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Unterzuckerung Wenn der Körper nach Zucker verlangt

Übelkeit, zitternde Hände, das Herz fängt an zu rasen und kalter Schweiß bricht aus. Das sind unter anderem Symptome für eine Unterzuckerung, bei der der Körper schnell Zucker braucht. Sie tritt besonders häufig bei Diabetikern auf. Doch was löst Unterzuckerung aus und wie kann die betroffene Person in so einer Situation reagieren?

Bei einer Unterzuckerung, auch Hypoglykämie genannt, sinkt der Blutzuckerspiegel drastisch ab. Bei Diabetikern spricht man in der Regel ab einem Wert von 70 Milligramm pro Deziliter von einer Unterzuckerung und bei Nicht-Diabetikern ab einem Wert von 50 Milligramm pro Deziliter. Dabei handelt es sich um ungefähre Richtwerte. Betroffene können auch bei höheren Glukosewerten schon Symptome der Unterzuckerung wahrnehmen. Denn das Gehirn benötigt Zucker zum Arbeiten. Bekommt es diesen nicht, verlangt es dringend danach. Durch unterschiedliche Symptome gibt der Körper zu verstehen, dass Zucker aufgenommen werden sollte, zum Beispiel in Form von Kohlenhydraten, deren Hauptbestandteil Zucker ist. Gleichzeitig wird auch Glukose aus körpereigenen Depots freigesetzt.

 

„Mit einer starken Unterzuckerung ist nicht zu scherzen. Je früher die eher leichten Symptome beachtet werden, desto leichter lässt sich die Unterzuckerung behandeln.“

  Priv.-Doz. Dr. David Scholten, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin und Gastroenterologie des Marien Hospital Witten

Welche Symptome treten bei einer Unterzuckerung auf?

Je nach Stärke der Unterzuckerung gibt es unterschiedliche Symptome: Bei einer eher leichten Unterzuckerung kommt es zum Zittern der Hände und Finger, zu kaltem Schweiß, einem erhöhten Puls, Gesichtsblässe und Heißhunger. Bei einer stärkeren Unterzuckerung, sind Kopfschmerzen, Schwindel, Schläfrigkeit und Wahrnehmungsstörungen bis hin zur Ohnmacht mögliche Folgen. „Mit einer starken Unterzuckerung ist nicht zu scherzen. Je früher die eher leichten Symptome beachtet werden, desto leichter lässt sich die Unterzuckerung behandeln“, betont Priv.-Doz. Dr. David Scholten, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin und Gastroenterologie des Marien Hospital Witten.

Was können die Ursachen für eine Unterzuckerung sein?

Es gibt verschiedene Ursachen, die zu einer Unterzuckerung führen können. Zu den häufigsten bei Diabetikern zählen falsch eingenommene Medikamente, wie zum Beispiel Insulin. Grund kann ein Fehler bei der Menge sein. Möglich wäre aber auch, dass das Insulin zum Beispiel direkt in den Muskel gespritzt wurde. Die Wirkung des Insulins setzt dadurch schneller ein. Weitere Gründe können erhöhte körperliche Aktivität, zu wenig Essen oder erhöhter Alkoholkonsum sein. Bei Nicht-Diabetikern kann es ebenfalls zu einer Unterzuckerung mit den gleichen Symptomen kommen.

„Die häufigsten Ursachen für eine Unterzuckerung sind Alkoholkonsum oder Ernährung. Alkohol hemmt zum Beispiel die Mechanismen des Körpers, die bei einem niedrigen Blutzuckerspiegel einsetzen würden“, erzählt Dr. Viktor Rempel, Chefarzt der Klinik für Gastroenterologie des St. Anna Hospital Herne. Hinzu kommt die Benebelung der Sinne bei übermäßigen Alkoholkonsum, die das Erkennen der Warnsignale des Körpers zusätzlich erschwert. Personen die lange nichts oder zu wenig essen, können ebenfalls in eine Unterzuckerung fallen. Es sollte außerdem darauf geachtet werden, dass nicht zu viele schnellverdauliche Kohlenhydrate gegessen werden. Denn diese treiben den Blutzuckerspiegel zwar schnell in die Höhe, lassen ihn aber im Anschluss ebenso steil wieder abfallen. In seltenen Fällen können Krankheiten die Ursache von Unterzucker bei Nicht-Diabetikern sein. Dabei kann es sich um Erkrankungen der Leber, Schilddrüse, Bauchspeicheldrüse oder der Nebennierenrinde handeln.

 

„Die häufigsten Ursachen für eine Unterzuckerung sind Alkoholkonsum oder Ernährung. “

  Dr. Viktor Rempel, Chefarzt der Klinik für Gastroenterologie des St. Anna Hospital Herne
 

„In der Regel ist die leichtere Form der Hypoglykämie durch die Einnahme von Traubenzucker oder einem Glas Fruchtsaft wieder in den Griff zu bekommen."

  Dr. Johannes Schweinfurth, Leitender Arzt der Abteilung für Gastroenterologie des Marien Hospital Herne – Universitätsklinikum Ruhr-Universität Bochum

Wie wird eine Unterzuckerung behandelt?

„In der Regel ist die leichtere Form der Hypoglykämie durch die Einnahme von Traubenzucker oder einem Glas Fruchtsaft wieder in den Griff zu bekommen. Da der Körper nach Kohlenhydraten verlangt, sollten diese auch zu sich genommen werden,“ sagt Dr. Johannes Schweinfurth, Leitender Arzt der Abteilung für Gastroenterologie des Marien Hospital Herne – Universitätsklinikum Ruhr-Universität Bochum. Dennoch sollte bei häufig auftretendem Unterzucker mit einem Arzt Rücksprache gehalten werden.

Wenn es sich um eine starke Form der Unterzuckerung handelt, sollte in jedem Fall der Arzt aufgesucht werden, denn eine ausgeprägte Hypoglykämie kann potenziell lebensbedrohlich sein und sogar im Koma enden. Falls es zu so einer starken Unterzuckerung kommt, klärt der Arzt zunächst die Vorgeschichte des Patienten in Hinblick auf mögliche Risikofaktoren, führt eine Blutzuckermessung durch und verabreicht anschließend eine Glukoseinfusion. Während der Infusion wird regelmäßig der Blutzuckerwert des Patienten überprüft. Kam es zu einer Ohnmacht oder ist die betroffene Person nicht mehr ansprechbar, muss sofort der Notruf abgesetzt werden, damit der Notarzt Glukagon verabreichen kann. Glukagon ist ein Hormon, das Glukose aus der Leber freisetzt und so den Blutzuckerspiegel wieder nach oben treibt.  

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