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Unerfüllter Kinderwunsch
Endometriose könnte die Ursache sein

Für viele Paare zählt ein eigenes Kind zu den Herzenswünschen. Umso belastender ist es, wenn sich der Wunsch trotz aller Bemühungen und Geduld nicht erfüllt. Dafür kann es vielfältige Gründe geben. Zu den unterschätzen Ursachen für Kinderlosigkeit zählt Endometriose. Die Erkrankung betrifft Frauen im gebärfähigen Alter und ist trotz großer Verbreitung immer noch relativ unbekannt. Einmal erkannt und richtig behandelt, ist die Erfüllung des Kinderwunsches trotz Endometriose möglich.

Rechtzeitig zum Arzt, wenn es nicht klappt

Bei gesunden Paaren mit Kinderwunsch kann es zwischen einem halben und einem Jahr dauern, bis es mit einer Schwangerschaft klappt. Ist dieser Zeitraum ohne Empfängnis vergangen, sollten die Ursachen genauer untersucht werden. Das gilt unter anderem dann, wenn neben dem Ausbleiben der Schwangerschaft weitere Symptome wie starke Regelschmerzen oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr dazu kommen. Denn hinter zunächst unzusammenhängenden Symptomen könnte Endometriose als gemeinsamer Verursacher stecken. Bei Routine-Untersuchungen wird die Erkrankung häufig erst spät oder gar nicht entdeckt, für die betroffenen Frauen bedeutet das oft einen langen Leidensweg.

Wie Endometriose entsteht

Normalerweise wächst die Gebärmutterschleimhaut nur im Inneren der Gebärmutter. „Bei einer Endometriose bildet sich auch an anderen Stellen Gebärmutterschleimhaut, z. B. an den Eierstöcken, Eileitern, dem Bauchfell und in anderen Organen wie Blase oder Darm“, erklärt Prof. Dr. Sven Schiermeier, Direktor des Zentrums für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der St. Elisabeth Gruppe an den Standorten Witten und Wanne-Eickel.

Meist treten die ersten Symptome mit Beginn der Menstruation auf. Nach Schätzungen leidet etwa jede 8. bis 10. Frau unter Endometriose. In seltenen Fällen sind bereits Mädchen vor der Pubertät betroffen. Nach den Wechseljahren gehen die Beschwerden durch den Hormonmangel meist zurück.

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Trotz Symptomen häufig unerkannt

In welcher Ausprägung die Endometriose auftritt, ist von Frau zu Frau verschieden. „Unter Umständen bleibt sie auch völlig unbemerkt. Einige Frauen leiden nur unter leichten Beschwerden, andere haben starke Schmerzen, die vor oder mit der Regelblutung einsetzen“, berichtet Valentin Menke, Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe des St. Anna Hospital Herne.

Häufig klagen Frauen aber auch über menstruationsunabhängige Unterleibsschmerzen, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und beim Gang zur Toilette. „Auch wenn bei der routinemäßigen Tast- und Ultraschalluntersuchung beim Frauenarzt keine Endometriose festgestellt wird, heißt das nicht, dass keine Endometriose vorliegt. Bei anhaltender Kinderlosigkeit sollte die Erkrankung als Ursache immer in Betracht gezogen werden“, so der Gynäkologe.

Der Endometriose auf die Spur kommen

Ein Termin in einem zertifizierten Endometriosezentrum kann für Klarheit sorgen. Für die Diagnose erkundigen sich die Spezialisten zunächst nach der Krankheitsgeschichte, dann erfolgen Tast- und Ultraschalluntersuchungen. Um die teilweise winzigen Herde aufzuspüren, ist langjährige Erfahrung notwendig. Prof. Schiermeier erläutert: „Auch nicht sichtbare Endometrioseherde können den Körper durcheinander bringen. Für eine sichere Diagnose ist daher meist eine Bauchspiegelung erforderlich, bei der Gewebeproben genommen werden.“

Individuelle Behandlungsstrategie

Die Art der Behandlung orientiert sich vor allem an den Beschwerden und am Kinderwunsch. Welche Therapie am besten geeignet ist, muss individuell abgewogen werden.

„Die Bauchspiegelung bietet neben einer sicheren Diagnose auch die Möglichkeit zur minimal-invasiven Therapie. Insbesondere bei einer ausgedehnten Endometriose ist es wichtig, die Gebärmutterschleimhaut von den betroffenen Stellen zu entfernen. Bei einem Kinderwunsch kombinieren wir die operative Therapie mit einer Überprüfung der Funktion der reproduktiven Organe“, informiert Valentin Menke. Hierbei wird die Gebärmutter gespiegelt und die Durchgängigkeit der Eileiter getestet.

Die operative Therapie wird durch eine medikamentöse Behandlung unterstützt.

Neue Perspektiven nach der Operation

„Leider sind die Ursachen für die Entstehung von Endometriose heutzutage immer noch weitgehend ungeklärt. Aktuelle Therapieverfahren lindern die Symptome, ein Wiederauftreten der Beschwerden kann aber nicht ausgeschlossen werden. Umso erfreulicher ist es, dass wir durch die Entfernung der Endometrioseherde in vielen Fällen eine Schwangerschaft ermöglichen können. Wir raten ungewollt kinderlosen Paaren dazu, den Kinderwunsch nicht frühzeitig aufzugeben und sich an eine Kinderwunschpraxis bzw. ein Endometriosezentrum zu wenden“, so Prof. Schiermeier.

doc

Prof. Dr. Sven Schiermeier
Direktor
Zentrum für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der St. Elisabeth Gruppe - Katholische Kliniken Rhein-Ruhr, Standorte Witten und Wanne-Eickel
Fon 02302 - 173 - 1323
Kontakt Endometriosesprechstunde

doc

Valentin Menke
Chefarzt
Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe
St. Anna Hospital Herne
Fon 02325 - 986 - 2301
Kontakt Endometriosesprechstunde