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Chronische Pankreatitis Wenn die Bauchspeicheldrüse dauerhaft entzündet ist

Eine Pankreatitis ist eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse. Neben der akuten Pankreatitis gibt es auch eine chronische Form dieser Erkrankung. Sie beginnt meist schleichender und führt langfristig dazu, dass das Organ vollständig zerstört wird. Die häufigsten Gründe für eine solche chronische Entzündung sind Alkohol- und Nikotinkonsum.

Die Bauchspeicheldrüse ist ein Organ, das Verdauungsenzyme produziert und diese in den Darm abgibt, damit dort der Nahrungsbrei aus dem Magen in seine Bestandteile zerlegt werden kann. Neben diesen Enzymen werden auch Hormone wie Insulin produziert, die den Blutzucker regulieren. Durch regelmäßigen Alkohol- oder Nikotinkonsum kann es zu einer chronischen Entzündung der Bauchspeicheldrüse kommen, einer sogenannten chronischen Pankreatitis. Bei manchen Menschen reichen schon geringe Mengen an Alkohol und Nikotin aus, dies ist individuell sehr verschieden. Eine anhaltende bzw. wiederkehrende Entzündung der Bauchspeicheldrüse hinterlässt bleibende Schäden am Gewebe und bewirkt dadurch, dass die Funktion des Organs langfristig komplett ausfällt. Aufgrund der eher unspezifischen Symptome, wird die Erkrankung aber oftmals erst spät erkannt. Einige Beschwerden können jedoch trotzdem darauf hindeuten und sollten mit einem Arzt abgeklärt werden.

Anzeichen für eine chronische Pankreatitis

Eine chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung schreitet langsamer und schleichender voran als die akute Form. Trotzdem gibt es Symptome, die für beide Formen typisch sind: Dazu zählen starke Schmerzen im Oberbauch, die gürtelförmig bis in den Rücken ausstrahlen. Diese können bei der chronischen Pankreatitis dauerhaft bestehen oder immer wieder auftreten, etwa nach dem Essen.

 

„Der Mangel an Verdauungsenzymen kann zu Verdauungsproblemen wie Blähungen oder fettigem Stuhl führen.“

  Priv.-Doz. Dr. David ScholtenChefarzt der Klinik für Innere Medizin, Gastroenterologie, Pneumologie des Marien Hospital Witten

„Durch den zunehmenden Funktionsverlust der Bauchspeicheldrüse kann es auch zu einem Mangel an Verdauungsenzymen kommen“, erläutert Priv.-Doz. Dr. David Scholten, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin, Gastroenterologie, Pneumologie des Marien Hospital Witten. „Dieser Mangel kann zu Verdauungsproblemen wie Blähungen oder fettigem Stuhl führen.“ Wird infolge der Entzündung zu wenig Insulin freigesetzt, kann sich außerdem ein Diabetes mellitus entwickeln.

Mehr Informationen zu Symptomen, Diagnose und Behandlung einer akuten Pankreatitis gibt es hier.

Diagnose durch bildgebende Verfahren

Um festzustellen, ob eine chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung vorliegt, werden neben einem Gespräch und einer körperlichen Untersuchung verschiedene bildgebende Verfahren eingesetzt. „Durch die Endosonografie, eine Ultraschalluntersuchung innerhalb des Körpers, können Veränderungen wie Verkalkungen direkt am Organ festgestellt werden“, erklärt Dr. Viktor Rempel, Chefarzt der Klinik für Gastroenterologie des St. Anna Hospital Herne.

 

„Durch die Endosonografie, eine Ultraschalluntersuchung innerhalb des Körpers, können Veränderungen wie Verkalkungen direkt am Organ festgestellt werden.“

  Dr. Viktor RempelChefarzt der Klinik für Gastroenterologie des St. Anna Hospital Herne

Auch Computertomografie und Magnetresonanztomografie kommen häufig zum Einsatz, da sie das Organ noch detailreicher und mit einer besseren Bildqualität darstellen können. In der Regel wird auch der Stuhl untersucht. „Durch eine Stuhlprobe kann die Konzentration des Enzyms Elastase bestimmt werden. Ist diese niedrig, spricht das für eine nachlassende Funktion der Bauchspeicheldrüse“, so Dr. Rempel.

Medikamentöse Therapie

Bei der Behandlung einer Pankreatitis steht zunächst die medikamentöse Therapie im Vordergrund. Um die Schmerzen der Betroffenen zu lindern, werden Schmerzmittel verabreicht. Patienten, die bereits einen Diabetes mellitus entwickelt haben, müssen außerdem eine Insulintherapie erhalten. Und auch ein Mangel an Verdauungsenzymen kann medikamentös ausgeglichen werden.

Weitere Informationen zum Thema Diabetes und welche Folgeerkrankungen dadurch entstehen können, gibt es hier.

 

„Durch eine Abstinenz lassen sich weitere Entzündungen verhindern und die Zerstörung des Pankreasgewebes aufhalten.“

  Dr. Johannes Schweinfurth Leitender Arzt der Abteilung für Gastroenterologie der Medizinischen Klinik I des Marien Hospital Herne

Was Patienten selbst tun können

„Ein weiterer wichtiger Punkt der Therapie ist der komplette Verzicht auf Alkohol und Nikotin, da diese die Beschwerden verstärken“, betont Dr. Johannes Schweinfurth, Leitender Arzt der Abteilung für Gastroenterologie der Medizinischen Klinik I des Marien Hospital Herne – Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum. „Durch eine Abstinenz lassen sich weitere Entzündungen verhindern und die Zerstörung des Pankreasgewebes aufhalten.“

Zusätzlich sollten Patienten ihre Ernährung umstellen und darauf achten, nur wenig Kohlenhydrate und Fett zu sich zu nehmen, da deren Verwertung durch die eingeschränkte Funktion der Bauchspeicheldrüse erschwert wird.

Behandlung möglicher Komplikationen

Eine chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung führt häufig zu Verkalkungen, wodurch Steine im Pankreasgang und Engstellen entstehen können. Dieser Gang verbindet die Bauchspeicheldrüse mit dem Dünndarm. Solche Steine oder auch Zysten können Druck auf benachbarte Organe und Gefäße ausüben und Schmerzen verursachen. Ein endoskopischer Eingriff kann Linderung verschaffen, indem die Steine entfernt bzw. die Zysten in den Magen abgeleitet werden. Außerdem kann der behandelnde Arzt Stents setzen, um Engstellen zu weiten und eine erneute Verengung zu verhindern.

Eine chronische Pankreatitis ist außerdem ein Risiko für die Entwicklung eines bösartigen Tumors, eines sogenannten Pankreaskarzinoms. Daher sollten Betroffene kontinuierlich in Behandlung bei einem Facharzt bleiben.

Ihre Experten

doc

Dr. med. Johannes Schweinfurth

Leitender Arzt
Abteilung für Gastroenterologie
Marien Hospital Herne
Fon 0 23 23 - 499 - 51 74
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