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Leberzirrhose Wenn die Leber in Mitleidenschaft gerät

250 aus 100.000 – so viele Personen entwickeln jährlich in Deutschland eine Leberzirrhose. Die Leberzirrhose tritt auf, wenn die Leber durch andere Erkrankungen geschädigt wurde. Leiden Patienten unter dieser Lebererkrankung, stirbt das Lebergewebe ab und wandelt sich zunehmend in Narben- und Bindegewebe um. Die Funktionstätigkeit des lebenswichtigen Organs wird dadurch stark eingeschränkt – bis hin zum Zusammenbruch.

Die Leber leidet still

Unspezifische Symptome wie Müdigkeit, Appetitlosigkeit oder ein Völlegefühl im Oberbauch können ein Indiz für viele verschiedene Ursachen sein – unter anderem für eine Leberzirrhose. In der Leber selbst befinden sich keine Nerven, daher macht sich eine Leberzirrhose nicht durch Schmerzen bemerkbar. Lediglich durch eine Schwellung der Leber, die auf umliegendes Nervengewebe drückt, können Schmerzen entstehen. Typische Anzeichen einer Leberzirrhose sind die sogenannten Leberhautzeichen, wie die Gelbfärbung der Haut oder kleine, sichtbare Gefäßverzweigungen besonders im Gesicht und am Dekolleté.

Verursacht wird eine Leberzirrhose durch andere Erkrankungen, die eine chronische Entzündung der Leber hervorrufen können. Zu den häufigsten Ursachen zählen die Fettleber, Alkoholmissbrauch, Stoffwechselerkrankungen oder Virusentzündungen wie Hepatitis.

 

„Eine Leberzirrhose äußert sich im frühen Stadium durch Allgemeinsymptome. Spezifische Beschwerden treten erst relativ spät mit fortschreitendem Krankheitsverlauf auf.“

  Dr. Viktor RempelChefarzt der Klinik für Gastroenterologie des St. Anna Hospital Herne
 

„Zur Diagnose einer Leberzirrhose wird eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt. Damit lässt sich die Struktur und Größe der Leber erkennen."

  Dr. Johannes SchweinfurthLeitender Arzt der Sektion Gastroenterologie der Medizinischen Klinik I des Marien Hospital Herne – Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum

Diagnose mittels Ultraschall und Biopsie

Außerdem können Blutuntersuchungen Hinweise auf das Erkrankungsstadium und mögliche Ursachen der Lebererkrankung geben. Um das genaue Stadium des bindegewebigen Umbaus der Leber festzustellen und Aussagen über die Erkrankungsursache treffen zu können, kann auch eine Biopsie sinnvoll sein. Dabei wird unter Ultraschall-Kontrolle durch die Haut oder alternativ im Rahmen einer Bauchhöhlenspiegelung unter Narkose eine Gewebeprobe der Leber entnommen, die im Labor untersucht wird.

Behandlung der Ursachen

Die gute Nachricht ist, dass das Fortschreiten der Leberzirrhose gestoppt werden kann, wenn die ursächliche Krankheit frühzeitig erkannt und behandelt wird. Um eine weitere Schädigung der Leber zu verhindern, dürfen Patienten, die an einer Leberzirrhose leiden, keinen Alkohol mehr trinken. Darüber hinaus müssen nicht zwingend notwendige Medikamente abgesetzt werden. Befindet sich die Leberzirrhose bereits im Endstadium, ist häufig nur noch eine Transplantation einer Spenderleber möglich.

Komplikationen als Folgen einer Leberzirrhose

Die Folgen einer Leberzirrhose sind vielfältig, unter anderem kann sich das Risiko für Leberzellkrebs erhöhen. Komplikationen, die im Rahmen einer Leberzirrhose auftreten, müssen in der Regel sofort medizinisch behandelt werden.

Zu den möglichen Komplikationen zählt die hepatische Enzephalitis. Diese tritt auf, wenn durch die eingeschränkte Funktionstätigkeit der Leber Schadstoffe nicht mehr ausreichend aus dem Blut gefiltert werden. Dies kann zu neurologischen Beschwerden führen. Die Symptome reichen von einer leichten Minderung des Bewusstseins mit verstärktem Schlafbedürfnis bis hin zum Koma. Eine spezielle Ernährung, die die Eiweißzufuhr verringert sowie bestimmte Medikamente können eine Entgiftung bewirken und die Symptome behandeln. 

Eine weitere Komplikation stellt die Bauchwassersucht dar. Dabei sammelt sich Flüssigkeit im Bauchraum des Patienten an. Zur Behandlung eignen sich verschiedene Ansätze. Zum einen können harntreibende Medikamente verordnet werden. Des Weiteren kann durch eine Punktion des Bauchraumes Flüssigkeit über einen Schlauch entfernt werden.  

Darüber hinaus können Blutungen in der Speiseröhre oder dem Magen entstehen, diese sind lebensbedrohlich und müssen unverzüglich gestillt werden. Dazu wird die Blutung zunächst durch ein Gummiband abgeschnürt. Vor allem bei Krampfadern im Magen muss die Ader zusätzlich durch einen speziellen Gewebekleber verschlossen werden. Um den Druck in den Gefäßen zu verringern, kann eine Verbindung zwischen der Pfortader und der Lebervene hergestellt werden.

Neben den bereits genannten Beschwerden stellt das akute Nierenversagen eine weitere Komplikation bei Leberversagen dar. Dies gilt es rechtzeitig zu erkennen und zu therapieren. 

doc

Dr. med. Johannes Schweinfurth

Leitender Arzt
Abteilung für Gastroenterologie
Marien Hospital Herne
Fon 0 23 23 - 499 - 51 74
gastroenterologie@marienhospital-herne.de

doc

Priv.-Doz. Dr. David Scholten

Chefarzt
Klinik für Innere Medizin und Gastroenterologie
Marien Hospital Witten
Fon 0 23 02 - 173 - 13 71
medizinischeklinik@marien-hospital-witten.de