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Kleines Tier, große Gefahr Die Zecke

Warmes Wetter, blühende Felder und ein ausgiebiger Spaziergang durch den Wald oder über die Wiese: Der Sommer kann so schön sein. Was die warmen Monate aber nicht ganz so schön macht, sind kleine, achtbeinige Spinnentierchen: die Zecken.

Die Zecke: Verhalten des Blutsaugers

Vor allem die Zeckenart des gemeinen Holzbocks mag unser Klima in Europa und ist fast das ganze Jahr aktiv. Sobald es über sieben Grad warm ist, ist sie auf der Suche nach einem passenden Wirt. Das heißt: Auch in den Wintermonaten besteht die Gefahr eines Zeckenstiches! Zecken sind auf das Blut der Wirte angewiesen, das heißt, sie leben in einer Abhängigkeit von anderen Lebewesen. Das können Tiere, wie zum Beispiel Hunde oder Katzen, aber auch Menschen sein. Aus diesem Grund sollte man auch regelmäßig seine Vierbeiner auf Zecken untersuchen. Aber wie findet die Zecke den passenden Wirt? „Die Zecke nimmt Erschütterung und Gerüche aus der Umgebung wahr und erkennt so Mensch und Tier. Dabei hilft ihr das Haller´sche Organ, das an ihren Vorderfüßen sitzt“, erklärt Petra Stuckmann, Fachärztin für Allgemeinmedizin, Allergologie und reisemedizinische Gesundheitsberatung, MVZ Herne – Ärzte Hölkeskampring.

 

„Die Zecke nimmt Erschütterung und Gerüche aus der Umgebung wahr und erkennt so Mensch und Tier. Dabei hilft ihr das Haller´sche Organ, das an ihren Vorderfüßen sitzt.“

  Petra StuckmannFachärztin für Allgemeinmedizin, Allergologie und reisemedizinische Gesundheitsberatung, MVZ Herne – Ärzte Hölkeskampring.
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Gefahr durch die Zecke

Hat die Zecke einen Wirt gefunden, haftet sie sich an und krabbelt auf ihm herum: Sie ist auf der Suche nach einem geeigneten Platz, um ihr Saugorgan in das Opfer zu stechen. Das kann bis zu zwei Stunden dauern. Dafür benötigt sie eine trockene Stelle mit dünner Haut: zum Beispiel die Kniekehlen, den Genitalbereich oder den Haaransatz. Hat sie die passende Stelle gefunden, sticht sie zu und saugt den Wirt an. Dabei besteht die Gefahr, dass das Spinnentierchen Bakterien und Viren überträgt. Das können zum Beispiel Borreliose- oder Frühsommer-Meningoenzephalitis-Erreger sein. Während Borreliose das Nervensystem oder Gelenke angreift und dort schwere Schäden verursachen kann, befällt die Frühsommer-Meningoenzephalitis das Hirn und die Hirnhäute. Dabei startet die Erkrankung mit grippeähnlichen Symptomen und führt unter Umständen bis zu neurologischen Ausfallserscheinungen, wie zum Beispiel Sprach- und Sehstörungen oder Gesichtslähmung. Borreliose hingegen kann bleibende Nervenlähmungen oder rheumatische Gelenksbeschwerden verursachen.

Schutz vor einem Stich

Damit es nicht so weit kommt, ist ein Schutz vor den kleinen Tierchen unerlässlich. „Dazu gehört zum Beispiel das Absuchen des Körpers nach Zecken: Vor allem nach Spaziergängen im Wald oder im hohen Gras sollte man nach den Tierchen suchen“, berichtet Petra Stuckmann. Um die Insekten zu entfernen, kann eine Pinzette genutzt werden. Zu beachten ist dabei: Die Tiere müssen unbedingt komplett entfernt und nicht zerdrückt werden. Denn im Magen-Darm-Trakt der Tiere befinden sich die gefährlichen Bakterien und Viren. Ist die Zecke zerdrückt, können die Krankheitserreger über die offene Wunde in der Haut in das Blutsystem des Wirts gelangen. Wenn die Zecke mit allen Körperteilen entfernt ist, sollte die Stelle desinfiziert werden.

Um sich gegen die Frühsommer-Meningoenzephalitis zu schützen, gibt es eine Impfung: „Gerade wenn man in einem Zecken-Risikogebiet lebt oder dorthin reist, sollte die Frühsommer-Meningoenzephalitis-Impfung regelmäßig überprüft und aufgefrischt werden.“ Gegen Borreliose gibt es bisher nur in den USA einen Impfstoff, der aber gegen die Borreliose-Bakterien in Europa nicht wirkt. Allerdings kann die Erkrankung gut mit Medikamenten, wie zum Beispiel Antibiotika, behandelt werden.

 

 „Gerade wenn man in einem Zecken-Risikogebiet lebt oder dorthin reist, sollte die Frühsommer-Meningoenzephalitis-Impfung regelmäßig überprüft und aufgefrischt werden.“

 
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Impftermine können beim Haus- oder Facharzt vereinbart werden.

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Petra Stuckmann

Fachärztin
MVZ Herne – Ärzte Hölkeskampring
Fon 02323 499-1970
info@mvz-herne.com

Wie Sie sich außerdem schützen können:

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  • Vorsorge ist die beste Medizin: Überprüfen Sie regelmäßig Ihren Impfschutz und frischen Sie ihn gegebenenfalls auf.
  • Nach jedem Spaziergang im Wald oder im Gras gilt: Suchen Sie sich und Ihre Kinder nach Zecken ab. Vornehmlich sitzen sie an Stellen, an denen die Haut dünn ist (z. B. Kniekehlen, Haaransatz, Achseln). Auch Ihre Vierbeiner sollten Sie davon nicht ausnehmen.
  • Halten Sie sich nach Möglichkeit nicht zu lange im hohen Gras auf.
  • Lange bzw. geschlossene Kleidung erschwert es den Blutsaugern, an eine geeignete Stelle am Körper zu gelangen. Außerdem können die Socken über die Hosenbeine gezogen werden: So können die Tiere nicht von unten in die Hose krabbeln.
  • Insektenabweisende Mittel helfen immer nur bedingt: Sie müssen nach einer gewissen Zeit (meistens nach drei Stunden) wieder aufgetragen werden.