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Schaltstelle Schilddrüse Zwischen Turbo und Dauerbremse

Sie ist sehr klein und doch eine der wichtigsten Schaltstellen im Körper: die Schilddrüse. Die dort gebildeten Hormone steuern viele lebenswichtige Stoffwechselprozesse. Das schmetterlingsförmige Organ reguliert den Sauerstoffverbrauch, den Zucker- sowie den Fett- und Eiweißstoffwechsel – kurzum: den Energiehaushalt des Körpers. Die Schilddrüse beeinflusst Wärmehaushalt und Körpertemperatur, Herz- und Kreislauf, Magen- und Darmtrakt, Muskeln und Nervensystem. Die gesamte körperliche und geistige Entwicklung hängt von der Schilddrüse ab, sie beeinflusst auch unsere seelische Verfassung. Nur wenn die Schilddrüse in Ordnung ist, kann es dem Menschen rundum gut gehen.

Die Schilddrüse braucht Jod, um die Hormone T3 (Trijodidthyronin) und T4 (Thyroxin) zu produzieren. Mit ihnen wird der gesamte Stoffwechsel reguliert. Der menschliche Körper kann Jod nicht selbst produzieren, sondern muss es über die Nahrung und Trinkwasser aufnehmen. Jodhaltiges Mineralwasser und ein regelmäßiger Verzehr von Meeresfischen helfen dabei, einer Kropfentstehung durch Jodmangel, d. h. einer Vergrößerung der Schilddrüse (Struma), vorzubeugen. Insbesondere bei Schwangeren und stillenden Frauen ist der Jodbedarf besonders hoch. Mehr zur Behandlung einer Struma gibt es hier.

Schilddrüsenüberfunktion – der Stoffwechsel auf Hochtouren

Bei einer Überfunktion der Schilddrüse werden zu große Mengen Schilddrüsenhormon ins Blut abgegeben und die Stoffwechselprozesse laufen dann auf Hochtouren ab. Es kommt zu Beschwerden wie Haarausfall, Gewichtsabnahme bei gesteigertem Appetit, Nervosität, Schlafstörungen, Herzklopfen, Augenbeschwerden, Zyklusstörungen etc. Falls ähnliche Symptome auftreten, sollte die Schilddrüse auf jeden Fall untersucht werden.

Einen ersten Anhaltspunkt, ob Sie Ihre Schilddrüse von einem Arzt begutachten lassen sollten, bietet der Selbsttest am Ende des Artikels.

„Nach entsprechenden Untersuchungen kann die Überfunktion der Schilddrüse, die durch eine zu hohe Hormonausschüttung bedingt ist, mit Medikamenten unterdrückt werden. Diese Medikamente wirken als Schilddrüsenblocker und regulieren die Schilddrüsenfunktion“, so Prof. Dr. Dirk Bausch, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie des Marien Hospital Herne – Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum. Wenn sich die Funktion nach einigen Monaten mit medikamentöser Therapie nicht normalisiert, kann eineOperation in Frage kommen.

Schilddrüsenunterfunktion – wenn der Körper immer lahmer wird

Bei einer Unterfunktion hingegen gibt die Schilddrüse zu wenige Hormone ins Blut ab. Dadurch werden sämtliche Prozesse im Körperhaushalt verlangsamt. Zeichen der Unterfunktion sind: Müdigkeit und Abgeschlagenheit, Gewichtszunahmen bis hin zu Adipositas, Depressionen, langsame Reflexe, Verstopfung, erhöhtes Schlafbedürfnis, aufgedunsenes Gesicht, Haarausfall und zahlreiche andere Symptome mehr. Um den Hormonmangel auszugleichen, muss man als Patient täglich die fehlende Menge an Schilddrüsenhormonen in Form von Tabletten zu sich nehmen. „Der Hausarzt bestimmt die richtige Dosis abhängig vom Grad der Unterfunktion und dem Befinden des Patienten. Es ist wichtig, den Hormonspiegel regelmäßig zu kontrollieren und die Therapie regelmäßig anzupassen“, berichtet Dr. Carola Heppner-Szymyslik, Fachärztin für Innere Medizin im MVZ Wanne – Ärzte Am Ruschenhof.

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Untersuchungsmethoden bei Schilddrüsenproblemen

Der Arzt kann bereits durch Abtasten eine Veränderung der Schilddrüse erfühlen. Mit einer Ultraschalluntersuchung stellt man Größe und Veränderungen des Gewebes fest. Mithilfe der sogenannten Szintigraphie lassen sich Aussagen über die Funktion der Schilddrüse treffen. Die Blutuntersuchung gibt Aufschluss über die Menge der Schilddrüsenhormone, die Höhe des TSH-Wertes sowie über mögliche Antikörper im Blut.

Wann eine Operation nötig ist

Eine starke Vergrößerung der Schilddrüse ist der häufigste Grund für eine Operation. „Zu den weiteren Gründen zählen z. B. Schilddrüsenknoten, eine Überfunktion, die Autoimmunerkrankung Morbus Basedow oder wenn der Verdacht auf eine bösartige Erkrankung besteht“, erläutert Prof. Dr. Metin Senkal, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie des Marien Hospital Witten.

Schilddrüsenoperationen werden in den meisten chirurgischen Abteilungen von Krankenhäusern durchgeführt. Allerdings ist eine zunehmende Spezialisierung notwendig. So ist es z. B. erforderlich, Schilddrüsen-OPs nur mit Lupenbrillen vorzunehmen und ein sogenanntes „Neuromonitoring“ der Nerven für die Stimulation der Stimmbänder einzusetzen. Diese Maßnahmen ermöglichen ein nervenschonendes Operieren und beugen damit z. B. einer oft auftretenden Heiserkeit der Stimme vor.

Im Marien Hospital Witten ist für die Patienten mit Schilddrüsenkrankheiten eine Spezialsprechstunde etabliert.

Enge Zusammenarbeit von Experten

Für eine differenzierte Diagnose und Therapie verschiedener Schilddrüsenerkrankungen ist es erforderlich, dass Ärzte und Therapeuten unterschiedlicher Fachrichtungen zusammenarbeiten. An erster Stelle sind Hausärzte zu nennen, die aufgrund ihrer Erfahrung eine Diagnose stellen und eine Therapie einleiten können, sowie die Nachsorge nach Operationen etc. übernehmen. HNO-Ärzte, Radiologen und Nuklearmediziner, Internisten, spezialisierte Chirurgen, Sprachtherapeuten bis hin zu Onkologen bilden ein Netzwerk, um die optimale Therapie der Schilddrüsenerkrankungen zu gewährleisten.

Selbsttest - Wenn Sie bei den folgenden Fragen fünf Punkte erreichen, sollten Sie Ihre Schilddrüse von Ihrem Hausarzt untersuchen lassen.

  • Haben Sie ohne erkennbaren Grund an Körpergewicht ab- oder zugenommen?
  • Fühlen Sie sich ständig müde? Fehlt Ihnen oft die Konzentration?
  • Leiden Sie unter Schlafstörungen?
  • Ist Ihnen ohne äußeren Anlass häufig heiß oder kalt?
  • Sind Sie oft grundlos nervös oder hektisch?
  • Haben Sie öfter Herzrasen?
  • Bemerken Sie ein Kloßgefühl im Halsbereich?
  • Leiden Sie unter Atemnot oder Schluckbeschwerden?
  • Neigen Sie zu Durchfall oder Verstopfung?
  • Leiden Sie unter stumpfem Haar oder trockener Haut?

Antwort „Nein“ 0 Punkte, Antwort „Ja“: 1 Punkt

Ihre Experten

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Prof. Dr. Metin Senkal

Chefarzt

Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie
Marien Hospital Witten
Fon 02302 173-1203
chirurgie@marien-hospital-witten.de

doc

Prof. Dr. Dirk Bausch

Chefarzt

Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie
Marien Hospital Herne
Fon 02323 499-1478
chirurgie@marienhospital-herne.de

doc

Dr. Carola A. Heppner-Szymyslik

Fachärztin für Innere Medizin

MVZ Wanne - Ärzte Am Ruschenhof
Fon 02325 652-2330
info@mvz-herne.com