour am Wochenende. Doch bereits nach den ersten Tritten in die Pedale schmerzen Knie und Hüfte. Das könnte an einem falsch eingestellten Sattel liegen. Unser Experte Dr. Oliver Meyer, Chefarzt des Zentrum für Becken-, Hüft-, Knie- und Fußchirurgie, Zentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie der St. Elisabeth Gruppe – Katholische Kliniken Rhein-Ruhr, erklärt was bei einem Ausflug mit dem Fahrrad zu beachten ist, um Beschwerden zu vermeiden.

Falsche Sattelhöhe fördert Hüftschmerzen

Sieben Gänge, ein schnittiger Rahmen, Rücktrittbremsen und eine coole Klingel. Diese Ansprüche stellen viele Menschen an ihr neues Fahrrad. Doch dabei fehlt ein wichtiger Aspekt: Der richtige Sattel. Dieser sollte nicht nur gut aussehen, sondern bei Radtouren Schmerzen vermeiden. Der Sattel stützt den größten Teil des Körpergewichts und kann die Gelenke entlasten. Doch dieser muss richtig eingestellt sein. Für die richtige Haltung ist vor allem die Sitzhöhe entscheidend: Ist der Sattel zu hoch, kann das Becken nach hinten kippen und der Rücken wird rund.

Diese Haltung kann Sitzschmerzen verursachen. Zudem sind die Beine dann komplett ausgestreckt und erreichen die Pedale nur mühsam. „Diese Haltung führt dazu, dass der Fahrer beim Treten auf dem Sattel hin- und her rutscht. Dies kann auf Dauer zu Reizungen und Schmerzen in der Hüftregion führen“, so Dr. Meyer. Der Sattel ist ideal eingestellt, wenn das Knie beim Fahren leicht gebeugt ist.

 

„Diese Haltung führt dazu, dass der Fahrer beim Treten auf dem Sattel hin- und her rutscht. Dies kann auf Dauer zu Reizungen und Schmerzen in der Hüftregion führen“

  Dr. Oliver Meyer, Chefarzt des Zentrum für Becken-, Hüft-, Knie- und Fußchirurgie, Zentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie der St. Elisabeth Gruppe

Knieschmerzen vermeiden mit der richtigen Sattelhöhe

Gerade ältere Menschen stellen den Sattel niedrig ein, weil sie glauben, so sicherer anzuhalten oder auf- und absteigen zu können. Zumindest für die Knie ist der niedrige Sattel jedoch in jedem Alter ein Risiko, da das Knie beim Treten kaum gestreckt wird. „Das erhöht den sogenannten Anpressdruck der Kniescheibe. Bei einer länger anhaltenden Belastung führt dies zu Schmerzen“, erklärt Dr. Meyer. Doch auch ein zu hoher Sattel birgt Gefahr für das Knie. Denn nun muss das Bein zu stark durchgedrückt werden. Auch dadurch wird die Kniescheibe sowie die umliegenden Sehnen und Muskeln stark belastet.

Leidet der Radfahrer an Vorerkrankungen, wie Entzündungen im Kniegelenk, Sehnenreizungen, Kniearthrose oder Gelenkverschleiß, kann die Einstellung des Zweirades die Beschwerden nicht verhindern, weil die Schmerzen durch andere Faktoren ausgelöst werden. Welche Ursachen im Einzelfall für die Knieschmerzen verantwortlich sind und wie sie reduziert werden können, muss ein Orthopäde nach einer Untersuchung entscheiden.

Die richtige Passform

Nicht nur die richtige Sitzhöhe, sondern auch die Passform und Ausrichtung sind wichtig für ein schmerzfreies Fahrradfahren. Eine zu extreme Sattelneigung kann den Bewegungsspielraum des Hüftgelenks einschränken und so zu Verspannungen führen. Symptome hierfür sind beispielsweise Schmerzen im unteren Rücken oder in der Leiste. Die Experten empfehlen eine möglichst waagerechte Einstellung. Ein Frauensattel muss in der Regel breiter sein als ein Männersattel da die Sitzhöcker weiter auseinander liegen. Die Sattelnase sollte an die Körperform angepasst werden und weder zu breit noch zu schmal sein. Vor allem bei Männern wird durch zu schmale Sattel unnötiger Druck auf den Beckenboden ausgeübt und dies kann zu Taubheitsgefühlen und Druckschmerzen führen. Wichtig ist zudem, dass die Sattelnase etwas weicher ist als die Sitzfläche, um Reizungen zu vermeiden.

Ihr Experte

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Dr. med. Oliver Meyer

Chefarzt

Zentrum für Becken-, Hüft-, Knie- und Fußchirurgie
Zentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie der St. Elisabeth Gruppe
Fon 02325 986-2001
zou@elisabethgruppe.de

Tipps

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  • Leichte Gänge verwenden
  • Überprüfen Sie die Sitzposition, am besten mit einem Experten
  • Achten Sie darauf, dass Sie auf dem Sattel nicht rutschen
  • Steigern Sie das Kilometerpensum und die Intensität langsam
  • Vorerkrankungen bzw. Verletzungen ausschließen
  • Enge Beinführung beachten: parallel und möglichst nah am Rahmen