Longevity: ältere Frau mit Diskokugel und Lebensfreude

Longevity 24 Jahre länger gesund leben?

Immer mehr Menschen beschäftigen sich mit dem Thema Longevity. Dahinter steckt der Wunsch, nicht nur möglichst alt zu werden, sondern vor allem lange gesund zu bleiben. Doch geht das überhaupt? Wie viele Jahre kann man mit einem gesunden Lifestyle rausholen? Wann muss ich anfangen und welche Rolle spielen die Gene?

Longevity heißt übersetzt Langlebigkeit. In der Medizin wird die Lebensdauer („Life Span“) und die Dauer des gesunden Lebens („Health Span“) unterschieden. Aktuelle internationale Daten zeigen: Zwischen durchschnittlicher Lebenserwartung und gesunder Lebenszeit liegt eine Lücke von rund 9,6 Jahren. Das bedeutet, viele Menschen verbringen fast ein Jahrzehnt ihres Lebens mit chronischen Erkrankungen. Ziel moderner Longevity-Konzepte ist es daher nicht nur, die Lebenserwartung zu steigern, sondern vor allem die gesunden Jahre im Alter zu verlängern.

Regelmäßige Vorsorge kann helfen, chronische Erkrankungen sowie Krebs rechtzeitig zu erkennen.

Die zentrale Frage lautet: Lässt sich Altern beeinflussen?

Die Antwort aus der Altersmedizin ist eindeutig: Ja – und zwar stärker als viele vermuten. „Ein 40-Jähriger, der sich viel bewegt, nie geraucht und wenig Alkohol getrunken hat, normalgewichtig und sozial gut eingebunden ist, kann durch dieses Verhalten seine Lebenszeit um 24 Jahre gegenüber jemandem verlängern, der all dies nicht beachtet“, so Prof. Dr. Rainer Wirth, Klinikdirektor der Klinik für Altersmedizin und Frührehabilitation des Marien Hospital Herne – Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum. Selbst wenn der Lebensstil erst später verändert wird, sind deutliche Longevity-Effekte messbar. Wer mit 40 Jahren umstellt, kann noch 12 bis 15 zusätzliche Lebensjahre gewinnen. Sogar im hohen Alter – etwa mit 80 Jahren – lässt sich die Lebenserwartung noch um rund drei Jahre steigern. Diese Zahlen zeigen: Gesund alt werden ist kein Zufall, sondern in großen Teilen beeinflussbar.

 

„Grob geschätzt liegt der Einfluss der Gene auf die Lebensdauer bei etwa einem Viertel.“

  Prof. Dr. Rainer WirthKlinikdirektor der Klinik für Altersmedizin und Frührehabilitation des Marien Hospital Herne – Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum

Gene oder Lebensstil: Was beeinflusst das Altern stärker?

Viele Menschen gehen davon aus, dass Gene der entscheidende Faktor für ein langes Leben sind. Tatsächlich zeigen Zwillingsstudien ein anderes Bild. „Grob geschätzt liegt der Einfluss der Gene auf die Lebensdauer bei etwa einem Viertel“, erklärt Prof. Wirth. Das bedeutet: Rund 75 Prozent unserer Lebenserwartung hängen von Umweltfaktoren, Lebensstil und individuellen Gewohnheiten ab. Wer regelmäßig körperlich aktiv ist, sich ausgewogen ernährt und soziale Kontakte pflegt, verbessert nicht nur seine Lebensqualität, sondern erhöht auch die Chance auf ein langes Leben.

Mediterrane Ernährung und die „Blauen Zonen“

Besonders eindrucksvoll zeigt sich der Zusammenhang zwischen Lebensstil und Langlebigkeit in den sogenannten „Blauen Zonen“. Dazu gehören Regionen wie Sardinien, Okinawa, Ikaria und die Halbinsel Nicoya. Die Menschen dort ernähren sich überwiegend pflanzenbasiert mit viel Gemüse, Hülsenfrüchten, Fisch und Olivenöl – nach dem Konzept der sogenannten mediterranen Ernährung. Gleichzeitig bleiben sie bis ins hohe Alter körperlich aktiv und sind eng in soziale Strukturen eingebunden. Longevity ist dort kein Trend, sondern gelebter Alltag.

mediterrane Ernährung trägt zur Langlebigkeit bei

Nahrungsergänzung und Longevity-Infusionen: Was ist wirklich sinnvoll?

Der Markt für Anti-Aging-Produkte, Vitamininfusionen und Nahrungsergänzungsmittel wächst rasant. Viele Angebote versprechen, die Zellalterung zu verlangsamen oder das Immunsystem zu stärken. Es gibt jedoch kaum wissenschaftliche Belege. Studien zeigen, dass Menschen in westlichen Ländern bei normaler Ernährung in der Regel keinen Vitaminmangel haben. Zusätzliche Vitamine verlängern weder die Lebensdauer noch reduzieren sie die Häufigkeit von Infektionen. Es gibt jedoch Ausnahmen in denen Vitamine zusätzlich eingenommen werden sollten. Dies gilt dann, wenn eine Mangelsituation entsteht z. B. ein B12-Mangel bei veganer oder vegetarischer Ernährung. In diesem Fall kann es sinnvoll sein Vitamin B12-Präparate einzunehmen. Zudem können hochdosierte Präparate Nebenwirkungen verursachen. Die klare Botschaft der Altersmedizin lautet daher: Ein gesunder Lebensstil wirkt nachhaltiger als teure Infusionen.

Die wichtigsten Longevity-Faktoren im Überblick

Wissenschaftlich gut belegt sind vor allem folgende Maßnahmen:
 

  • Nichtrauchen
  • Kein oder nur wenig Alkohol
  • Ausreichende körperliche Aktivität
  • Vermeidung von Übergewicht
  • Ausreichender, aber nicht übermäßiger Schlaf
  • Mediterrane Ernährung


Diese Faktoren wirken sich positiv auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Stoffwechsel, Entzündungsprozesse und das Immunsystem aus – alles entscheidende Aspekte für gesundes Altern.

Longevity beginnt im Alltag

Wer seine Lebenserwartung erhöhen und gesund altern möchte, braucht keine High-Tech-Therapie. Entscheidend sind konsequente, langfristige Gewohnheiten: Bewegung, ausgewogene Ernährung, ausreichend Schlaf, Stressreduktion und soziale Einbindung. Longevity ist damit kein kurzfristiger Trend, sondern eine Lebensstrategie.

Die Forschung zeigt deutlich: Wir haben mehr Einfluss auf unser Altern, als lange angenommen wurde. Wer früh beginnt – oder auch später noch umstellt – kann seine gesunden Lebensjahre spürbar verlängern.

Ihr Experte

doc

Prof. Dr. Rainer Wirth

Direktor

Klinik für Altersmedizin und Frührehabilitation

Marien Hospital Herne – Universitätsklinikum der

Ruhr-Universität Bochum

Fon 0 23 23 - 499 - 24 01

altersmedizin@marienhospital-herne.de