thumbnail

Medizinische Redewendungen Was steckt dahinter?

Der Volksmund weiß bekanntlich über viele Dinge Bescheid – auch zu medizinischen und körperlichen Themen gibt es verschiedenste Redewendungen und Weisheiten. Experten der St. Elisabeth Gruppe – Katholische Kliniken Rhein-Ruhr haben sich für uns angeschaut, woher einige dieser medizinischen Redewendungen kommen, was dahintersteckt und ob sie aus medizinischer Sicht zutreffen.

„Das Blut stockt in den Adern“

Gerade Fans von Horrorliteratur und -filmen kennen den Ausdruck „ihm stockte das Blut in den Adern“. Was sich wie eine übertriebene Darstellung eines Schocks anhört, hat tatsächlich einen medizinischen Hintergrund. „Blut gerinnt in Stress- und Paniksituationen schneller“, erklärt Priv.-Doz. Dr. Hans-Jörg Hippe, Chefarzt der Kardiologischen Klinik des Marien Hospital Witten. Denn in Angstsituationen produziert der Körper vermehrt das körpereigene Protein Fibrin, das für die Blutgerinnung – also die Verfestigung des Blutes – zuständig ist.

 

"In vermeintlich gefährlichen Situationen verdickt sich das Blut und 'stockt' in den Adern."

  Priv.-Doz. Dr. Hans-Jörg HippeChefarzt, Kardiologische Klinik, Marien Hospital Witten

So werden normalerweise offene Wunden durch Fibrinfäden, an denen die Blutplättchen kleben bleiben, verschlossen. In einer Paniksituation produziert der Körper vermehrt Fibrin, um die Blutgerinnung zu beschleunigen – ein evolutionsbedingter Vorgang, der dafür sorgen soll, gefährliche Situationen ohne großen Blutverlust zu überleben. „Daher verdickt sich das Blut in vermeintlich gefährlichen Situationen und ‚stockt‘ in den Adern“, erklärt der erfahrene Kardiologe.

„Gift und Galle spucken“

Wer sich sehr über etwas ärgert, dem kommt sprichwörtlich die Galle hoch oder er spuckt im schlimmsten Fall Gift und Galle. Die Galle steht also für Ärger und Aggression – die Gleichsetzung mit Gift stammt ursprünglich aus dem Alten Testament. „Früher glaubte man zudem, dass Wut etwas mit der Galle zu tun habe. Daher ging man in der sogenannten ‚Viersäftelehre‘ davon aus, dass Choleriker zu viel Galle in sich hätten “, so Prof. Dr. Timm Westhoff, Direktor der Medizinischen Klinik I des Marien Hospital Herne – Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum.

 

"Früher ging man davon aus, dass Choleriker zu viel Galle in sich hätten."

  Prof. Dr. Timm WesthoffDirektor, Medizinische Klinik I, Marien Hospital Herne – Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum

Medizinisch betrachtet handelt es sich bei der Galle um einen Verdauungssaft, der in der Leber hergestellt wird und die Aufnahme von Fetten in den Körper unterstützt. Gibt es gerade nichts zu verdauen, wird der Gallensaft in der Gallenblase zwischengespeichert und eingedickt.

Die Gallenflüssigkeit besteht hauptsächlich aus Mineralstoffen, Wasser, Fettresten, Cholesterin sowie Abfallprodukten aus der Leber, die auf diesem Wege aus dem Körper ausgeschieden werden. „Ändert sich diese Zusammensetzung, können sich kleine Kristalle in den Gallengängen bilden, aus denen Gallensteine entstehen“, so Prof. Westhoff. Wird der Abfluss der Galle durch einen Stein blockiert, versucht der Körper, durch Zusammenziehen der Gallenwege, das Hindernis zu beseitigen.

“An apple a day keeps the doctor away”

Hierbei handelt es sich um eine englische Redewendung, die aber auch in Deutschland allgemein bekannt ist. Das Sprichwort spielt darauf an, wie gesund es ist, täglich einen Apfel zu essen. Denn Äpfel enthalten viele Vitamine und Mineralstoffe. Sie versorgen den Körper zudem mit Kalium, das an vielen verschiedenen Prozessen im Körper beteiligt ist, und Vitamin C. Hinzu kommt der Ballaststoff Pektin, der für ein längeres Sättigungsgefühl sorgt und – wie alle Ballaststoffe – die Verdauung fördert. Darüber hinaus enthalten Äpfel sekundäre Pflanzenstoffe, wie zum Beispiel die sogenannten Flavonoide, die Entzündungen hemmen, das Immunsystem stärken und sogar das Risiko für bestimmte Krebserkrankungen senken sollen. Auch Bakterien im Mundraum werden durch den Verzehr von Äpfeln abgetötet.

 

"Ein Apfel alleine macht nicht gesund."

  Dörthe MühlenhardtErnährungsberaterin, St. Elisabeth Gruppe

„Allerdings sind diese Inhaltsstoffe auch in vielen anderen Lebensmitteln, zum Teil in höheren Mengen, enthalten“, erklärt Dörthe Mühlenhardt, Ernährungsberaterin der St. Elisabeth Gruppe. So ist der Gehalt an Vitamin C in Johannisbeeren, Paprika oder Rosenkohl deutlich höher.

Auch sind Flavonoide in vielen anderen Obst- und Gemüsesorten enthalten. Pektine haben wie alle Ballaststoffe auch einen positiven Einfluss auf unsere Darmflora und damit auf die Gesundheit. Der regelmäßige Verzehr von Vollkornbrot trägt aber noch mehr zur Ballaststoffaufnahme bei als Obst. Auch der Kaliumgehalt von Kartoffeln, Hülsenfrüchten, Bananen und Pilzen ist deutlich höher als der von Äpfeln. „Der Apfel kann dieser Redewendung als alleiniges Lebensmittel also nicht standhalten“, so Mühlenhardt. Grundsätzlich tragen Äpfel aber einen Teil zu einer gesundheitsfördernden Ernährung bei.

Ihre Experten

doc

Prof. Dr. Timm Westhoff

Direktor, Medizinische Klinik I - Allgemeine Innere, Nephrologie, Gastroenterologie, Pneumologie
Marien Hospital Herne – Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum
Fon 0 23 23 - 499 - 16 71
innere-medizin@marienhospital-herne.de

doc

Priv.-Doz. Dr. Hans-Jörg Hippe

Chefarzt
Kardiologische Klinik
Marien Hospital Witten
Fon 02302 173-1303
kardiologie@marien-hospital-witten.de

doc

Dörte Mühlenhardt

Ernährungsberatung
St. Elisabeth Gruppe – Katholische Kliniken Rhein-Ruhr