Schwangerschaftsdiabetes

Schwangerschaftsdiabetes Gefahr für Mutter und Kind

Etwa 4 % aller werdenden Mütter erkranken während der Schwangerschaft an Schwangerschaftsdiabetes. Damit gehört dieser zu den häufigsten Erkrankungen bei schwangeren Frauen. Doch was genau ist Schwangerschaftsdiabetes? Wie entsteht diese Krankheit und vor allem: Wie lässt sie sich behandeln? Das verraten unsere Experten.

Ist der Blutzuckerspiegel einer werdenden Mutter dauerhaft zu hoch und wird dies erstmalig während der Schwangerschaft festgestellt, spricht man von Schwangerschaftsdiabetes oder auch Gestationsdiabetes. Diese Form des Diabetes ist besonders tückisch, denn er verursacht keine Beschwerden und wird deshalb oft erst spät erkannt. In der Regel verschwindet er nach der Geburt wieder. Er sollte aber unbedingt behandelt werden, denn Schwangerschaftsdiabetes kann gravierende Folgen für die Mutter und vor allem für das Kind haben.

 

„Die Bauchspeicheldrüse muss mehr Insulin produzieren, um die Glukose den Zellen zuzuführen und so die Konzentration des Zuckers im Blut zu senken. In der Regel kommt der Körper der werdenden Mutter mit den veränderten Anforderungen während der Schwangerschaft zurecht. Bei einigen schwangeren Frauen kann die Bauchspeicheldrüse diese Mehrarbeit aber nicht leisten und dem gesteigerten Insulinbedarf nicht gerecht werden, sodass es zu einem Insulinmangel kommt.“

  Dr. Viktor Rempel, Chefarzt der Klinik für Gastroenterologie des St. Anna Hospital Herne

Wie entsteht Schwangerschaftsdiabetes?

Mit fortschreitender Schwangerschaft benötigt die werdende Mutter mehr Energie. Um diese zur Verfügung zu stellen, wird im Körper vermehrt Glukose freigesetzt. „Die Bauchspeicheldrüse muss mehr Insulin produzieren, um die Glukose den Zellen zuzuführen und so die Konzentration des Zuckers im Blut zu senken. In der Regel kommt der Körper der werdenden Mutter mit den veränderten Anforderungen während der Schwangerschaft zurecht. Bei einigen schwangeren Frauen kann die Bauchspeicheldrüse diese Mehrarbeit aber nicht leisten und dem gesteigerten Insulinbedarf nicht gerecht werden, sodass es zu einem Insulinmangel kommt“, erklärt Dr. Viktor Rempel, Chefarzt der Klinik für Gastroenterologie im St. Anna Hospital Herne. Darüber hinaus kann es durch die hormonellen Veränderungen zu einer Insulinresistenz der Zellen kommen.

Welche Auswirkungen hat Schwangerschaftsdiabetes auf Mutter und Kind?

Ist der Blutzuckerspiegel der Mutter erhöht, nimmt auch das Kind mehr Zucker auf und produziert zu viel Insulin. Als Folge davon wächst das Kind stärker, wodurch die Gefahr für Komplikationen bei der Geburt steigt: Frauen, die an Schwangerschaftsdiabetes erkrankt sind, bringen ihr Kind häufiger per Kaiserschnitt oder zu früh zur Welt. „Nach der Geburt leiden die Kinder häufig an Unterzuckerung, weil sie die hohen Zuckerwerte während der Schwangerschaft gewöhnt waren. Viele Kinder müssen deshalb von einer Kinderklinik mitbetreut und nach der Geburt dorthin verlegt werden“, erläutert Dr. Bahman Gharavi, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin im Marien Hospital Witten.

 

„Nach der Geburt leiden die Kinder häufig an Unterzuckerung, weil sie die hohen Zuckerwerte während der Schwangerschaft gewöhnt waren. Viele Kinder müssen deshalb von einer Kinderklinik mitbetreut und nach der Geburt dorthin verlegt werden.“

  Dr. Bahman Gharavi, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin im Marien Hospital Witten
 

„Betroffene Frauen neigen häufiger zu Scheidenpilz- und Harnwegsinfektionen und haben ein erhöhtes Risiko für eine Schwangerschaftsvergiftung.“

  Prof. Dr. Clemens Tempfer, Direktor der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe des Marien Hospital Herne – Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum

Auch für die betroffene Frau kann ein Schwangerschaftsdiabetes gravierende Folgen haben: „Sie neigen häufiger zu Scheidenpilz- und Harnwegsinfektionen und haben ein erhöhtes Risiko für eine Schwangerschaftsvergiftung“, so Prof. Dr. Clemens Tempfer, Direktor der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe des Marien Hospital Herne – Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum. Darüber hinaus entwickelt sich bei manchen Frauen, die während einer Schwangerschaft an einem Gestationsdiabetes leiden, anschließend ein Typ-1- oder ein Typ-2-Diabetes.

Wie erkennt man Schwangerschaftsdiabetes?

Während einer Schwangerschaft sind verschiedene Vorsorgeuntersuchungen sinnvoll. Dazu gehört auch der Blutzuckerbelastungstest, der zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche empfohlen wird. Bei diesem Testverfahren, das auch oraler Glukose-Toleranztest genannt wird, nimmt der Frauenarzt der Schwangeren in nüchternem Zustand Blut ab. Daraus wird der Nüchternblutzuckerwert bestimmt, der kleiner als 92 mg/dl sein soll. Dann gibt er der Frau 75 Gramm in Wasser gelösten Zucker zu trinken. Nach einer Stunde wird der Schwangeren erneut Blut abgenommen und der Blutzuckerwert bestimmt. Jetzt muss der Wert unter 180 mg/dl liegen und bei einer erneuten Abnahme zwei Stunden nach dem Trinken der Zuckerlösung unter 153 mg/dl. Ist das Ergebnis auffällig, muss in weiteren Untersuchungen geklärt werden, ob tatsächlich ein Schwangerschaftsdiabetes vorliegt.

Wie beugt man Schwangerschaftsdiabetes vor?

Schwangerschaftsdiabetes tritt häufig bei übergewichtigen Frauen auf oder bei solchen, bei denen Diabeteserkrankungen in der Familie liegen. Aber auch andere Risikofaktoren, wie etwa eine vorangegangene Geburt eines über vier Kilo schweren Kindes, können einen Schwangerschaftsdiabetes begünstigen. Vorbeugend lässt sich nur wenig gegen Schwangerschaftsdiabetes tun. Eine ausgewogene Ernährung sowie ausreichend Bewegung sind zu empfehlen. Ansonsten ist vor allem die Früherkennung wichtig, damit der Gestationsdiabetes schnell behandelt werden kann, um die Folgen für Mutter und Kind zu minimieren.

Wie behandelt man Schwangerschaftsdiabetes?

Liegt tatsächlich ein Schwangerschaftsdiabetes vor, sollte sich die betroffene Frau an eine Diabetesschwerpunktpraxis wenden. Diese begleitet die werdende Mutter in Zusammenarbeit mit dem behandelnden Frauenarzt durch die Schwangerschaft. Häufig kann bereits eine gezielte Ernährungsanpassung bewirken, dass sich die in der Schwangerschaft entgleisten Blutzuckerwerte wieder normalisieren. Eine zuckerarme Ernährung, viel Flüssigkeit, Obst und Gemüse sind hier die erste Wahl. Sollte eine Ernährungsumstellung nicht erfolgreich sein, kann in manchen Fällen zusätzlich eine Insulin-Therapie notwendig werden. Drei bis sechs Monate nach der Entbindung sollten betroffene Frauen ihren Diabetologen erneut zur Kontrolle aufsuchen. Zudem sollten sie weiterhin auf die Ernährung und ausreichend Bewegung achten, um das Risiko für einen Typ-2-Diabetes zu minimieren.

Sie haben bereits Typ-2-Diabetes? Erfahren sie hier, wie Sie Ihren Blutzucker senken und somit Folgeerkrankungen vermeiden können.

Ihre Experten

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Dr. med. Viktor Rempel

Chefarzt

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Dr. Bahman Gharavi

Chefarzt
Kinder- und Jugendklinik
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Prof. Dr. Clemens Tempfer
Direktor
Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe
Marien Hospital Herne
Fon 02323 - 499 - 1801
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