Weingummiwürmer als Symbolbild für Würmer im Darm

Ungebetene Gäste Würmer im Darm

40 cm große Würmer, die sich im Darm einnisten – solche und ähnliche Schauergeschichten von Darmparasiten hört man immer wieder. Aber wie hoch ist eigentlich die Wahrscheinlichkeit, sich einen Darmparasiten einzufangen? Welche verschiedenen Arten gibt es und vor allem: Wie wird man sie wieder los? Das verraten unsere Experten.

Darmparasiten sind kleine Organismen, die den menschlichen Darm befallen und darin einige Zeit leben können. Das können Würmer sein, aber auch Einzeller, wie etwa Amöben. Würmer befallen den Menschen jedoch am häufigsten. Aufgenommen werden diese meist als Eier oder Larven über den Mund, zum Beispiel durch verunreinigte Nahrung. Da in Deutschland hohe Hygienestandards gelten, ist ein Parasitenbefall hierzulande relativ selten. Dennoch kommt er vor, zum Beispiel bei Reiserückkehrern aus anderen Ländern und bei kleinen Kindern.

Tropenkrankheit Wurmbefall

Es gibt verschiedene Arten von Würmern, die den menschlichen Darm befallen können. Weltweit sind Spulwürmer, Peitschenwürmer und Madenwürmer die häufigsten Darmparasiten. Spulwürmer und Peitschenwürmer kommen hauptsächlich in den Tropen vor. Der erwachsene Spulwurm kann bis zu 40 Zentimeter lang werden und bis zu zwei Jahre im Darm überleben. Die Würmer lassen sich im Stuhl mit bloßem Auge erkennen, die Eier sind nur unter dem Mikroskop sichtbar. Diese sind resistent gegenüber Magensäure und gelangen über Gemüse, verunreinigte Erde oder verschmutztes Wasser in den menschlichen Körper. In den Industrieländern sind weniger als ein Prozent der Menschen infiziert. Die bis zu fünf Zentimeter langen Peitschenwürmer werden als Eier über verunreinigtes Gemüse oder über Erde aufgenommen. Auch bei diesem Wurm sind die Eier nur durch ein Mikroskop zu erkennen.

 

„Bei Kindern oder älteren Menschen kann eine Wurminfektion gefährlich werden, denn sie drohen aufgrund des hohen Flüssigkeits- und Mineralienverlusts schneller auszutrocknen.“

  Dr. Viktor Rempel, Chefarzt der Klinik für Gastroenterologie des St. Anna Hospital Herne

Ein Befall beider Wurmarten kann einen Magen-Darm-Infekt hervorrufen. Dieser äußert sich gewöhnlich durch Bauchkrämpfe, Erbrechen oder auch Durchfall. Bei einem sonst gesunden Erwachsenen sind die Symptome oft kaum ausgeprägt. „Bei Kindern oder älteren Menschen kann eine Infektion allerdings gefährlich werden, denn sie drohen aufgrund des hohen Flüssigkeits- und Mineralienverlusts schneller auszutrocknen“, warnt Dr. Viktor Rempel, Chefarzt der Klinik für Gastroenterologie des St. Anna Hospital Herne. In einzelnen besonders starken Fällen kann es zudem vorkommen, dass Spulwürmer sich ihren Weg vom Darm in benachbarte Organe, wie Leber oder Galle suchen.

Risikofaktor Sandkasten

Die in Deutschland häufigste Wurmerkrankung ist der Befall von Madenwürmern. Mit diesem ein bis zwei Zentimeter großen Parasiten infizieren sich hauptsächlich kleine Kinder, da sie sich gerne alles in den Mund stecken. Die mikroskopisch kleinen Wurmeier lauern an vielen Stellen: auf ungewaschenem Obst, Gemüse und Salat, aber vor allem in Erde und Sand, der durch Hunde- oder Katzenkot verunreinigt wurde, wie zum Beispiel am Spielplatz. Über den Mund gelangen die Wurmeier in den Magen-Darmtrakt der Kinder, wo sie sich zu Würmern entwickeln. Nach zwei bis drei Wochen paaren die Würmer sich. Die männlichen Würmer sterben direkt danach, die Weibchen nachdem sie ihre Eier in den Falten am After des Kindes abgelegt haben. Das Kind klagt dadurch meist über Juckreiz.

Dies sollte ein Alarmzeichen für Eltern sein. „Um herauszufinden, ob es einen Parasitenbefall gibt, sollten Eltern genau hinschauen, ob sich eventuell kleine Würmer in der Windel oder der Unterhose befinden, und dem Kind morgens vor dem ersten Toilettengang einen gewöhnlichen Klebestreifen kurz auf den Bereich rund um den After drücken. Diesen packen sie in eine Tüte oder ein verschlossenes Glas und nehmen ihn mit zum Kinderarzt. Der Arzt kann den Streifen unterm Mikroskop auf Eier untersuchen“, so Dr. Bahman Gharavi, Chefarzt der Kinder- und Jugendklinik des Marien Hospital Witten. Der Befall kann zwar unangenehm sein, ist aber in der Regel harmlos. Mit Hilfe eines Wurmmittels werden die Kinder die Parasiten in der Regel innerhalb weniger Wochen wieder los. Währenddessen ist es wichtig, darauf zu achten, dass das infizierte Kind sich gründlich die Hände wäscht, denn durch Kratzen am Po können die Wurmeier unter die Fingernägel gelangen und von dort in den Mund. Auf diese Weise steckt das Kind sich erneut an. Die Familie, die mit im Haushalt lebt, sollte sich ebenfalls behandeln lassen, da das Risiko, dass sie sich bei dem betroffenen Kind bereits angesteckt hat, hoch ist.

 

„Um herauszufinden, ob es einen Parasitenbefall gibt, sollten Eltern genau hinschauen, ob sich eventuell kleine Würmer in der Windel oder der Unterhose befinden, und dem Kind morgens vor dem ersten Toilettengang einen gewöhnlichen Klebestreifen kurz auf den Bereich rund um den After drücken. Diesen packen sie in eine Tüte oder ein verschlossenes Glas und nehmen ihn mit zum Kinderarzt. Der Arzt kann den Streifen unterm Mikroskop auf Eier untersuchen.“

  Dr. Bahman Gharavi, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin im Marien Hospital Witten

Alles andere als harmlos: der Fuchsbandwurm

Der Fuchsbandwurm ist zwei bis vier Millimeter groß. Seinen Namen hat er von seinem meist heimgesuchten Endwirt, dem Fuchs. Dieser nimmt die Larven der Würmer durch infizierte Nagetiere auf, die er frisst. Im Darm des Fuchses reifen die Larven zu Würmern heran, die wiederum Eier produzieren, die der Fuchs über seinen Kot an die Umwelt abgibt. Der Mensch kann sich mit dem Parasiten infizieren, wenn er diese über den Mund aufnimmt. Dies kann zum Beispiel nach direktem Tier-Kontakt oder über verschmutzte Lebensmittel erfolgen. Daher sollten Lebensmittel, die nahe dem Boden wachsen immer gründlich abgewaschen werden. Auch nach der Gartenarbeit und sonstigem Kontakt mit Erde sollte man sich stets gründlich die Hände waschen. Zudem sollten Hunde und freilaufende Katzen regelmäßig entwurmt werden, da sie sich ebenfalls mit den Würmern infizieren und diese übertragen können. Bei einer Fuchsbandwurm-Infektion gelangen die Eier des Wurms in den Magen. Durch die Magensäure werden zunächst Larven freigesetzt, die später die Dünndarm-Wand durchdringen. So gelangen sie ins Blut und darüber in die Leber. Dort führen sie zu einem tumorartigen Wachstum innerhalb des Lebergewebes, wobei auch naheliegende Organe betroffen sein können

 

„Zu Beginn verläuft die Infektion meist symptomlos, weshalb Fuchsbandwurminfektionen in den meisten Fällen erst bei Routineuntersuchungen festgestellt werden oder erst nach einigen Jahren, wenn die Infektion sich als Druckgefühl im Oberbauch äußert.“

  Dr. Johannes Schweinfurth, Leitender Arzt der Abteilung für Gastroenterologie des Marien Hospital Herne – Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum

„Zu Beginn verläuft die Infektion meist symptomlos, weshalb Fuchsbandwurminfektionen in den meisten Fällen erst bei Routineuntersuchungen festgestellt werden oder erst nach einigen Jahren, wenn die Infektion sich als Druckgefühl im Oberbauch äußert,“ so Dr. Johannes Schweinfurth, Leitender Arzt der Abteilung für Gastroenterologie des Marien Hospital Herne – Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum. Durch das Larvenwachstum werden Blutgefäße oder die Gallengänge zusammengedrückt. Die Symptome ähneln denen einer Hepatitis oder Pankreatitis. Unbehandelt kann eine Fuchsbandwurminfektion innerhalb von 10 bis 15 Jahren tödlich verlaufen. Infektionen mit dem Fuchsbandwurm beim Menschen kommen auch in Deutschland vor, wenn auch sehr selten. Eine Ansteckung von Mensch zu Mensch ist nicht möglich.

Wurmbefall? Nicht mit mir!

Grundsätzlich gilt: Darmparasiten sind zwar unangenehm, aber in den meisten Fällen harmlos. Gerade in Ländern mit hohen Hygienestandards werden nur wenige Menschen mit Parasiten befallen. Wer auf Hygiene achtet und die untenstehenden Tipps beherzigt, kann das Risiko zusätzlich minimieren.

Tabuthema Darm? Lesen Sie hier, warum der Darm ein völlig unterschätztes Organ ist.

5 Tipps, um das Risiko eines Parasitenbefalls zu verringern:

  • Regelmäßig gründlich die Hände waschen, vor allem nach Kontakt mit Sand, Erde oder Tieren. Eine Anleitung zum richtigen Händewaschen gibt es hier.
  • Obst und Gemüse vor dem Verzehr stets gründlich abwaschen
  • In tropischen Ländern kein Leitungswasser trinken
  • In tropischen Ländern barfuß laufen auf erdigem Boden vermeiden
  • Freilaufende Hunde und Katzen entwurmen

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Dr. med. Viktor Rempel

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