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Zöliakie Mit Gluten? Ohne mich!

Morgens ein knuspriges Brötchen vom Bäcker, abends eine Portion Nudeln für die Seele – das ist für Viele ein Stück Lebensqualität. Für Menschen mit Zöliakie sind Brötchen und Co. allerdings Tabu, denn sie machen sie krank. Aber warum vertragen Betroffene diese Lebensmittel nicht? Und wie geht es nach der Diagnose Zöliakie weiter?

Zöliakie – Schwieriger Name, aber was steckt dahinter?

Zöliakie ist eine entzündliche Darmerkrankung. Ausgelöst wird sie durch eine Fehlreaktion unseres Immunsystems auf das Klebereiweiß Gluten. Fehlreaktion bedeutet in diesem Fall, dass Gluten vom Körper als gefährlich eingestuft wird, obwohl es eigentlich harmlos für unseren Organismus ist. Dies führt zu einer Überreaktion des Immunsystems, bei der die Darmschleimhaut angegriffen wird.

Gluten kommt in Weizen, Roggen, Gerste, Dinkel oder auch Grünkern vor.

„Wenn Gluten über die Nahrung aufgenommen wird, entsteht so durch die Angriffe des Immunsystems eine chronische Entzündung der Darmschleimhaut“, erklärt Dr. Johannes Schweinfurth, Leitender Arzt der Abteilung für Gastroenterologie der Medizinischen Klinik I des Marien Hospital Herne – Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum. Dies hat zur Folge, dass sich die Darmzotten nach und nach zurückbilden. Bei Darmzotten handelt es sich um Falten im Darm, die dessen innere Oberfläche vergrößern. Durch eine vergrößerte Oberfläche können Nahrungsbestandteile, wie Eiweiße, Fette oder auch Vitamine, schneller vom Darm ins Blut übergehen. Bei einer Rückbildung dieser Zotten, verringert sich dadurch auch die Oberfläche der Darmschleimhaut. Deswegen können weniger bzw. unzureichend Nährstoffe über die Schleimhaut aufgenommen werden. So entstehen im Verlauf der Erkrankung Nährstoffdefizite, die verschiedenste Beschwerden auslösen können.

 

„Wenn Gluten über die Nahrung aufgenommen wird, entsteht so durch die Angriffe des Immunsystems eine chronische Entzündung der Darmschleimhaut.“

  Dr. Johannes SchweinfurthLeitender Arzt der Abteilung für Gastroenterologie der Medizinischen Klinik I des Marien Hospital Herne – Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum
 

„Die vielen verschiedenen und teilweise unspezifischen Symptome erschweren eine Diagnose, weshalb eine Glutenunverträglichkeit vielfach unentdeckt bleibt.“

  Dr. David ScholtenChefarzt der Klinik für Innere Medizin und Gastroenterologie des Marien Hospital Witten

Welche Symptome treten auf?

Zu den typischen Beschwerden einer Glutenunverträglichkeit gehören in erster Linie Bauchschmerzen, Blähungen und Durchfall. Häufig geht damit auch ein Gewichtsverlust einher. Da weniger Nährstoffe aufgenommen werden, können außerdem Mangelzustände entstehen, etwa ein Eisenmangel. Es können aber auch eher untypische Symptome auftreten, die keinen Bezug zur Darmfunktion haben. Dazu gehören unter anderem Hautprobleme. „Die vielen verschiedenen und teilweise unspezifischen Symptome erschweren eine Diagnose, weshalb eine Glutenunverträglichkeit vielfach unentdeckt bleibt“, erläutert Dr. David Scholten, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin und Gastroenterologie des Marien Hospital Witten.

Wer ist betroffen?

Zöliakie kann prinzipiell in jedem Alter auftreten und bei den meisten Betroffenen spielen genetische Faktoren eine maßgebliche Rolle. Zwischen dem ersten und achten Lebensjahr sowie im Alter zwischen 20 und 50 erkranken Menschen jedoch häufiger. „Zöliakie bei Kindern kann, neben den typischen Symptomen wie Durchfall oder Bauchschmerzen, außerdem zu einer Verzögerung der körperlichen Entwicklung führen“, berichtet Dr. Ralf Seul, Oberarzt der Kinder- und Jugendklinik des Marien Hospital Witten. Deshalb sollte bei einem Verdacht auf eine Glutenunverträglichkeit unbedingt ein Kinder- und Jugendarzt aufgesucht werden.

 

„Zöliakie bei Kindern kann, neben den typischen Symptomen wie Durchfall oder Bauchschmerzen, außerdem zu einer Verzögerung der körperlichen Entwicklung führen.“

  Dr. Ralf SeulOberarzt der Kinder- und Jugendklinik des Marien Hospital Witten

Wie kann eine Glutenunverträglichkeit festgestellt werden?

Für die Diagnose Zöliakie werden verschiedene Verfahren eingesetzt.  Zum einen können sogenannte Antikörpertests durchgeführt werden. Dabei handelt es sich um Blutuntersuchungen, die dem Nachweis spezieller Antikörper dienen, die typisch für eine Glutenunverträglichkeit sind. Werden bei diesen Tests Antikörper nachgewiesen, erfolgt meist eine sogenannte En­doskopie. Bei diesem Verfahren können Magen und Dünndarm von innen betrachtet und Gewebeproben entnommen werden. Im Anschluss erfolgt eine Untersuchung der entnommenen Proben auf typische Veränderungen der Dünndarmschleimhaut. Dadurch kann bei bestehendem Zweifel eine endgültige Diagnose gestellt werden. Sind die nachgewiesenen Antikörper allerdings über das Zehnfache erhöht und die Symptome eindeutig, ist eine endoskopische Untersuchung nicht zwingend notwendig, um eine vorliegende Zöliakie zu diagnostizieren. Neben den beschriebenen Verfahren kann aber auch das Abklingen der Symptome nach einer glutenfreien Diät ein Diagnosekriterium sein.

In Deutschland ist etwa einer von 100 Menschen von Zöliakie betroffen.

Diagnose: Zöliakie – Was nun?

Die schlechte Nachricht vorweg: Es gibt bislang leider kein Heilungsverfahren für Zöliakie. Die einzige wirksame Therapie ist ein lebenslanger Verzicht auf Gluten, um den Symptomen entgegenzuwirken. Die gute Nachricht ist aber, dass eine konsequente Ernährungsumstellung zu einem beschwerdefreien Leben führen kann. Dies bedeutet für Betroffene, dass sie alle Nahrungsmittel, die auf glutenhaltigen Getreidesorten basieren, meiden müssen. Aber auch die richtige Lagerung und Zubereitung von glutenfreien Lebensmittel ist von Bedeutung, damit ein Kontakt und eine damit verbundene Verunreinigung mit Gluten verhindert werden kann. Denn schon geringe Mengen Gluten können den Krankheitsprozess wieder erneut in Gang bringen.

Besonders bei verarbeiteten Lebensmitteln muss deshalb Vorsicht geboten sein, da deren Zusatzstoffe, wie z. B. Verdickungsmittel, häufig Gluten enthalten. Seit 2005 sind Hersteller dazu verpflichtet, glutenhaltige Nahrungsmittel zu kennzeichnen. So können problematische Lebensmittel besser identifiziert werden. Für eine Versorgung unterwegs oder auf Reisen, sollte trotzdem ein besonderes Augenmerk auf die Inhaltsstoffe gerichtet werden.

 

„Erfahrungsgemäß erholt sich die Dünn­darmschleimhaut nach einer solchen Ernährungsumstellung nach kurzer Zeit und die Entzündung verschwin­det. Dadurch lassen auch die Beschwerden nach.“

  Dr. Viktor RempelChefarzt der Klinik für Gastroenterologie des St. Anna Hospital Herne

„Erfahrungsgemäß erholt sich die Dünn­darmschleimhaut nach einer solchen Ernährungsumstellung nach kurzer Zeit und die Entzündung verschwin­det. Dadurch lassen auch die Beschwerden nach“, bestätigt Dr. Viktor Rempel, Chefarzt der Klinik für Gastroenterologie des St. Anna Hospital Herne. Er rät Betroffenen außerdem, diese Ernährungsumstellung gemeinsam mit einer Ernährungsfachkraft zu planen. So könne das Erlernen und Einhalten einer glutenfreien Diät erleichtert und eine zu einseitige Ernährung vermieden werden.

Lebensmittel, die glutenfrei und unproblematisch sind: Mais und Maisprodukte, Hirse, Gemüse, Obst und sogenannte Pseudogetreidesorten wie z. B. Amaranth und Buchweizen.

Soul-Food trotzdem möglich?

Eine Glutenunverträglichkeit bedeutet nicht, dass man auf leckeres Essen verzichten muss. In den Regalen von Supermärkten und Drogerien findet sich mittlerweile eine große Auswahl von Ersatzprodukten, die keine glutenhaltige Getreidebasis haben, wie z. B. Nudeln. Als kohlenhydratreiche Beilage bieten sich aber auch Kartoffeln oder Reis an, die ebenfalls kein Gluten enthalten. Und auch bei frisch gebackenem Brot vom Bäcker müssen keine Abstriche mehr gemacht werden, denn einige Bäckereien bieten auch hier glutenfreie Varianten an.

Hier gibt es ein Rezept, das kein Gluten enthält:

Glutenfreier Kaiserschmarrn (1 bis 2 Portionen)
 

Zutaten

3 Eier (Klasse M)

1Pr.Jodsalz

125ml Milch 1,5 % Fett

10g Kochbananenmehl

90g Mehlmischung (glutenfrei), hell

10g Zucker

1Pck.Vanillezucker

abgeriebene Zitronenschale

Puderzucker zum bestäuben
 

Zubereitung

• Eiweiß mit einer Prise Jodsalz steif schlagen.

• Eigelb, Milch, Mehl, Zucker, Vanillezucker und Zitronenschale in einer Schüssel mit dem Handrührgerät schaumig rühren und ca. 10 Minuten ruhenlassen.

• Eiweiß vorsichtig unter den Teig heben.

• Teig in die gefettete Pfanne geben und gleichmäßig verlaufen lassen.

• Auf beiden Seiten goldgelb backen und mithilfe eines Pfannenwenders in Stücke teilen.

• Anschließend mit Puderzucker bestäuben.

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Dr. med. Viktor Rempel

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Dr. med. Johannes Schweinfurth

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