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Rückenschmerzen Was den Rücken belastet

Rückenschmerzen sind jedem bekannt und deutschlandweit einer der häufigsten Gründe für einen Arztbesuch: Ob Probleme mit dem Nacken, der Lende oder dem Kreuz – die Schmerzen schränken die Betroffenen im Alltag oft stark ein. Welche Ursachen Rückenschmerzen haben können und warum eine Operation nur selten notwendig ist, erklärt unser Experte.

Ursachen von Rückenschmerzen

„Isch hab‘ Rücken…!“ Diesen Spruch von Comedy-Kunstfigur Horst Schlämmer können die meisten Deutsche nachempfinden. Rückenschmerzen sind eine Volkskrankheit: Viele Menschen klagen darüber – entweder weil sie den Rücken einseitig belasten, schwere Lasten heben oder zu lange sitzen. Aber auch Verschleißerscheinungen durch Alterungsprozesse können Schmerzen hervorrufen. Im schlimmsten Fall kann in Folge unter anderem eine Verengung des Spinalkanals entstehen. Bei der sogenannten Spinalkanalstenose ist der Kanal in der Wirbelsäule, durch den das Rückenmark verläuft, verengt. Die Ursachen für einen verengten Wirbelkanal können angeboren oder durch Alterungsprozesse erworben sein, dazu zählen beispielsweise knöcherne Anbauten an den Wirbelkörpern, Vorwölbungen der Bandscheiben und Verschiebungen der Wirbel gegeneinander bei einer Instabilität der Bandscheiben. Der dadurch entstehende Druck auf das Rückenmark und die Nerven kann Rückenschmerzen und bleibende Nervenschädigungen verursachen. Die Haltungsprobleme und Fehlbelastungen können auch einen Bandscheibenvorfall begünstigen. „Dabei tritt der gelartige Gallertkern im Inneren der Bandscheibe aus seinem Faserring und drückt auf den dahinterliegenden Nerv, was die Schmerzen verursacht“, erklärt Priv.-Doz. Dr. Rütten, Direktor des Zentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie der St. Elisabeth Gruppe – Katholische Kliniken Rhein-Ruhr. Weitere Ursachen für Rückenschmerzen sind Tumore, Unfälle oder bakterielle Entzündungen.

Diagnose von Rückenschmerzen

In den meisten Fällen klingen Rückenbeschwerden innerhalb weniger Tage von selbst ab. Bleiben die Schmerzen aber länger als drei Tage bestehen, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Dieser beginnt zunächst mit einem ausführlichen Gespräch über die persönliche Krankengeschichte – der Anamnese. Danach wird der Rücken untersucht und abgetastet, um den betroffenen Bereich einzugrenzen. Zusätzlich ist ein Röntgenbild und eine Kernspin- oder Computertomographie für die genaue Diagnose hilfreich.

Rückenschmerzen behandeln mit Schmerztherapien

Für die Behandlung von Rückenschmerzen greifen die Mediziner zunächst auf verschiedene Verfahren zurück. Ein wichtiger Bestandteil ist die multikonzeptionelle Schmerztherapie. Sind die Schmerzen aber chronifiziert und haben ein eigenes Krankheitsbild kann die multimodale Schmerztherapie helfen, bei der auch Psychotherapie oder Verhaltenstherapie zum Einsatz kommt. Das Ziel ist es, eine Operation zu vermeiden. Dennoch kann diese beispielsweise bei Lähmungen oder zunehmenden Fehlbildungen der Wirbelsäule notwendig sein.

Eine Operation ist auch dann in Betracht zu ziehen, wenn die konservative Schmerztherapie keinen Erfolg bringt und die Schmerzen unverändert stark bleiben. Bei den meisten Menschen ist jedoch eine gezielte Schmerztherapie ausreichend. So kann der Einsatz von entzündungshemmenden Medikamenten dabei helfen, einen entzündeten Nerv erfolgreich zu behandeln. Ziel der Therapie sollte es sein, die Schmerzen zu reduzieren. „Für die Therapie ist es wichtig zu wissen, welche Veränderungen an der Wirbelsäule konkret zu den Beschwerden geführt haben und welche weiteren Behandlungsschritte in der Zukunft – gegebenenfalls auch operativ – bei erneutem Auftreten der Beschwerden notwendig werden“, so Priv.-Doz. Dr. Rütten.

Minimal-invasive Verfahren bieten Vorteile

Wenn eine Operation nicht vermeidbar ist, werden endoskopische Verfahren bevorzugt: „Um präzise in der Tiefe der Wirbelsäule arbeiten zu können, ist es wichtig, eine gute Sicht zu haben. Diese ist bei einer endoskopischen Operation besser als bei einer offenen OP“, erklärt Priv.-Doz. Dr. Rütten. Das liegt daran, dass die Endoskope mit einer Kamera und einer Lichtquelle ausgestattet sind. Beides wird direkt im Behandlungsbereich positioniert. Hinzu kommt, dass es die speziellen Instrumente ermöglichen, den zu operierenden Bereich aus verschiedenen Winkeln zu betrachten. Durch nur wenige millimetergroße Einschnitte und eine punktgenaue Behandlung hat diese Methode im Vergleich zu offenen Operationen zudem den Vorteil, dass weniger Gewebe zerstört wird, was nach der Operation zu geringeren Schmerzen, weniger Komplikationen und einem schnelleren Genesungsprozess führt.

Ihr Experte

doc

Priv.-Doz. Dr. med. Sebastian Rütten

Direktor

Zentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie der St. Elisabeth Gruppe - Katholische Kliniken Rhein-Ruhr
Fon 02325 986-2020
zou@elisabethgruppe.de