Zuckeralternativen

Agavendicksaft und Co. Welche Auswirkungen haben Zuckeralternativen auf den Körper?

Zu viel Zucker macht dick, ist schlecht für die Zähne und gilt generell als ungesund. Dies sind nur einige Aussagen, die man häufig im Zusammenhang mit dem körnigen Süßungsmittel hört. Zucker ist in den letzten Jahren ganz schön in Verruf geraten. Gleichzeitig hat die Auswahl an Zuckeralternativen im Supermarktregal enorm zugenommen. Aber sind Agavendicksaft, Süßstoff und Co. wirklich besser für den Körper? Das verraten unsere Experten.

Es gibt nicht nur den einen Zucker, sondern viele verschiedene Arten, zum Beispiel Lactose (Milchzucker), Glucose (Traubenzucker) oder Fructose (Fruchtzucker). Sie zählen zu den Kohlenhydraten und haben alle den gleichen Kaloriengehalt. Glucose und Fructose sind sogenannte Einfachzucker. Verbinden sich zwei Einfachzucker, entsteht ein sogenannter Zweifachzucker. Dazu gehört beispielsweise Saccharose, unser typischer weißer Haushaltszucker. Dieser setzt sich im Verhältnis 1:1 aus Glucose und Fructose zusammen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung, kurz DGE, empfiehlt, nicht mehr als 10 % der täglichen Nahrungszufuhr in Form Zucker aufzunehmen. Bei einem durchschnittlichen Erwachsenen entspricht dies maximal 50 g Zucker pro Tag.

Durchschnittlicher Zuckergehalt verschiedener Produkte:

1 Dose (0.33l) Cola  

36 g

1 Tüte (200g) Gummibärchen

150 g

1 Portion (60g) Knuspermüsli

16 g

1 Tafel (100g) Vollmilchschokolade

48 g

1 Becher Fruchtjoghurt                                    

19 g

  

 

„Bluthochdruck tritt bei gesteigertem Zuckerkonsum häufiger auf. Vor allem in Verbindung mit Übergewicht und mangelnder Bewegung werden Ablagerungen in den Blutgefäßen begünstigt. Das kann im schlimmsten Fall zu einem Schlaganfall oder Herzinfarkt führen.“

  Prof. Dr. Klaus Kisters, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin des St. Anna Hospital Herne

Viel Zucker, hohes Risiko

Handelsüblicher Haushaltszucker ist mit rund 400 kcal pro 100 g nicht gerade kalorienarm. Zudem enthält er keine weiteren Nährstoffe als leicht verdauliche Kohlenhydrate. Was der Körper nicht für Muskeln braucht, wird in Form von Fett gespeichert. Entsprechend kann erhöhter Zuckerkonsum schnell zu Übergewicht führen. Das wiederum begünstigt gefährliche Erkrankungen, wie etwa Bluthochdruck. „Bluthochdruck tritt bei gesteigertem Zuckerkonsum häufiger auf. Vor allem in Verbindung mit Übergewicht und mangelnder Bewegung werden Ablagerungen in den Blutgefäßen begünstigt. Das kann im schlimmsten Fall zu einem Schlaganfall oder Herzinfarkt führen“, erklärt Prof. Dr. Klaus Kisters, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin des St. Anna Hospital Herne. 

Vorsicht ist besser als Nachsicht

Auch Typ 2-Diabetes kann eine Folge von erhöhtem Zuckerkonsum sein. „Bei Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse oder starkem Übergewicht kommt es zu einer gestörten Insulinausschüttung oder einer verminderten Insulinwirkung und der Blutzucker bleibt erhöht“, so Dr. David Scholten, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin und Gastroenterologie des Marien Hospital Witten. Eine solche Situation wird als Diabetes mellitus bezeichnet.

 

„Bei Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse oder starkem Übergewicht kommt es zu einer gestörten Insulinausschüttung oder einer verminderten Insulinwirkung und der Blutzucker bleibt erhöht.“

  Dr. David Scholten, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin und Gastroenterologie des Marien Hospital Witten.

Zuckeralternativen

Im Supermarkt lassen sich viele Alternativen zu herkömmlichem weißen Haushaltszucker finden. Wie wirken sich diese auf Gewicht und Blutzuckerspiegel aus?

Brauner Rohrzucker

Brauner Rohrzucker hat seine Farbe von noch enthaltenden Sirupresten der Zuckerrübe, er wird nicht gebleicht. Kalorientechnisch zeigt er keine Unterschiede zum weißen Zucker. Er enthält zwar etwas mehr Nährstoffe, allerdings ist der Anteil zu vernachlässigen, um positive Effekte zu zeigen. Den Blutzuckerspiegel lässt er ebenso ansteigen wie gewöhnlicher Haushaltszucker.

Süßstoffe

Süßstoffe wie Aspartam, Cyclamat, Saccharin oder Stevia haben keine Kalorien. Sie lassen den Blutzuckerspiegel nicht ansteigen, was vor allem für Diabetiker von Vorteil sein kann. Ob Süßstoffe den Appetit anregen, Heißhunger auf Süßes wecken oder langfristig sogar eine Gewichtszunahme begünstigen können, ist wissenschaftlich nicht eindeutig belegt und wird kontrovers diskutiert. Derzeit versucht man herauszufinden ob und in wieweit Süßstoffe die Darmflora verändern können und welche Auswirkungen dies haben kann. Für Süßstoffe werden sogenannte ADI-Werte (englisch: acceptable daily intake) festgelegt, diese geben die tolerierbarbare Menge eines Stoffes an, die ein Mensch ein Leben lang täglich ohne negative Auswirkungen auf die Gesundheit aufnehmen kann. Für jeden Süßstoff gibt es einen solchen ADI-Wert. Aus diesen Werten wiederum resultieren Höchstmengen für die Herstellung von Lebensmitteln. Grundsätzlich sollte man auch Süßstoffe sparsam verwenden, schon um das eigene Geschmacksempfinden an weniger süß zu gewöhnen.

Zuckeralkohole

Zuckeraustauschstoffe wie Xylit, Erythrit oder Sorbit zählen zu den Zuckeralkoholen und sind wegen ihrer zahnfreundlichen Eigenschaft zum Beispiel in Zahnpflegekaugummis oder zuckerfreien Bonbons enthalten. Sie lassen den Blutzuckerspiegel nicht ansteigen und haben weniger Kalorien als Haushaltszucker, Erythrit ist sogar kalorienfrei. Allerdings können Zuckeralkohole, außer Erythrit in größeren Mengen Bauchkrämpfe und Durchfall auslösen. Produkte, die über zehn Prozent Zuckeralkohole enthalten, müssen daher den Hinweis tragen: „Kann bei übermäßigem Verzehr abführend wirken.“ Xylit und Erythrit werden auch als Zuckeralternativen in Form von „Streusüße“ in zuckerähnlicher Konsistenz angeboten. Sie können statt Zucker auch zum Backen verwendet werden.

Agavendicksaft, Honig und Ahornsirup

Natürliche Alternativen wie Honig oder die bei Veganern immer beliebteren Alternativen Agavendicksaft und Ahornsirup haben mehr Vitamine und Nährstoffe als gewöhnlicher Haushaltszucker. Wirklich gesünder sind sie trotzdem nicht, denn sie sind zwar mit durchschnittlich 300 Kalorien pro 100g etwas kalorienärmer als Haushaltszucker. Allerdings haben sie auch eine geringere Süßkraft als Zucker und erhöhen ebenso den Blutzuckerspiegel. Daher sollten sie ebenfalls nur in geringen Mengen verzehrt werden.

 

 „Fruchtzucker wird direkt in der Leber abgebaut. Dort entstehen aus der Fructose Vorstufen von Molekülen, die der Speicherung von Fett dienen.“

  Prof. Timm Westhoff, Klinikdirektor der medizinischen Klinik I im Marien Hospital Herne – Universitätsklinikum der Ruhr Universität Bochum

Fruchtzucker

Fruchtzucker (Fructose) steckt natürlicher Weise zusammen mit Traubenzucker (Glucose) in Obst und Gemüse. Fruchtzucker ist aber auch für die Lebensmittelindustrie durch seine Süßkraft und seinen günstigen Preis sehr beliebt. Er wird besonders für die Herstellung von Getränken, Süßwaren, Gebäck und Fertigprodukten verwendet. „Fruchtzucker wird direkt in der Leber abgebaut. Dort entstehen aus der Fructose Vorstufen von Molekülen, die der Speicherung von Fett dienen“, erklärt Prof. Timm Westhoff, Klinikdirektor der medizinischen Klinik I im Marien Hospital Herne – Universitätsklinikum der Ruhr Universität Bochum. Dieser vermeintliche Vorteil kann aber zugleich ein Nachteil sein: Fructose stimuliert in größeren Mengen die Fettspeicherung und kann somit zu Übergewicht führen, das wiederum Krankheiten, wie Diabetes oder Fettstoffwechselstörungen begünstigt.

Ist es deshalb schädlich Obst zu essen? „Obst enthält wie Gemüse neben Frucht- und Traubenzucker auch gesundheitsförderliche Inhaltsstoffe wie Vitamine, Mineralstoffe, sekundäre Pflanzenstoffe sowie Ballaststoffe“, klärt Dörthe Mühlenhardt, Ernährungsberaterin der St. Elisabeth Gruppe auf. Daher wird der tägliche Verzehr von Obst und Gemüse explizit empfohlen. Die empfohlenen Mengen liegen für Gemüse höher als für Obst, da Gemüse im Verhältnis noch mehr „gesunde Inhaltsstoffe“ und weniger Zucker und Kalorien liefert als Obst. Die DGE empfiehlt etwa 3 Portionen (ca.400g) Gemüse und 2 Portionen (ca. 250g) Obst täglich zu essen. Das Problem ist vielmehr, dass Lebensmitteln welche bereits keine gesundheitlichen Vorteile bieten noch Fructose oder Fructosesirup zugesetzt wird. Der regelmäßige Verzehr dieser Produkte erhöht dann entsprechend das Risiko für oben genannte Erkrankungen.

 

„Obst enthält wie Gemüse neben Frucht- und Traubenzucker auch gesundheitsförderliche Inhaltsstoffe wie Vitamine, Mineralstoffe, sekundäre Pflanzenstoffe sowie Ballaststoffe.“

  Dörthe Mühlenhardt, Ernährungsberaterin der St. Elisabeth Gruppe

Die Dosis macht das Gift

Einen „gesunden“ Zucker gibt es nicht. „Grundsätzlich sollten daher Zucker und seine Alternativen in Maßen und reflektiert genossen werden, um gesund zu bleiben“, rät Dörthe Mühlenhardt. Denn: je höher der Verzehr „gesüßter“ Lebensmittel und Getränke, desto schlechter ist in der Regel die Qualität der Ernährung insgesamt.

Ihre Experten:

doc

Prof. Dr. Klaus Kisters

Chefarzt
Klinik für Innere Medizin
St. Anna Hospital Herne
Fon 02325 - 986 - 2101
medklinik1@annahospital.de

doc

Priv.-Doz. Dr. med. David Scholten

Chefarzt

Klinik für Innere Medizin und Gastroenterologie
Marien Hospital Witten

Fon: 02302 173-1371

medizinischeklinik@marien-hospital-witten.de

doc

Prof. Dr. med. Timm H. Westhoff

Klinikdirektor

Medizinische Klinik I - Allgemeine Innere, Nephrologie und Hypertensiologie, Gastroenterologie, Pneumologie
Marien Hospital Herne - Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum

Fon: 02323 499-1671

innere-medizin@marienhospital-herne.de

doc

Dörte Mühlenhardt

Ernährungsberatung
St. Elisabeth Gruppe – Katholische Kliniken Rhein-Ruhr