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Leberkrebs Seltene, aber gefährliche Karzinome

Leberkrebs zählt zwar zu den in Deutschland weniger weit verbreiteten Krebserkrankungen, gehört jedoch vor allem in Afrika und Asien zu den häufigsten Tumoren. In den vergangenen 35 Jahren hat sich die Zahl der Neuerkrankungen auch hierzulande verdoppelt. Ein Grund dafür ist im modernen Lebensstil zu sehen, denn vor allem Übergewicht, Bewegungsmangel und übermäßiger Alkoholkonsum sind Risikofaktoren für die Erkrankung. Außerdem kommen Viruserkrankungen wie die Hepatitis als Ursache in Frage. Unsere Experten klären über Ursachen, Symptome und Therapie von Leberkarzinomen auf.

Mediziner unterscheiden zwischen lebereigenem Krebs und und Metastasen in Folge von Krebserkrankungen anderer Organe. Dabei gelangen die Krebszellen über die Blutbahn in die Leber. Diese sekundären Lebermetastasen treten deutlich häufiger auf als der lebereigene, primäre Leberkrebs.

Primärer Leberkrebs – Verschiedene Karzinome

Der primäre Leberkrebs geht hingegen aus einer krankhaften Veränderung von Zellen hervor, die sich in der Leber befinden. „Die betroffenen Zellen wachsen schnell und verdrängen gesundes Gewebe, wodurch die Funktion der Leber – dazu gehört u. a. die Entgiftung des Körpers und die Produktion wichtiger Hormone – immer weiter eingeschränkt wird“, erklärt Dr. Viktor Rempel, Chefarzt der Klinik für Gastroenterologie am St. Anna Hospital Herne. Mit zunehmender Ausbreitung der Krebszellen macht sich der Funktionsverlust immer stärker bemerkbar.

Grundsätzlich werden drei Arten des primären Leberkarzinoms unterschieden:

  • der tatsächliche Leberzellkrebs, auch hepatozelluläres Karzinom (HCC) genannt,
  • der Gallengangkrebs, oder auch Cholangiokarzinom, der sich in den Zellen der Gallengänge in der Leber entwickelt und
  • das Angiosarkom, das sich in den Blutbahnen der Leber entwickelt.

Von diesen Karzinomen ist das hepatozelluläre Karzinom das am häufigsten auftretende.

Häufig kommt es in Folge solcher Tumoren zu weiteren Problemen wie der Störung des Galle-Abflusses aus der Leber und zu einer Gelbfärbung der Augen und der Haut. Dann kann ein endoskopischer Eingriff, bei dem die Gallewege mit einem Röhrchen offen gehalten werden oder der Tumor gezielt in den Gallewegen zerstört wird, den betroffenen Patienten helfen.

Im Vergleich zu anderen Krebserkrankungen, wie beispielsweise Darm- oder Brustkrebs, tritt Leberkrebs in Deutschland aber sehr selten auf. Pro Jahr erhalten etwa 9.000 Personen die Diagnose Leberkrebs, während die Zahl der Neuerkrankungen an Darmkrebs bei etwa 60.000 pro Jahr liegt. Männer erkranken etwa doppelt so häufig wie Frauen. Im Vergleich zu anderen Krebserkrankungen weist Leberkrebs jedoch eine deutlich höhere Sterberate auf.

Ursachen und Symptome

Ein Leberzellkarzinom entsteht fast ausnahmslos als Folge einer langjährigen Leberzirrhose. „Diese schwere Leberschädigung entsteht vor allem durch jahrelangen Alkoholmissbrauch oder eine chronische Entzündung der Leber, auch Hepatitis genannt“, so Dr. Johannes Schweinfurth, Leitender Arzt der Sektion Gastroenterologie der Medizinischen Klinik I des Marien Hospital Herne – Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum. Bei einer Leberzirrhose nimmt die Funktionsfähigkeit der Leber aufgrund einer verminderten Durchblutung schrittweise ab.

Besonders tückisch macht den Leberkrebs, dass Symptome erst in einem späten Stadium der Erkrankung auftreten – zudem können die Symptome auch anderen, weniger schwerwiegenden Erkrankungen zugeordnet werden. Zu den Symptomen von Leberkrebs zählen unter anderem:

  • Bauchschmerzen im rechten oder oberen Mittelbauch
  • anhaltendes Völlegefühl
  • unerklärliche Gewichtsabnahme
  • Appetitlosigkeit
  • Übelkeit
  • Schwächegefühl und verminderte Leistungsfähigkeit
  • Gelbfärbung der Augen und der Haut (die sogenannte „Gelbsucht“)

Diagnose eines Leberkarzinoms

Neben der Anamnese, dem ausführlichen Gespräch zwischen Arzt und Patient, werden zur Diagnose von Leberkrebs vor allem bildgebende Verfahren, wie Ultraschall, Computer- und Magnetresonanztomografie sowie Blutuntersuchungen verwendet. „Die bildgebenden Verfahren dienen vor allem dazu, krankhafte Veränderungen der Leber und umliegender Organe frühzeitig zu entdecken“, erklärt Priv.-Doz. Dr. David Scholten, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin und Gastroenterologie des Marien Hospital Witten. Anhand des Blutbildes kann der Arzt zum einen erkennen, ob es Hinweise auf eine Krebserkrankung gibt. Denn das Alpha-Fetoprotein, ein Tumormarker im Blut, ist bei verschiedenen Krebserkrankungen häufig erhöht. Ein erhöhter Wert lässt jedoch nicht zweifelsfrei auf eine Krebserkrankung schließen. Zum anderen liefert das Blutbild Hinweise darauf, wie gut die Leber arbeitet. Sofern unklar ist, ob es sich um primären Leberkrebs oder sekundäre Metastasen anderer Organe handelt handelt, muss der Arzt weitere Untersuchungen, wie Magen- oder Darmspiegelungen hinzuziehen.

Teilsektion und Transplantation – Operative Behandlungsverfahren

Die Behandlung des diagnostizierten Leberkarzinoms ist abhängig von Größe, Lage und Ausbreitung des Tumors sowie Alter und Gesundheitszustand des Patienten. Die wichtigsten Therapieformen sind die operative Behandlung samt Teilentfernung der Leber und die Transplantation eines Spenderorgans. Auch eine Verödung der Lebertumoren durch Hitze- oder Kälteanwendung sowie einen Verschluss der versorgenden Blutgefäße (Embolisation) ist in manchen Fällen möglich. Sollte der Tumor bereits weiter ausgebreitet sein, kann der Arzt eine gezielte Therapie in Tablettenform einleiten, um das weitere Wachstum der bösartigen Zellen zu bremsen.

„Eine Operation kommt nur in Frage, wenn die Leber noch vergleichsweise gesund ist und gut funktioniert“, erläutert Prof. Dr. Metin Senkal, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie des Marien Hospital Witten. Dann entnimmt der Chirurg den Teil der Leber, in dem sich der Tumor befindet. Zusätzlich wird vorsichtshalber auch das umliegende gesunde Gewebe entfernt, um sicherzustellen, dass keine Krebszellen im Körper verbleiben. Diese Eingriffe können auch minimal-invasiv, also mit wenigen kleinen Schnitten, erfolgen. Aufgrund ihrer hervorragenden Regenerationsfähigkeit kann die Leber innerhalb kurzer Zeit nachwachsen.

Ist sie jedoch zu stark geschädigt, beispielsweise durch eine weit vorangeschrittene Leberzirrhose, kann eine Transplantation zu besseren Ergebnissen führen als eine Teilentfernung der Leber. Diese kann jedoch nur eingeschränkt zum Einsatz kommen. „Da es sich bei einer Transplantation um einen großen, belastenden Eingriff handelt, kann diese aber nicht bei jedem Patienten in Betracht gezogen werden“, erklärt Dr. Nurettin Albayrak, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie des St. Anna Hospital Herne. Zudem sieht das Immunsystem des Körpers die neue Leber als Fremdkörper an und versucht, diese abzustoßen, weshalb Transplantationspatienten ihr Leben lang Medikamente einnehmen müssen. Dadurch entsteht ein erhöhtes Infektionsrisiko.

Auch nach einer erfolgreichen Therapie sollten Patienten regelmäßig zur Nachsorge gehen. So kann ein Wiederauftreten der Erkrankung frühzeitig erkannt werden.

Ihre Experten

doc

Dr. med. Viktor Rempel

Chefarzt
Klinik für Gastroenterologie
St. Anna Hospital Herne
Fon 0 23 25 - 986 - 21 51
medklinik2@annahospital.de

doc

Priv.-Doz. Dr. David Scholten

Chefarzt
Klinik für Innere Medizin und Gastroenterologie
Marien Hospital Witten
Fon 0 23 02 - 173 - 13 71
medizinischeklinik@marien-hospital-witten.de

doc

Dr. med. Johannes Schweinfurth

Leitender Arzt
Abteilung für Gastroenterologie
Marien Hospital Herne
Fon 0 23 23 - 499 - 51 74
gastroenterologie@marienhospital-herne.de

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Prof. Dr. Metin Senkal

Chefarzt
Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie
Marien Hospital Witten
Fon 02302 173-1203
chirurgie@marien-hospital-witten.de

doc

Professor Dr. med. Dirk Bausch

Direktor
Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie
Marien Hospital Herne – Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum
Fon 02323 - 499 - 1478
chirurgie@marienhospital-herne.de