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Stürze im Winter Wichtige Maßnahmen bei Glatteis

Die kalte Jahreszeit bringt nicht nur Schneeflocken und winterliche Freuden mit sich, sondern auch ein erhöhtes Risiko für Stürze. Glatte Gehwege, vereiste Straßen und unberechenbare Wetterverhältnisse stellen besonders ältere Menschen vor Herausforderungen.

Warum es im Winter häufiger zu Stürzen kommt

Ein Hauptgrund für Stürze im Winter ist das rutschige Eis, das Gehwege und Straßen unsicher macht. Oftmals wird die Gefahr unterschätzt, wenn gefrorener Niederschlag oder Tauwetter über Nacht zu Glätte führt. Auch unzureichend geräumte und gestreute Wege tragen zur Gefahr bei. Hinzu kommen schlechte Sichtverhältnisse durch Schnee und Dunkelheit, die das Risiko für Unfälle erhöhen können.

Doch die Gefahr lauert nicht nur im öffentlichen Raum. Risikozonen finden sich überall:

  • Öffentliche Wege und Plätze: Schlecht geräumte oder unzureichend gestreute Gehwege, schattige Stellen, auf denen das Eis tagsüber nicht schmilzt, und festgetretener Schnee, der zu einer rutschigen Piste wird.
  • Das eigene Zuhause: Oft wird das Risiko direkt vor der Haustür unterschätzt. Vereiste Treppen, rutschige Eingangsbereiche oder unbeleuchtete Gartenwege werden schnell zu gefährlichen Stolperfallen.
  • Schlechte Sichtverhältnisse: Frühe Dämmerung und Schneegestöber erschweren das rechtzeitige Erkennen von Hindernissen oder glatten Stellen, was die Reaktionszeit verkürzt.

Typische Verletzungen nach Winterstürzen

Wenn ein Sturz nicht zu vermeiden ist, reagiert der Körper instinktiv. Dieser Schutzmechanismus ist jedoch oft selbst die Ursache für typische Verletzungen. Wer ausrutscht, streckt reflexartig die Arme aus, um den Aufprall abzufangen und den Kopf zu schützen.

Dieser sogenannte Abstützreflex führt häufig zu folgenden Verletzungen:

- Verstauchungen und Zerrungen: Besonders am Handgelenk oder Fußgelenk.

- Knochenbrüche: Typisch sind Frakturen der handgelenksnahen Unterarmknochen (distale Radiusfraktur) oder des Ellenbogengelenks.

- Sehnenrisse: Überdehnte oder gerissene Sehnen in den Gliedmaßen.

Besonders schwerwiegend sind Stürze, bei denen der Abstützreflex nicht ausreicht oder der Körper unkontrolliert aufprallt und man auf dem Rücken oder auf dem Kopf landet.

 

„Das reflexartige Abstützen führt zu einer starken Krafteinwirkung auf diese Gelenke und dies resultiert oft in schmerzhaften Verstauchungen, Sehnenverletzungen oder Frakturen des Unterarms und des Ellenbogens.“

  Dr. Roderich Heikenfeld, Chefarzt des Zentrum für Schulter-, Ellenbogen- und Handchirurgie
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Können Unfälle auf glattem Eis vermieden werden?

Der beste Schutz vor Verletzungen ist die Vermeidung des Sturzes selbst. Die Anwendung verschiedener Maßnahmen trägt entscheidend dazu bei, Sturzrisiken im Winter zu verringern.

Geeignetes Schuhwerk spielt dabei eine zentrale Rolle, denn rutschfeste Sohlen mit tiefem Profil verbessern die Bodenhaftung deutlich und können durch Spikes oder Überziehsohlen ergänzt werden, um zusätzlichen Halt zu bieten. Ebenso unterstützt eine angepasste Gehweise die Sicherheit auf glatten Untergründen. Die sogenannte „Pinguin-Technik“, also kurze Schritte und ein leicht nach vorne verlagertes Körpergewicht verringern das Risiko des Wegrutschens spürbar.

Gleichzeitig sollten geräumte und gestreute Wege benutzt werden, während unbeleuchtete oder bekannte Problemstellen für Stürze möglichst gemieden werden sollten. Ergänzende Hilfsmittel wie Gehstöcke mit Eiskralle können gerade für Menschen mit eingeschränkter Mobilität zusätzlichen Halt schaffen.

Besondere Vorsicht für Risikogruppen

Für ältere Menschen oder Personen mit Gangunsicherheiten, Osteoporose oder neurologischen Erkrankungen ist das Sturzrisiko im Winter besonders hoch. In diesem Fall sollten betroffene Personen zu Hause zu bleiben, besonders bei extremen Wetterlagen. Regelmäßiges Gleichgewichts- und Krafttraining kann zudem die Stabilität verbessern und das Selbstvertrauen stärken.

 

„Selbst Stürze, die nicht zu einem Knochenbruch führen, können bei älteren Menschen zu starker Sturzangst und damit zu eingeschränkter Mobilität führen, was wiederum das Risiko für weitere Stürze erhöht

  Prof. Dr. Rainer Wirth, Direktor, Klinik für Altersmedizin und Frührehabilitation
 

„Nach einem Sturz ist es entscheidend, zunächst Ruhe zu bewahren und den eigenen körperlichen Zustand bewusst zu prüfen. Viele Folgeverletzungen entstehen erst dadurch, dass Betroffene zu schnell wieder aufstehen oder Schmerzen ignorieren.“ 

  Dr. Florian Zwecker, Ärztliche Gesamtleitung, MVZ Ärzte

Wenn es doch passiert: Richtig handeln nach einem Sturz

Kommt es dennoch zu einem Sturz bei Schneeglätte, ist das richtige Verhalten entscheidend, um Folgeschäden zu vermeiden.

- ruhig bleiben

- Selbst-Check durchführen

- sicher aufstehen

- Hilfe rufen

Unfälle auf vereisten Wegen können zwar nie völlig ausgeschlossen werden, aber das Risiko lässt sich erheblich minimieren. Wichtig ist hierbei, langsam und mit kleinen Schritten zu gehen, um die Balance zu halten und das Risiko eines plötzlichen Ausrutschens zu verringern. An Tagen mit extrem glatten Bedingungen empfiehlt es sich, das Haus möglichst nicht zu verlassen. Dies ist besonders wichtig für Senioren und Menschen mit körperlichen Einschränkungen, da sie anfälliger für Verletzungen sind.

Ihre Ansprechpartner

doc

Dr. med. Roderich Heikenfeld

Chefarzt

Zentrum für Schulter-, Ellenbogen- und Handchirurgie
Zentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie
der St. Elisabeth Gruppe - Katholische Kliniken Rhein-Ruhr

Standorte: St. Anna Hospital Herne | Marien Hospital Herne – Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum | Marien Hospital Witten

Fon 02325 986-2020

schulter@elisabethgruppe.de

doc

Prof. Dr. Rainer Wirth

Direktor

Klinik für Altersmedizin und Frührehabilitation

Marien Hospital Herne – Universitätsklinikum der

Ruhr-Universität Bochum

Fon 0 23 23 - 499 - 24 01

altersmedizin@marienhospital-herne.de

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Dr. med. Florian Zwecker

Ärztliche Gesamtleitung und Prokurist
Medizinisches Versorgungszentrum Herne
Fon 0 23 23 - 499 - 19 70
info@mvz-herne.com