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Osteoporose Wie kommen die Löcher in die Knochen?

Nur ein blauer Fleck oder schon ein Knochenbruch? Die Folgen eines eigentlich harmlosen Sturzes sind stark vom Alter abhängig. Denn die Knochen werden mit der Zeit poröser und ihre Dichte nimmt ab. Dieser Rückgang ist eigentlich normal, verlieren die Knochen jedoch zu schnell und zu stark an Substanz, spricht man von Osteoporose oder auch „Knochenschwund“.

Ein Abbau der Knochendichte und -struktur im Alter – etwa ab dem 40. Lebensjahr – ist an sich vollkommen normal. So wie die Kraft eines  Menschen mit dem Alter langsam nachlässt, lässt auch die Tragfähigkeit der Knochen Stück für Stück nach – im Normalfall um etwa 0,5 % pro Jahr. Nimmt die Knochensubstanz aber über das Normalmaß hinaus ab, läuft der Körper Gefahr, besonders anfällig für Knochenbrüche zu werden. Dabei bilden sich im Inneren der Knochen immer größere Hohlräume. Der Begriff „Knochenschwund“ spielt also nicht auf ein Verschwinden der Knochen an, sondern vielmehr auf einen Schwund ihrer prägenden Merkmale: Struktur, Halt und Stabilität. Dann kann das Skelett das Gewicht des Körpers nicht mehr ausreichend stützen. Weil dieser langsame Verlust häufig unbemerkt bleibt, wird die Krankheit vielfach verharmlost. Die Diagnose erfolgt meist erst nach dem ersten Bruch, wenn es also schon zu spät für präventive Maßnahmen ist. „Typischerweise treten Osteoporose-bedingte Frakturen am Oberschenkelhals, am Unterarm, den Rippen oder an der Wirbelsäule auf“, erklärt Dr. Oliver Meyer, Chefarzt des Zentrum für Becken-, Hüft-, Knie- und Fußchirurgie der St. Elisabeth Gruppe – Katholische Kliniken Rhein-Ruhr.

Volkskrankheit Osteoporose

In Deutschland sind Schätzungen zufolge etwa 8 Millionen Menschen an Osteoporose erkrankt. Die Tendenz steigt, denn Osteoporose ist eine sogenannte Wohlstandskrankheit. Risikofaktoren, die einen Ausbruch der Krankheit begünstigen können, sind unter anderem:

  • eine falsche Ernährung
  • ein hoher Konsum von Alkohol und Nikotin
  • Bewegungsmangel
  • die Einnahme bestimmter Medikamente, wie beispielsweise Kortison oder Medikamente gegen Epilepsie

Zu diesen beeinflussbaren Risikofaktoren kommt das Geschlecht als unbeeinflussbarer Faktor hinzu: Frauen haben ein vierfach höheres Risiko, an Osteoporose zu erkranken als Männer. Auch Vorerkrankungen in der Familie können das Risiko erhöhen.

Die richtige Ernährung für gesunde Knochen

Einer der wichtigsten Einflussfaktoren ist die Ernährung. Gesunde Knochen benötigen vor allem zwei Nährstoffe: Vitamin D und Kalzium. Ernährungsexperten empfehlen, etwa 1.000 Milligramm des Mineralstoffes am Tag zu sich zu nehmen. Der Körper kann dabei sehr gut über eine ausgewogene Ernährung versorgt werden: Gute Kalziumlieferanten sind beispielsweise Milchprodukte, Fleisch, Sojaprodukte und verschiedene Kohlsorten. Kalziumhaltige Mineralwasser können die Ernährung unterstützen. Alkohol und Nikotin gelten als „Kalzium-Räuber“ und sollten nur mit Vorsicht genossen werden.

Vitamin D wird vor allem benötigt, damit der Körper Kalzium aus dem Darm ins Blut und von dort in die Knochen aufnehmen kann. Eine gute Versorgung mit Vitamin D gilt zudem als Sturzprophylaxe. Normalerweise bildet der Körper Vitamin D eigenständig, wenn die Haut der Sonne ausgesetzt ist. In Deutschland ist diese Art der Vitamin D Versorgung für Osteoporose-Patienten aber besonders im Herbst und Winter nicht ausreichend, da die Sonne nicht stark genug ist. Häufig werden daher entsprechende Nahrungsergänzungsmittel verschrieben.

Sport hält Muskeln und Knochen gesund

Je mehr die Knochen bewegt werden, desto besser können sie das benötigte Kalzium einspeichern. Durch die Bewegung entsteht ein mechanischer Reiz, der den Knochenstoffwechsel anregt und dafür sorgt, dass neue Knochenzellen gebildet werden. Diese sind maßgeblich daran beteiligt, dass Kalzium in den Knochen eingelagert wird. Besonders empfehlenswert ist Krafttraining, das Knochen und Muskeln gleichermaßen kräftigt. Ein gesunder Mix mit Ausdauersport wie Laufen, Schwimmen oder Walken beugt neben der Osteoporose auch vielen anderen Krankheiten vor.

 

"Besteht Verdacht auf Osteoporose, sollte umgehend eine entsprechende Therapie eingeleitet werden."

  Priv.-Doz. Dr. Sebastian RüttenDirektor, Zentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie der St. Elisabeth Gruppe – Katholische Kliniken Rhein-Ruhr

Der T-Wert als Diagnosehilfe

Neben der Überprüfung der Risikofaktoren und anderer begünstigender Erkrankungen, diagnostizieren Ärzte Osteoporose vor allem durch eine DXA-Messung. Dabei wird mit einer speziellen Röntgenaufnahme die Knochendichte gemessen und der sogenannte T-Wert ermittelt. Dieser gibt an, wie weit die gemessene Knochendichte von einem alterstypischen Durchschnittswert abweicht.

Im Idealfall sollte das Ergebnis zwischen 0 und -1 liegen. Ab einem Wert von -2,5 oder kleiner kann von einer Osteoporose ausgegangen werden. Die Patienten erhalten dann bestimmte Medikamente, die den Knochenabbau hemmen. „Sobald der Verdacht auf Osteoporose besteht, sollte diese auch diagnostiziert und entsprechend therapiert werden“, betont Priv.-Doz. Dr. Sebastian Rütten, Direktor des Zentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie der St. Elisabeth Gruppe. Dazu arbeiten die behandelnden Spezialisten im Krankenhaus eng mit niedergelassenen Ärzten zusammen – auch in der Nachversorgung von Knochenbrüchen.

Mit moderner Chirurgie Knochenbrüche behandeln

Denn im Verlauf der Erkrankung kommt es häufig zu Knochenbrüchen, die meist ohne Anlass oder schon bei sehr geringer Belastung auftreten. Dazu zählen vor allem Brüche der Wirbelkörper und des Oberschenkelhalses. „Diese Frakturen können heutzutage hervorragend mit modernen chirurgischen Methoden behandelt werden“, erklärt Rütten. Ein Wirbelkörperbruch macht sich meist über zunehmende Rückenschmerzen sowie die Entwicklung eines „Rundrückens“ bemerkbar. Zur Behandlung solcher Brüche bringt der Operateur bei einer sogenannten Vertebroplastie Knochenzement in den Wirbelkörper ein, um diesen zu stabilisieren. Eine andere Methode ist die Kyphoplastie: Hier wird der Wirbelkörper zuerst durch einen kleinen Ballon aufgerichtet. Der so entstehende Hohlraum wird dann mit Knochenzement gefüllt und der Wirbelkörper in seiner neuen Position stabilisiert. Beide Verfahren können minimal-invasiv mit wenigen, kleinen Schnitten durchgeführt werden.

 

"Moderne Endoprothesen können individuell an die Anatomie des Patienten angepasst werden."

  Dr. Oliver MeyerChefarzt, Zentrum für Becken-, Hüft-, Knie- und Fußchirurgie, Zentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie der St. Elisabeth Gruppe – Katholische Kliniken Rhein-Ruhr

Je schneller, desto besser – Operationen bei Oberschenkelhalsbruch

Bei einem Oberschenkelhalsbruch ist eine schnelle Operation notwendig. Je mehr Zeit zwischen Sturz und Operation verstreicht, desto höher ist das Risiko für die (meist älteren) Patienten. Jährlich werden in Deutschland etwa 130.000 solcher Brüche behandelt. „Je nach Verlauf der Bruchlinie stehen dem Operateur verschiedene Verfahren zur Verfügung.

Diese unterscheidet man grundsätzlich in hüftkopferhaltende und hüftkopfersetzende Methoden“, erläutert Dr. Meyer. Die hüftkopferhaltenden Methoden werden meist bei jüngeren Patienten angewendet. Hier werden die Bruchstücke des Oberschenkelhalses eingerenkt und mit Schrauben, Nägeln, Platten und anderen Implantaten wieder zusammengesetzt. Moderne Operationsverfahren schonen Muskeln und Bänder und erlauben so eine schnelle Wiederbelastung der Hüfte.  Bei älteren Patienten werden hauptsächlich Verfahren angewendet, die den Hüftkopf ersetzen. Dann kommt ein Gelenkersatz (Endoprothese) zum Einsatz. Der Hüftkopf wird dabei entweder alleine oder mit der Gelenkpfanne zusammen durch eine Endoprothese ersetzt. In diesem Fall spricht man von einem sogenannten „künstlichen Hüftgelenk“ beziehungsweise einer „Totalendoprothese“ (TEP). Der Vorteil einer TEP ist, dass das Hüftgelenk sofort wieder belastet werden kann. Der Patient ist somit schnell wieder mobil.