Mann mit Bauchschmerzen

Akute Entzündung der Bauchspeicheldrüse Auf jeden Fall ein Fall für den Arzt

Die Bauchspeicheldrüse, auch Pankreas genannt, ist ein Organ, das vor allem bei der Verdauung eine wichtige Rolle spielt. Durch Gallensteine oder Alkohol- und Nikotinkonsum kann es zu einer akuten Entzündung der Bauchspeicheldrüse kommen, einer sogenannten akuten Pankreatitis. Diese kann lebensbedrohlich werden, weshalb Betroffene umgehend einen Arzt aufsuchen sollten. Unsere Experten erklären, wie die Entzündung genau entsteht und warum sie so gefährlich ist.

Bauchspeicheldrüse liegt im oberen Bauchbereich direkt hinter dem Magen und produziert Verdauungsenzyme sowie wichtige Hormone zur Regulierung des Blutzuckers, zum Beispiel Insulin. Kommt es zu einer Entzündung des Organs, können diese Abläufe gestört sein. Bei einer schweren Verlaufsform können sogar einzelne Zellen oder die gesamte Drüse absterben. Dadurch können auch umliegende Organe, wie die Lunge oder das Herz, geschädigt werden. Eine Pankreatitis ist deshalb in jedem Fall ein Fall für einen Arzt.

In der Medizin unterscheidet man zwischen einer akuten Pankreatitis und einer chronischen Pankreatitis. Auslöser für eine akute Entzündung und die dadurch entstehenden Beschwerden sind in den meisten Fällen Gallensteine.

Mehr Informationen zu Symptomen, Diagnose und Behandlung einer chronischen Pankreatitis gibt es hier.

 

„Durch Gallensteine kann dieser gemeinsame Abschnitt blockiert werden und ein Rückstau der Verdauungssekrete bis zurück in die Bauchspeicheldrüse entstehen.“

  Dr. Viktor RempelChefarzt der Klinik für Gastroenterologie des St. Anna Hospital Herne

Gallensteine blockieren den Weg

Der Grund, warum Gallensteine eine akute Pankreatitis auslösen können, liegt in der anatomischen Nähe des Pankreasgangs und des Gallengangs. „Durch den Pankreasgang fließen die Verdauungssekrete aus der Bauchspeicheldrüse in den Dünndarm“, erklärt Dr. Viktor Rempel, Chefarzt der Klinik für Gastroenterologie des St. Anna Hospital Herne. „Kurz vor dem Darm mündet dieser Gang in den Gallengang. Durch Gallensteine kann dieser gemeinsame Abschnitt blockiert werden und ein Rückstau der Verdauungssekrete bis zurück in die Bauchspeicheldrüse entstehen.“

Dieser Rückstau führt dazu, dass die im Sekret enthaltenen Verdauungsenzyme nicht wie vorgesehen im Darm aktiv werden, sondern bereits in der Drüse selbst. Die aktivierten Enzyme greifen das Gewebe an, sodass sich das Organ gewissermaßen selbst „verdaut“. Darauf reagiert das Immunsystem mit einer Entzündung.

Weitere Ursachen für eine Entzündungsreaktion

Eine weitere häufige Ursache für eine Entzündung ist übermäßiger Alkohol- und Nikotinkonsum. Beide Stoffe greifen das Gewebe in der Bauchspeicheldrüse direkt an und können so eine Entzündung auslösen.

Symptome einer akuten Pankreatitis

Ein typisches Symptom einer akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung sind plötzlich auftretende, starke Schmerzen im Oberbauch. Diese Schmerzen können bis in den Rücken hinaufstrahlen und von Fieber, Übelkeit und Erbrechen begleitet werden. Außerdem haben Betroffene oft einen sogenannten „Gummibauch“. Dieser äußert sich in einer aufgeblähten Bauchdecke, die jedoch nicht hart, sondern eher elastisch ist. Durch die Anspannung ist der Bauch häufig sehr druckempfindlich.

Diagnose durch verschiedene Verfahren

Um festzustellen, ob die Beschwerden durch eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse verursacht werden, wird neben einem Gespräch über Symptome und Vorerkrankungen sowie einer körperlichen Untersuchung in der Regel auch eine Blutuntersuchung durchgeführt. „Bei Verdacht auf eine Pankreatitis wird beispielsweise der Lipase-Wert im Blut untersucht “, erläutert Priv.-Doz. Dr. David Scholten, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin, Gastroenterologie, Pneumologie des Marien Hospital Witten. „Lipase ist ein Enzym, das in der Bauchspeicheldrüse gebildet und in den Darm abgegeben wird. Ist dieser Wert im Blut erhöht, deutet das auf eine Pankreatitis hin.“

 

„Lipase ist ein Enzym, das in der Bauchspeicheldrüse gebildet und in den Darm abgegeben wird. Ist dieser Wert im Blut erhöht, deutet das auf eine Pankreatitis hin.“

  Priv.-Doz. Dr. David ScholtenChefarzt der Klinik für Innere Medizin, Gastroenterologie, Pneumologie des Marien Hospital Witten

Da eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse häufig auch mit einer Veränderung des Gewebes einhergeht, werden zur Diagnose oftmals auch bildgebende Verfahren wie Ultraschall eingesetzt. Dadurch lässt sich auch der Schweregrad einer vorliegenden Entzündung bestimmen. In einigen wenigen Fällen kann ein bösartiger Tumor oder eine Krebsvorstufe eine akute Pankreatitis verursachen, diese Ursachen müssen zudem ausgeschlossen werden.

Behandlung im Krankenhaus

Eine akute Pankreatitis kann lebensbedrohlich sein. Deswegen werden Patienten grundsätzlich stationär im Krankenhaus behandelt. Ein wichtiger Bestandteil der Behandlung sind Schmerzmittel zur Linderung der oftmals starken und krampfartigen Schmerzen. Da es bei einer Pankreatitis häufig zu einem Flüssigkeitsmangel kommt, werden die Patienten über eine Infusion mit Flüssigkeit versorgt. „Um die Bauchspeicheldrüse zu schonen, sollten Betroffene außerdem einige Tage nichts essen, vor allem, wenn sie unter Übelkeit und Erbrechen leiden“, erklärt Dr. Johannes Schweinfurth, Leitender Arzt der Abteilung für Gastroenterologie der Medizinischen Klinik I des Marien Hospital Herne – Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum.

 

„Wenn Gallensteine der Auslöser der Pankreatitis sind, werden diese im Rahmen einer endoskopischen Untersuchung (ERCP) entfernt.“

  Dr. Johannes Schweinfurth Leitender Arzt der Abteilung für Gastroenterologie der Medizinischen Klinik I des Marien Hospital Herne

Patienten werden dann über eine Infusion mit Flüssigkeit versorgt. „Wenn Gallensteine der Auslöser der Pankreatitis sind, werden diese im Rahmen einer endoskopischen Untersuchung (ERCP) entfernt“, ergänzt Dr. Schweinfurth. Grundsätzlich sollten Patienten zur Behandlung einer Pankreatitis auf Alkohol und Nikotin verzichten.

Mehr Informationen zu Symptomen, Diagnose und Behandlung von Gallensteinen gibt es hier.

Ihre Experten

doc

Dr. med. Viktor Rempel

Chefarzt
Klinik für Gastroenterologie
St. Anna Hospital Herne
Fon 0 23 25 - 986 - 21 51
gastroenterologie@annahospital.de

doc

Priv.-Doz. Dr. David Scholten

Chefarzt
Klinik für Innere Medizin,Gastroenterologie, Pneumologie
Marien Hospital Witten
Fon 0 23 02 - 173 - 13 71
medizinischeklinik@marien-hospital-witten.de

doc

Dr. med. Johannes Schweinfurth

Leitender Arzt
Abteilung für Gastroenterologie
Marien Hospital Herne
Fon 0 23 23 - 499 - 51 74
gastroenterologie@marienhospital-herne.de