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Vielversprechende Exoten Wie gesund sind Superfoods wirklich?

Chiasamen, Gojibeeren und Spirulina-Algen sind – buchstäblich – in aller Munde. Verständlich, denn schließlich sollen die sogenannten Superfoods nicht nur extrem nährstoffreich sein, sondern sich auch positiv auf unsere Gesundheit auswirken. Doch was ist dran an diesen Versprechen? Und gibt es heimische Alternativen zu den teuren Exoten? Eine Ernährungsberaterin der St. Elisabeth Gruppe – Katholische Kliniken Rhein-Ruhr klärt auf.

Unter Superfoods versteht man eine ganze Bandbreite exotischer Lebensmittel, die in den letzten Jahren einen regelrechten Hype bei Verbrauchern ausgelöst haben. Sie versprechen ganz besondere gesundheitsfördernde Eigenschaften zu enthalten. Wissenschaftlich belegt ist die positive Wirkung der unter diesem Begriff zusammengefassten Nahrungsmittel jedoch nicht, denn er ist nicht gesetzlich geschützt. Entsprechend gibt es auch keine Vorgaben, wie viele Vitamine und welche Nährstoffe in Superfoods enthalten sein müssen. Bedeutet das also, dass Weizengras, Acerola und Co. gar nicht so gesund sind, wie sie tun?

Superstar Chia

Zu den bekanntesten Vertretern der Superfoods gehören Chiasamen. Die Mexikanische Chia spielte bereits vor 5000 Jahren eine wesentliche Rolle für die Ernährung der Mayas und Azteken. Hierzulande findet man die graubraunen Körnchen häufig in Brot, Müsli oder Smoothies. Besonders bei Veganern sind Chiasamen sehr beliebt, da sie in Verbindung mit Flüssigkeit ein Gel bilden, und sich damit beim Backen wie Eier verwenden lassen. „Bei den Nährwerten punktet das Superfood mit einem hohen Kalzium- und Eisengehalt. Zudem gelten die Samen als verdauungsfördernd und sorgen aufgrund ihrer quellenden Eigenschaften für ein lang andauerndes Sättigungsgefühl“, so Dörthe Mühlenhardt, Ernährungsberaterin der St. Elisabeth Gruppe.

 

„Bei den Nährwerten punktet das Superfood mit einem hohen Kalzium- und Eisengehalt. Zudem gelten die Samen als verdauungsfördernd und sorgen aufgrund ihrer quellenden Eigenschaften für ein lang andauerndes Sättigungsgefühl.“

  Dörthe MühlenhardtErnährungsberatung – St. Elisabeth Gruppe

Darüber hinaus enthalten Chiasamen die essenzielle, mehrfach ungesättigte Fettsäure alpha-Linolensäure. Daraus kann der Körper gewisse Mengen langkettiger Omega-3-Fettsäuren bilden, die sonst nur über Seefisch aufgenommen werden. Inwiefern aber der regelmäßige Verzehr von Chiasamen das Auftreten beziehungsweise den Verlauf von Krankheiten wie Herzkreislauferkrankungen, Diabetes und Krebs beeinflussen kann, ist bisher noch nicht erwiesen. Solche Werbeversprechen sollten also kritisch hinterfragt werden. Hinzu kommt, dass heimische Leinsamen vergleichbare Nährstoffe wie Chiasamen enthalten. Diese müssen nicht erst aus Südamerika importiert werden und kosten zudem nur einen Bruchteil.

Echte Übe(e)rflieger – Goji, Açaí und Acerola

Sie kommen aus Fernost, Süd- und Mittelamerika und bringen die geballte Ladung Vitamine mit: Gojibeeren, Açaí und Acerola gelten als wahre Wundermittel in Smoothies, Säften oder als Topping von Salaten und Frühstücksbowls. Acerola und Gojibeeren werden vor allem aufgrund ihres hohen Vitamin C-Gehalts hochgelobt.  Bei der Açaí-Beere wird der hohe Gehalt an Flavonoiden den sogenannten Anthocyanen, welche zu den sekundären Pflanzenstoffen zählen, hervorgehoben.

Anthocyane schützen möglicherweise vor der  Entstehung von Herz-Kreislauferkrankungen sowie bestimmten Krebserkrankungen. Hinreichend wissenschaftlich belegt ist dies jedoch bislang nicht. „Aber auch heimische Früchte enthalten Anthocyane. Genauer gesagt fast alle heimischen roten, blauen oder violetten Früchte, wie beispielsweise Himbeeren, Brombeeren, Erdbeeren, Blaubeeren oder Johannisbeeren. Schwarze Johannisbeeren enthalten sogar mehr Vitamin C als Goji-Beeren,“ stellt Dörthe Mühlenhardt klar.

 

„Auch heimische Früchte enthalten Anthocyane. Genauer gesagt fast alle heimischen roten, blauen oder violetten Früchte, wie beispielsweise Himbeeren, Brombeeren, Erdbeeren, Blaubeeren oder Johannisbeeren. Schwarze Johannisbeeren enthalten sogar mehr Vitamin C als Goji-Beeren.“

  Dörthe MühlenhardtErnährungsberatung – St. Elisabeth Gruppe
 

„Unser Körper kann größere Mengen Chlorophyll gar nicht aufnehmen und scheidet den Stoff ungenutzt wieder aus.“

  Dörthe MühlenhardtErnährungsberatung – St. Elisabeth Gruppe

Grünes Wunder – Weizengras und Spirulina

Weizengras und Spirulina-Algen werden als Pulver vor allem Smoothies zugesetzt. Sie sollen die pürierten Fruchtsäfte nicht nur mit Nährstoffen anreichern, sondern ihnen auch eine satte Farbe verleihen. Letzteres ermöglicht das in diesen Superfoods enthaltene Chlorophyll, ein Pflanzenstoff, der beim Sauerstofftransport im Blut helfen und damit zur Bildung neuer Blutzellen beitragen soll. „Allerdings kann unser Körper größere Mengen Chlorophyll gar nicht aufnehmen und scheidet den Stoff ungenutzt wieder aus“, erklärt Dörthe Mühlenhardt. Aber auch mit einem relativ hohen Eiweißgehalt sowie einer großen Menge Vitamin C wollen die grünen Wundermittel punkten. Der Gehalt an Vitamin C ist allerding im heimischen Grünkohl und Broccoli sogar höher.

Nicht ganz so super

Insgesamt lässt sich sagen: Die derzeit populären Superfoods enthalten durchaus gesunde Inhaltsstoffe und können unseren Speiseplan auf jeden Fall bereichern. Allerdings ist es nicht nötig, exotische Nahrungsmittel aus fremden Ländern zu importieren, um ausgewogen und gesund zu essen. Für die teuren Exoten gibt es viele heimische Alternativen. Neben den ökologischen Nachteilen von Superfoods weisen Verbraucherzentralen zudem immer wieder auf mögliche Rückstände in den Produkten hin. Auch sind gesundheitliche Probleme durch die „Aufkonzentrierung“ in z.B. Kapseln möglich, da so vermehrt reizende oder toxische Stoffe aufgenommen werden können. Weiter sind Allergien und Wechselwirkungen mit Medikamenten nicht ausgeschlossen. Dies ist z. B. bei Gojibeeren der Fall, wenn diese von Personen verzehrt werden, die sogenannte Gerinnungshemmer einnehmen.

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Dörthe Mühlenhardt

Ernährungsberatung
St. Elisabeth Gruppe – Katholische Kliniken Rhein-Ruhr