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Chronische Magenschleimhautentzündung Schleichende Entwicklung – Gefährliche Konsequenzen

In den meisten Fällen verursacht eine Magenschleimhautentzündung – auch Gastritis genannt – nur über einen kurzen Zeitraum Probleme. Dann ist von einer akuten Magenschleimhautentzündung die Rede. Es kann aber auch passieren, dass eine Gastritis chronisch verläuft. Die Ursachen für die entzündete Magenschleimhaut sind in diesem Fall schwieriger herauszufinden, da eine chronische Magenschleimhautentzündung nicht immer eindeutige körperliche Symptome auslöst.

Eine chronische Magenschleimhautentzündung entwickelt sich, im Gegensatz zu einer akuten Magenschleimhautentzündung, häufig schleichend und ist anhand der Symptome nicht immer klar erkennbar. Bleibt sie allerdings unentdeckt, kann das schwerwiegende Folgen haben und zu Blutungen in der Magenschleimhaut führen oder das Risiko für Magenkrebs erhöhen. Daher sollten bei länger anhaltenden Beschwerden mögliche Symptome einer chronischen Gastritis durch einen Arzt abgeklärt werden.

Folgende Symptome können auftreten:

- Oberbauchschmerzen

- Völlegefühl nach dem Essen

- Appetitlosigkeit

- Blähungen

- Aufstoßen

- Mundgeruch

 

„Da sich eine chronische Gastritis häufig schleichend entwickelt, ist es gar nicht so einfach, sie zu entdecken. Häufig wird sie auch eher zufällig entdeckt.“

  Prof. Dr. Timm Westhoff, Direktor der Medizinischen Klinik I des Marien Hospital Herne – Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum

Zahlreiche Ursachen als Auslöser möglich

Zudem gibt es unterschiedliche Klassifikationen:

Gastritis Typ A (autoimmun) gehört zu den seltenen Gastritis-Formen und hat ihren Ursprung in einer Autoimmunkrankheit, also in einem Fehler im Abwehrsystem des Körpers, wodurch Antikörper gegen die Magenschleimhaut produziert werden.

Gastritis Typ B (bakteriell) macht den Großteil der chronischen Magenschleimhautentzündungen aus. Die Ursache ist fast immer eine Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori. Das Bakterium nistet sich in der oberen Zellschicht der Magenschleimhaut ein und kann so die Magensäureproduktion erhöhen und die Abwehrmechanismen der Magenschleimhaut gegen die Säure schädigen.

Gastritis Typ C (chemisch) wird durch eine chemisch-toxische Reaktion ausgelöst. Diese kann, wie bei einer akuten Gastritis, durch die längere Einnahme von Schmerzmitteln hervorgerufen werden oder durch einen stetigen Rückfluss einer kleinen Menge Gallensaft aus dem Zwölffingerdarm in den Magen zurück entstehen.

Gastritis Typ D (andere) entsteht durch andere zugrundeliegende Erkrankungen wie z. B. Morbus Chron oder andere infektiöse bzw. allergische Entzündungen der Magenschleimhaut und bedarf spezifischer Behandlungsansätze.

Diagnose erfolgt durch Magenspiegelung

Zunächst erkundigt sich der Arzt nach den Beschwerden. Falls der Verdacht auf eine Magenschleimhautentzündung besteht, wird in der Regel eine Magenspiegelung durchgeführt. „Bei einer Magenspiegelung wird ein kleiner Schlauch mit Kamera durch den Mund bis in den Magen geführt. So kann die Magenschleimhaut betrachtet und gegebenenfalls ein kleines Gewebestück entnommen werden, um Entzündungen oder z. B. das Bakterium Helcobacter pylori nachzuweisen“, erklärt Dr. Viktor Rempel, Chefarzt der Klinik für Gastroenterologie des St. Anna Hospital Herne. Bei Gewebeveränderungen gibt es außerdem die Möglichkeit einer besonderen endoskopischen Untersuchung, der Endoskopischen Submukosadissektion (ESD), bei der Gewebeveränderungen im Ganzen entfernt werden können.

 

"Bei einer Magenspiegelung wird ein kleiner Schlauch mit Kamera durch den Mund bis in den Magen geführt."

  Dr. Viktor Rempel, Chefarzt der Klinik für Gastroenterologie des St. Anna Hospital Herne

Behandlungsmöglichkeiten sind vielfältig

Die Behandlung einer chronischen Magenschleimhautentzündung hängt von der Stärke der Entzündung aber auch von den Ursachen bzw. dem Typ ab.

Eine Typ-A-Gastritis lässt sich nicht ursächlich behandeln, da nach heutigem Wissen ein Fehler im Abwehrsystem zugrunde liegt. Bei dieser seltenen Form besteht häufig ein Vitamin B12-Mangel, der ausgeglichen werden soll. Bei diesem Typ sind regelmäßige Kontrolluntersuchung wichtig, da das Risiko für Magenkrebs leicht erhöht ist.

Bei der Typ-B-Gastritis kann eine Antibiotikatherapie über ein bis zwei Wochen, die sogenannte Eradikationstherapie, sinnvoll sein, um die Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori zu beseitigen.

Dadurch, dass eine Typ-C-Gastritis häufig durch eine längere Einnahme von Schmerzmitteln hervorgerufen wird, sollte auf magenreizende Substanzen so gut es geht verzichtet werden. Zusätzlich können magenschützende Präparate eingenommen werden.

 

"Der Hausarzt ist bei Symptomen, die auf eine Magenschleimhautentzündung hindeuten, die erste Anlaufstelle. Er kann dann entscheiden, ob eine Magenspiegelung durch einen Gastroenterologen notwendig ist."

  Priv.-Doz. Dr. David Scholten, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin, Gastroenterologie, Pneumologie des Marien Hospital Witten

Grundsätzlich ist es wichtig, alle Therapiemöglichkeiten mit dem behandelnden Arzt abzuklären. „Der Hausarzt ist bei Symptomen, die auf eine Magenschleimhautentzündung hindeuten, die erste Anlaufstelle. Er kann dann entscheiden, ob eine Magenspiegelung durch einen Gastroenterologen notwendig ist“, erklärt Priv.-Doz. Dr. David Scholten, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin, Gastroenterologie, Pneumologie des Marien Hospital Witten.

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