Diabetes Folgeerkrankungen

Gefährliche Folgeerkrankungen Wenn Diabetes zur tickenden Zeitbombe wird

Bei Diabetes kann man von einer echten Volkskrankheit sprechen. Rund jeder 11. Deutsche war laut der International Diabetes Federation (IDF) 2017 daran erkrankt. Die Krankheit lässt sich durch Medikamente gut einstellen, sodass Betroffene in der Regel ein weitgehend unbeschwertes Leben führen können. Allerdings erhöht Diabetes das Risiko für gefährliche Folgeerkrankungen. Darunter am häufigsten: Nierenschäden, Herzinfarkt, Schlaganfall und Nervenschäden. Wie Betroffene die tickende Zeitbombe Diabetes entschärfen können, verraten unsere Experten.

Wer an Diabetes mellitus erkrankt ist, leidet an einer Stoffwechselstörung, deren wesentliches Merkmal eine Überzuckerung des Blutes ist. Daher spricht man im Volksmund auch häufig von der Zuckerkrankheit. Dabei spielt das Hormon Insulin eine entscheidende Rolle, das dafür sorgt, dass Glucose aus dem Blut in die Körperzellen gelangt. Es gibt verschiedene Arten von Diabetes, am häufigsten ist mit 90% aller Diabetesfälle der Typ 2-Diabetes.

Hohes Risiko

Diabetiker leben in der Regel weitgehend unbeschwert, müssen aber deutlich besser auf sich Acht geben als gesunde Menschen. Weil ein hoher Blutzucker keine Schmerzen verursacht, werden die Gefahren und Folgen oft unterschätzt. Aber bereits geringfügig erhöhte Blutzuckerwerte können zu gefährlichen Veränderungen an den Blutgefäßen und Nerven und somit zu Krankheiten wie dem diabetischen Fuß führen.

 

„Das Risiko, einen Schlaganfall oder Herzinfarkt zu erleiden, ist für Patienten mit Diabetes zwei- bis dreimal höher als bei Nicht-Diabetikern. Auch Amputationen, Sehstörungen, Nierenschädigungen und Sexualstörungen sind häufig Spätfolgen eines Diabetes.“

  Priv.-Doz. Dr. David Scholten, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin und Gastroenterologie im Marien Hospital Witten

Zwei Drittel aller Diabetiker versterben vorzeitig an einem Herzinfarkt oder Schlaganfall. „Das Risiko, einen Schlaganfall oder Herzinfarkt zu erleiden, ist für Patienten mit Diabetes zwei- bis dreimal höher als bei Nicht-Diabetikern. Auch Amputationen, Sehstörungen, Nierenschädigungen und Sexualstörungen sind häufig Spätfolgen eines Diabetes“, so Priv.-Doz. Dr. David Scholten, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin und Gastroenterologie im Marien Hospital Witten. Umso wichtiger ist es deshalb, Diabetes frühzeitig zu erkennen und geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um Folgeerkrankungen zu verhindern.

Vorsicht ist besser als Nachsicht

Gehört man zu einer Risikogruppe, ist es wichtig, regelmäßig beim Hausarzt seine Blutwerte kontrollieren zu lassen. Besonders Menschen mit Übergewicht oder erhöhtem Blutdruck sollten auf sich achten.  „Bleibt Diabetes über Jahre unbemerkt, können sich Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schäden an Nieren und Augen und gefährliche Durchblutungsstörungen an Füßen und Beinen entwickeln“, erklärt Prof. Dr. Timm Westhoff, Chefarzt der Medizinischen Klinik I im Marien Hospital Herne – Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum. Wenn Diabetes oder seine Vorstadien jedoch rechtzeitig erkannt und entsprechend behandelt werden, lassen sich die Erkrankung und ihre Folgen vermeiden.

 

„Bleibt Diabetes über Jahre unbemerkt, können sich Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schäden an Nieren und Augen und gefährliche Durchblutungsstörungen an Füßen und Beinen entwickeln.“

  Prof. Dr. Timm Westhoff, Chefarzt der Medizinischen Klinik I im Marien Hospital Herne – Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum
 

„Die ersten zehn Jahre der Diabeteserkrankung und die Einstellung des Blutzuckers bestimmen das Risiko für Folgeerkrankungen.“

  Dr. Viktor Rempel, Chefarzt der Klinik für Gastroenterologie im St. Anna Hospital Herne

Die richtige Einstellung

Wer bereits an Diabetes erkrankt ist, sollte auf die richtige Einstellung seines Blutzuckers achten und ebenfalls regelmäßig seine Werte ärztlich untersuchen lassen. „Die ersten zehn Jahre der Diabeteserkrankung und die Einstellung des Blutzuckers bestimmen das Risiko für Folgeerkrankungen“, erläutert Dr. Viktor Rempel, Chefarzt der Klinik für Gastroenterologie im St. Anna Hospital Herne. Darüber hinaus spielen Ernährung und Bewegung bei Typ 2-Diabetikern eine bedeutende Rolle. Wer gesund isst und sich regelmäßig bewegt, nimmt ab und trägt dazu bei, die Insulinempfindlichkeit der Körperzellen zu normalisieren. Weiterführende Informationen zur Behandlung von Diabetes gibt es hier.

Ernährung ist das A und O

Eine fettreduzierte, ausgewogene Mischkost mit viel Gemüse und Obst sowie ausreichend Ballaststoffen und pflanzlichen Ölen sollte die Grundlage der Ernährung bilden. Süßigkeiten, Fast Food, Wurstwaren, Käse und Saucen werden für Diabetiker nur in Maßen empfohlen. Auch auf Alkohol und aufs Rauchen sollten Betroffene möglichst verzichten. Wie Betroffene ihre Ernährung am besten umstellen können und worauf sie achten sollten, erfahren diese bei einem Arzt, einem Ernährungsberater oder bei speziellen Informationstreffen für Diabetiker.

Sport und Bewegung

Auch regelmäßige Bewegung hilft Folgeerkrankungen vorzubeugen. Schon kleine Veränderungen im Alltag können einen positiven Effekt haben. Wie wäre es zum Beispiel damit, sich mehr beim Haushalt oder bei der Gartenarbeit einzubringen? Oder öfter die Treppe statt des Fahrstuhls zu benutzen? Außerdem empfiehlt es sich, regelmäßig Ausdauersport zu betreiben. Für Einsteiger eignen sich zum Beispiel Nordic Walking oder Aqua-Gymnastik. Wichtig ist, am Ball zu bleiben. Das funktioniert am ehesten, wenn man eine Sportart ausübt, die einem Spaß macht. Dabei gilt Folgendes zu beachten: Diabetiker sollten sich unbedingt vorher ärztlich beraten lassen, besonders, wenn sie sich vorher nur wenig körperlich betätigt haben oder andere Erkrankungen bestehen. Zudem sollte man sich klar darüber sein, dass Bewegung Auswirkungen auf den Blutzuckerspiegel hat. Daher sollte mit einem Arzt besprochen werden, ob und wie die Ernährung und die benötigten Antidiabetika vor oder nach dem Sport angepasst werden müssen, damit es nicht zu einer Unterzuckerung und einem diabetischen Notfall kommt.

Auf einen Blick: Folge- erkrankungen vermeiden

  • Wer einer Risikogruppe angehört, sollte seine Blutwerte regelmäßig untersuchen lassen
  • Gewicht reduzieren
  • Auf eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Ballaststoffen und pflanzlichen Ölen achten
  • Auf Alkohol und Zigaretten verzichten
  • Mehr Bewegung in den Alltag einbauen
  • Ausdauersport
  • Den Blutzucker regelmäßig kontrollieren und anpassen

Ihre Experten

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Prof. Dr. med. Timm H. Westhoff

Klinikdirektor

Medizinische Klinik I - Allgemeine Innere, Nephrologie und Hypertensiologie, Gastroenterologie, Pneumologie
Marien Hospital Herne - Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum

Fon: 02323 499-1671

innere-medizin@marienhospital-herne.de

doc

Priv.-Doz. Dr. med. David Scholten

Chefarzt

Klinik für Innere Medizin und Gastroenterologie
Marien Hospital Witten

Fon: 02302 173-1371

medizinischeklinik@marien-hospital-witten.de

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Dr. med. Viktor Rempel

Chefarzt

Klinik für Gastroenterologie
St. Anna Hospital Herne

Fon 02325 986-2151

gastroenterologie@annahospital.de