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Zwischen Besinnlichkeit und Nervenkitzel Der Gesundheitscheck auf dem Weihnachtsmarkt

Weihnachtsmärkte gehören für viele zur Adventszeit wie Kerzen und Weihnachtslieder. Ein Besuch auf dem Markt mit Glühwein und leckerem Essen sorgt oft erst für die richtige Weihnachtsstimmung. Und soll es weniger besinnlich zugehen, bieten viele Märkte auch weitere Attraktionen für Jung und Alt, bei denen mehr Nervenkitzel geboten wird. Aber wie reagiert unser Körper auf einen solchen Ausflug? Das haben sich Experten der St. Elisabeth Gruppe – Katholische Kliniken Rhein-Ruhr genauer angesehen.

Fettes Essen kann den Magen reizen

Von der Bratwurst über Crêpes und Schokofrüchte bis hin zu Klassikern wie Pommes frites, Zuckerwatte und Popcorn: Das kulinarische Angebot vieler Weihnachtsmärkte ist breit gefächert. Häufig sind die angebotenen Speisen und Snacks aber sehr fett- und zuckerhaltig. „In Maßen ist das kein Problem, in Massen aber schon“, sagt Dr. Viktor Rempel, Chefarzt der Klinik für Gastroenterologie am St. Anna Hospital Herne. „Viel Fett stellt die Verdauung bereits vor eine Herausforderung, kann den Magen reizen und zu Sodbrennen führen. Wird das Fett auch noch mit Eiweiß kombiniert, wie bei einer Bratwurst, benötigt der Verdauungstrakt noch länger, um das Essen zu verarbeiten. Muss der Magen dann vermehrt Säure produzieren, um die Verdauung anzutreiben, kann es zu Entzündungen und Magenkrämpfen kommen“, erklärt der Mediziner. Mit einem Brötchen zur Bratwurst könne der Magen aber schon wieder ein wenig beruhigt werden. Trotzdem sollte man nach einer reichhaltigen Portion nicht direkt die nächste Runde mit dem Karussell drehen.

 

"Ein Espresso kann durchaus eine magenberuhigende Wirkung haben."

  Dr. Viktor RempelChefarzt, Klinik für Gastroenterologie, St. Anna Hospital Herne

Auch Süßigkeiten und fettige Backwaren, wie die immer beliebteren spanischen Churros, im Überfluss können den Magen reizen und unangenehmes Sodbrennen hervorrufen. Zudem neigt man auf dem Weihnachtsmarkt eher dazu, etwas hektischer zu essen und Snacks im Gehen zu sich zu nehmen – auch dieses Essverhalten kann den Verdauungstrakt reizen und Magenschmerzen hervorrufen.

Ein Tipp vom Experten lautet: „Kaffee kann, sofern er gut vertragen wird, den Kreislauf anregen und den Magen-Darm-Trakt stimulieren. So fühlt man sich nach dem Essen schneller wieder fit.“ Häufig reicht es schon, sich zum Essen gemütlich hinzusetzen und längere Pausen zwischen den verschiedenen Snacks einzulegen. Auch Bewegung, etwa durch einen Rundgang, kann die Verdauung fördern. „Um Heißhunger zu vermeiden und gleichzeitig den Magen zu beruhigen, kann man bereits vor dem Besuch des Weihnachtsmarktes eine eiweißhaltige und leichtverdauliche Kleinigkeit zu sich nehmen“, erklärt Janina Buschmann, Ernährungsberaterin der St. Elisabeth Gruppe. „Hier bietet sich etwa ein fettarmer Joghurt oder ein Magerquark mit Früchten an“, ergänzt ihre Kollegin Lisa Ostermann.

Alkohol in Maßen, nicht im Maßkrug

Alkohol kann in geringen Mengen – wie einem Glas Glühwein oder einem kühlen Bier – dazu beitragen, die Muskelentspannung zu erhöhen und somit für ein größeres Magenvolumen sorgen. Zudem regt er die Produktion der Magenschutzschicht an, kann also Magenschmerzen vorbeugen. Da Alkohol aber auch die Produktion der Magensäure steigert, sollten von Sodbrennen Betroffene eher auf ihn verzichten. Wer den Weihnachtsmarkt mehr als einmal besucht, sollte zudem nicht bei jedem Ausflug zum Glühweinstand pilgern.

Die von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung empfohlene Menge Alkohol pro Tag liegt bei 10 Gramm für Frauen und 20 Gramm für Männer.

Das entspricht für Frauen etwa einem Glas Bier oder (Glüh-)Wein, bei Männern der doppelten Menge. Nichtsdestotrotz wird empfohlen, mehrere alkoholfreie Tage in der Woche einzulegen. Dann können sich Leber und Niere von dem zusätzlichen Stress durch den Alkoholabbau erholen und das Risiko für gesundheitliche Schäden bleibt gering.

Nicht mit „Rücken“ in die Achterbahn

Neben dem Essen sind für viele Besucher die Fahrgeschäfte der Hauptgrund, auf den Weihnachtsmarkt zu gehen. Karussells und Achterbahnen locken mit Sturzflügen und rasenden Drehungen. Schalensitze und Sicherheitsbügel verhindern dabei das Schlimmste. Doch auch perfekt gesichert wirken große Kräfte auf den Körper – in manchen Attraktionen sogar kurzzeitig bis zu 5,2 G, also mehr als das fünffache des eigenen Körpergewichts. „Aber erst ab einer Beschleunigung von etwa 8 G ist mit schlimmeren Folgen wie Schleudertraumata und Knochenbrüchen zu rechnen“, beruhigt Priv.-Doz. Dr. Sebastian Rütten, Direktor des Zentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie der St. Elisabeth Gruppe.

 

"Wer unter Rückenschmerzen leidet, sollte ruhigere Fahrgeschäfte aufsuchen."

  Priv.-Doz. Dr. Sebastian RüttenDirektor, Zentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie, St. Elisabeth Gruppe – Katholische Kliniken Rhein-Ruhr

Ruckartige Bewegungen und schnelle Richtungswechsel sowie ein Aufprall beim Autoscooter sind für eine schwache Wirbelsäule jedoch gefährlich. „Wer unter starken Rückenschmerzen oder Problemen mit der Wirbelsäule leidet, sollte es daher nicht übertreiben“, empfiehlt der Experte. Wer sich nur unter Angst auf ein Fahrgeschäft traut und panisch und verkrampft versucht, die Fahrt zu überstehen, muss beim Austeigen mit Rücken-, Nacken- und Kopfschmerzen rechnen. Das gleiche gilt für alkoholisierte Fahrgäste, die aufgrund des mangelnden Reaktionsvermögens bei der Fahrt durchgeschüttelt werden.

Fahrgeschäfte treiben Puls und Blutdruck in die Höhe

Nicht nur für den Rücken, auch für das Herz kann eine Achterbahnfahrt herausfordernd sein. „Durch den Stress vor und während der Fahrt steigt der Puls schnell an, bei hoher Nervosität auf bis zu 200 Schläge pro Minute“, sagt Prof. Dr. Klaus Kisters, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin am St. Anna Hospital Herne. Ein solcher Adrenalinschub, ob aus Vorfreude oder Angst, kann kurzfristig zu Herzrhythmusstörungen führen. Besonders aufmerksam müssen Herzkranke oder Weihnachtsmarktbesucher mit hohem Blutdruck sein. „Menschen mit einer Herz-Kreislauf-Erkrankung sollten von einer Fahrt mit solchen Fahrgeschäften absehen. Eine derartige Belastung kann bei ihnen zu einem Schlaganfall oder sogar einem Infarkt führen“, warnt Prof. Dr. Hans-Joachim Trappe, Direktor der Medizinischen Klinik II – Kardiologie und Angiologie des Marien Hospital Herne – Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum. Er empfiehlt daher für Risikopatienten eher eine gemütliche Runde auf dem Riesenrad.

Von einem Besuch des Weihnachtsmarktes rät keiner der Experten ab. Im Sinne der eigenen Gesundheit, sollten Besucher jedoch wissen, wo ihre gesundheitlichen Grenzen liegen und welche Vergnügen eher in Maßen genossen werden sollte.

Ihre Experten

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Prof. Dr. Klaus Kisters

Chefarzt
Klinik für Innere Medizin
St. Anna Hospital Herne
Fon 02325 - 986 - 2101
medklinik1@annahospital.de

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Janina Buschmann

Ernährungsberaterin
St. Elisabeth Gruppe – Katholische Kliniken Rhein-Ruhr
 

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Lisa Ostermann

Ernährungsberaterin
St. Elisabeth Gruppe – Katholische Kliniken Rhein-Ruhr