Symbolbild WPW-Syndrom

WPW-Syndrom Drei Buchstaben, eine ernstzunehmende Erkrankung

Das Wolff-Parkinson-White-Syndrom (auch WPW-Syndrom genannt) ist eine von vielen Unterarten der Herzrhythmusstörungen. Diese bezeichnen eine Gruppe von Erkrankungen, bei denen es zu Unregelmäßigkeiten des Herzschlags kommt – beispielsweise in Form von Herzrasen, Herzstolpern oder kurzfristigen Herzaussetzern. Auslöser für diese Unregelmäßigkeiten ist beim WPW-Syndrom eine elektrische Erregung, die zwischen den Vorhöfen und den Herzkammern kreist und so immer wieder neue, außerplanmäßige Herzschläge auslöst. Der elektrische Impuls wird über eine oder mehrere zusätzliche Verbindungen geleitet, die in einem gesunden Herzen nicht existieren.

Wenn ein Herzschlag den nächsten jagt

In einem gesunden Herzen können sich die elektrischen Impulse, die den Herzschlag bestimmen, nur über einen einzigen Weg von den Vorhöfen zu den Herzkammern bewegen: über den sogenannten Atrioventrikularknoten (AV-Knoten). Durch die Weiterleitung der Impulse bestimmt er die Kontraktion des Herzmuskels. „Bei Patienten mit WPW-Syndrom existieren aber zwei oder sogar noch mehr elektrisch leitende Verbindungen zwischen Vorhöfen und Kammern“, erklärt Priv.-Doz. Dr. Hans-Jörg Hippe, Chefarzt der Klinik für Kardiologie des Marien Hospital Witten. „So kann ein elektrischer Impuls aus der Herzkammer zurück in den Vorhof geleitet werden, wo er nach kurzer Zeit wieder eine Kontraktion des Herzens hervorruft. Diese zieht wiederum einen weiteren, verfrühten Herzschlag mit sich und so weiter.“ Es kommt zu einer kreisenden Erregung, und damit meist zu Herzrasen (Tachykardie).

 

"In seltenen Fällen können Betroffene kurzzeitig bewusstlos werden."

  Priv.-Doz. Dr. Hans-Jörg HippeChefarzt, Klinik für Kardiologie, Marien Hospital Witten

Dieses Herzrasen kann schlagartig beginnen und ebenso plötzlich wieder aufhören. Es entsteht häufig nach Belastungen, etwa beim Sport, kann aber auch in einer entspannten Situation auftreten. Je nach Intensität kann daraus ein spürbares, intensiveres Herzklopfen entstehen. Auch Schwindel und Unwohlsein können auftreten. In seltenen Fällen kommt es zu einer kurzen Bewusstlosigkeit, einer sogenannten Synkope.

Bei weiteren Herzrhythmusstörungen ist Vorsicht geboten

„Das Herzrasen an sich kann unangenehm sein, ist aber nicht unbedingt problematisch, auch Jugendliche und junge Erwachsene sind häufig über Jahre betroffen“, sagt Prof. Dr. Hans-Joachim Trappe, Direktor der Medizinischen Klinik II – Kardiologie / Angiologie des Marien Hospital Herne – Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum. „Kommen jedoch weitere Herzrhythmusstörungen hinzu, insbesondere Vorhofflimmern, kann aus dem WPW-Syndrom eine lebensgefährliche Erkrankung werden.“ Je älter der Patient, desto wahrscheinlicher tritt auch Vorhofflimmern gemeinsam mit dem WPW-Syndrom auf. Aber auch bei jungen Menschen ist dies möglich, insbesondere nach erhöhtem Alkoholkonsum oder dem übermäßigen Genuss von Energydrinks.

Diagnose mit Langzeit-EKG und Herzkatheter

Das wichtigste Instrument zur Diagnose des WPW-Syndroms ist das Elektrokardiogramm (EKG). Diese Untersuchung stellt den Herzrhythmus und den Ablauf der elektrischen Impulse im Herzen in Form von Kurven dar Das Ruhe-EKG ist bei WPW-Syndrom in charakteristischer Weise verändert (Delta-Welle). Besonders aussagekräftig ist sie während eines Anfalls von Herzrasen, weshalb häufig auch ein sogenanntes Langzeit-EKG eingesetzt wird. Dieses trägt der Patient für mind. 24 Stunden am Körper und zeichnet so seinen Herzrhythmus auf. Auch eine Aufzeichnungsdauer von bis zu 7 Tagen ist möglich und im Einzelfall sinnvoll. Besteht Verdacht auf das WPW-Syndrom kann das Herz auch bei einer elektrophysiologischen Untersuchung im Herzkatheterlabor auf zusätzliche Leitungsbahnen untersucht werden.

Wie man das Herzrasen unterbinden kann

Die Behandlung des WPW-Syndroms verfolgt zwei Ziele: Zum einen sollen akute Anfälle von Herzrasen schnellstmöglich unterbrochen werden, zum anderen gilt es – insbesondere beim Vorliegen weiterer Herzrhythmusstörungen – das Auftreten von neuen, möglicherweise gefährlichen Anfällen zu verhindern. Wer am WPW-Syndrom erkrankt ist und Herzrasen bei sich bemerkt, kann zunächst versuchen, dieses durch das Trinken von kaltem Wasser oder kräftigem Pressen auf den Bauchraum zu beenden. Alternativ kann der behandelnde Arzt das Herzrasen durch Medikamente oder eine Injektion unterbrechen.

 

"Durch die Behandlung im Herzkatheterlabor kann ein erneutes Auftreten des Herzrasens verhindert werden."

  Prof. Dr. Hans-Joachim TrappeDirektor, Medizinische Klinik II – Kardiologie/Angiologie, Marien Hospital Herne

Ein erneutes Auftreten des Herzrasens lässt sich nur verhindern, indem die zusätzlichen Leitungsbahnen im Herzen verödet werden. Dieses geschieht im Rahmen der sogenannten Katheterablation in einem Herzkatheterlabor. Dabei wird ein spezieller Katheter durch eine Vene bis ins Herz vorgeschoben. Unter ständiger EKG-Überwachung schiebt der Arzt die Sonde bis an die gewünschte Stelle, wo die zusätzlichen Leitungsbahnen durch den Einsatz von hochfrequentem Strom verödet werden.

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Priv.-Doz. Dr. Hans-Jörg Hippe

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Prof. Dr. Hans-Joachim Trappe

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