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Wespenstiche Nur schmerzhaft oder auch gefährlich?

Ob in der Eisdiele, im Park oder im eigenen Garten: Wespen begegnen uns aktuell überall. Wenn eine Wespe tatsächlich zusticht, ist dies schmerzhaft und unangenehm. Besteht eine Allergie gegen das Wespengift, sollte der Betroffene schnell handeln. Was genau in diesem Fall zu tun ist, erklärt unsere Expertin Petra Stuckmann, Fachärztin für Allgemeinmedizin, Allergologie und reisemedizinische Gesundheitsberatung im MVZ Herne – Ärzte Hölkeskampring.

Wie gefährlich sind Wespenstiche für uns Menschen?

Es piekst, juckt und tut weh, meist sind Stiche aber harmlos. Ganz anders bei Menschen mit einer Allergie gegen das Wespengift: Sie müssen im Umgang mit den Insekten vorsichtig sein, ihn nach Möglichkeit meiden und im Notfall schnell handeln. Etwa drei Prozent der Deutschen reagieren allergisch auf das Gift von Wespen, wobei allergische Reaktionen mit steigendem Lebensalter schwerer verlaufen als bei jüngeren Personen. Beim ersten Stich gibt es jedoch Entwarnung, da eine Allergie erst entsteht, wenn man bereits von einer Wespe gestochen wurde. „Erst im Anschluss bilden sich Antikörper – diese treffen bei einem zweiten Stich auf das Gift, das die sogenannten Antigene enthält, und lösen die allergische Reaktion aus“, so Petra Stuckmann.

Beobachten Betroffene und ihre Begleitpersonen nach einem Stich deutliche Symptome für eine Insektengiftallergie, müssen sie sofort handeln.Wichtig sind vor allem folgende Schritte: Zunächst muss der verbliebene Stachel vorsichtig entfernt werden, ohne diesen zu quetschen. Ein Stachel bleibt seltener bei Wespen- als bei Bienenstichen zurück. Im Anschluss sollte der Betroffene umgehend die Medikamente aus dem Notfall-Set anwenden. Bei einer leichten Allergie reicht unter Umständen die Einnahmen eines Allergiemedikamentes, einem sogenannten Antihistaminikums – allerdings beginnt die Wirksamkeit hier erst nach etwa 45 Minuten. Bei einer bekannten schwereren Insektenallergie muss der Betroffene umgehend den Inhalt eines adrenalinhaltigen Pens in die Außenseite eines Oberschenkels spritzen: Im Idealfall direkt durch die Kleidung, um keine Zeit zu verlieren. Anschließend soll der Betroffene flüssiges Kortison und das Antihistaminikum einnehmen und den Rettungsdienst verständigen. Übergewichtige Personen sollten  einen zweiten Pen injizieren. Bei einer bestehenden Insektengiftallergie verschreibt der behandelnde Arzt die Medikamente für das Notfall-Set, das in den Sommer- und frühen Herbstmonaten immer mitgeführt werden muss.

Gefährlich ist es aber auch für Menschen ohne Allergie, wenn man beispielsweise in den Mund oder Rachenbereich gestochen wird. Durch das Wespengift können die Schleimhäute stark anschwellen, wodurch sich die Atemwege verengen oder verschließen. Bei derartigen Stichen sollte schnellstmöglich ein Notarzt gerufen und die Halspartie von außen mit feuchten Tüchern und von innen durch das Lutschen von Eiswürfeln gekühlt werden.

Wie macht sich eine allergische Reaktion bemerkbar?

Eine allergische Reaktion ist daran zu erkennen, dass im Körper eine sogenannte Fernreaktion durch einen Stich ausgelöst wird. Hierzu zählt, dass ein Juckreiz an anderen Stellen des Körpers, d. h. an Händen und Füßen, im Genitalbereich oder am ganzen Körper auftritt. Aber auch Kreislaufbeschwerden mit Blutdruckabfall, Unwohlsein, Schwächeanfälle, Luftnot sowie Harn- und Stuhldrang sind Zeichen für eine allergische Reaktion. Kommt es nach einem Stich nur zu Rötungen im Stichbereich, liegt keine allergische Reaktion vor. Hier hilft es, die Einstichstelle zu desinfizieren und zu kühlen. Da Wespen- ebenso wie Bienengift für Allergiker sehr gefährlich ist, sollten Betroffene sofort ins Krankenhaus fahren, wenn diese Symptome auftreten.

Wie diagnostiziert man eine Allergie?

Um herauszufinden, ob eine Allergie vorliegt und auf welche Stoffe der Betroffene allergisch reagiert, wird zunächst ein ausführliches Anamnesegespräch geführt. Daraus ergibt sich häufig ein erster Verdacht, was die Allergie auslöst. Eine Allergie gegen das Wespengift wird mithilfe eines Bluttests diagnostiziert, um sogenannte Immunglobuline gegen das Gift zu bestimmen. Falls Anamnese und Bluttest ausreichende Hinweise auf eine Allergie geben, wird eine Hauttestung veranlasst. Dabei wird hochverdünntes Insektengift in die Haut eingespritzt und die Reaktion nach einer Viertelstunde dokumentiert. Bei jedem Durchgang wird die Giftkonzentration erhöht, bis sich eine messbare Quaddel zeigt. Je nach Dauer und Giftkonzentration wird beurteilt, ob es sich um eine Allergie handelt und wie schwerwiegend diese ist.

Gibt es Therapiemöglichkeiten für eine Allergie?

Wird eine Allergie diagnostiziert, kann eine Immuntherapie – früher Hyposensibilisierung genannt – helfen: Dabei wird in festgelegten zeitlichen Abständen in steigender Dosierung über ein bis zwei Tage das Wespengift verabreicht. Über einen abschließenden Teststich überprüfen die Ärzte, ob sich die Reaktion auf das Gift ausreichend abgeschwächt hat. Im Anschluss muss die Erhaltungstherapie beim niedergelassenen Allergologen alle vier Wochen über fünf Jahre weitergeführt werden, um heftige Reaktionen des Körpers langfristig zu verhindern. Zusätzlich erhält der Patient ein Allergie-Notfallset bestehend aus einem oder zwei Adrenalin-Pens, einer Kortison-Lösung und einem sogenannten Antihistaminikum als Tablette oder Lösung. Wichtig ist, jährlich die Haltbarkeit des Notfallsets zu überprüfen und die Medikamente gegebenenfalls mit einem Rezept vom zuständigen Allergologen zu erneuern.

Ihre Expertin

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Petra Stuckmann

Fachärztin
MVZ Herne – Ärzte Hölkeskampring
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