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Gehirnerschütterung bei Kindern Nur ein Beule oder doch mehr?

Ein Sturz von der Treppe oder ein Unfall mit dem Fahrrad – Das tut zwar weh, ist in den meisten Fällen aber ungefährlich. Bei Kleinkindern können solche Unfälle schnell mal passieren. Wenn es dabei den Kopf erwischt, kann eine Gehirnerschütterung die Folge sein. Für Eltern gibt es dabei einige Dinge zu beachten.

 

„Schlägt der Kopf mit großer Geschwindigkeit auf einen harten Gegenstand, kann das Hirn trotzdem an den Schädelknochen prallen und damit eine vorübergehende Störung der Gehirnfunktionen verursachen“, Dr. Bahman Gharavi, Chefarzt der Kinder- und Jugendklinik des Marien Hospital Witten.

 

Die Gehirnerschütterung ist ein Schädel-Hirn-Trauma

Das Schädelhirntrauma ist die häufigste Ursache für Tod und schwere Langzeitbehinderung bei Kindern. Das Risiko hängt vom Schweregrad des Traumas, Alter des Kindes (<2 Jahre), und vom Unfallmechanismus ab. Als Gehirnerschütterung bezeichnet man die leichte und häufigste Form eines Schädel-Hirn-Traumas. Der medizinische Fachbegriff lautet Commotio cerebri (lateinisch von commovere: erschüttern, bewegen und cerebri: des Gehirns).

Das Gehirn lagert im Inneren des Schädels in einer Flüssigkeit (Liquor), die es gut schützt. „Schlägt der Kopf allerdings mit großer Geschwindigkeit auf einen harten Gegenstand, kann das Hirn trotzdem an den Schädelknochen prallen und damit eine vorübergehende Störung der Gehirnfunktionen verursachen“, sagt Dr. Bahman Gharavi, Chefarzt der Kinder- und Jugendklinik des Marien Hospital Witten. Eine Verletzung des Kopfes ohne Hirnfunktionsstörung oder Verletzung des Gehirns bezeichnet man als Schädelprellung.

Symptome einer Gehirnerschütterung

Nicht jeder Sturz oder Unfall, bei dem auch der Kopf in Mitleidenschaft gezogen wurde, geht mit einer Gehirnerschütterung einher. Da sich Säuglinge und Kleinkinder nicht über ihre Beschwerden äußern können, sollten Eltern ihr Kind genau beobachten. Objektive Verletzungszeichen des Kopfes sind Schwellung, Blutergüsse, Riss- oder Platzwunden, Skalpierung, Verformungen des Schädels, Austritt von Blut, Hirnwasser oder Hirngewebe.

Folgende Symptome weisen auf eine Gehirnerschütterung hin:

  • Erinnerungslücken den Unfall betreffend
  • kurzzeitige Bewusstlosigkeit, Benommenheitsgefühl
  • mäßige bis starke Kopfschmerzen
  • Schwindel
  • Übelkeit mit und ohne Erbrechen
  • Subjektive Doppelbilder und Schwerhörigkeit
  • bei Kindern unter 24 Monaten können auffällige Verhaltensänderung mit Schläfrigkeit, verminderter Bewegungen, verlangsamte Reaktionen, Spielunlust und Unwohlsein hinweisend sein.

Die Symptome können unmittelbar auf den Unfall folgen oder aber erst nach einigen Stunden auftreten. Eine Störung des Bewusstseins weist auf schwerwiegende Funktionsstörung des Gehirns hin.

Im Zweifel: Besser zum Kinderarzt

„Bei Bewusstlosigkeit des Kindes, auch wenn es nur für einen kurzen Augenblick war, sollte ein Arzt aufgesucht werden“, so Gharavi. Weinen unmittelbar nach dem Unfall ist natürlich normal. Hält das Weinen jedoch länger an, tritt Erbrechen auf oder wirkt das Kind unruhig, teilnahmslos oder schläfrig, sollte man ebenfalls zum Arzt gehen.

 

„Bei Bewusstlosigkeit des Kindes, auch wenn es nur für einen kurzen Augenblick war, sollte ein Arzt aufgesucht werden", Dr. Bahman Gharavi, Chefarzt der Kinder- und Jugendklinik des Marien Hospital Witten

 

Lieber kein Fernsehen

Wenn der Kinderarzt eine leichte Gehirnerschütterung feststellt, muss diese nicht unbedingt behandelt werden. Bei Kopfschmerzen helfen Schmerztabletten, wie Paracetamol oder Ibuprofen. Bei Übelkeit kann der Arzt außerdem ein passendes Mittel verschreiben. „Am wichtigsten ist es aber, ausreichend Bettruhe zu halten. Durch Fernsehen und Lesen können die Beschwerden wieder zunehmen, daher sollte darauf verzichtet werden“, so der Chefarzt.

Gehirnerschütterungen vermeiden

Kleine Unfälle lassen sich kaum verhindern. Doch gerade bei Schädel-Hirntraumata helfen einige Vorkehrungen zur Vorbeugung. Dazu gibt es hier ein paar Tipps:

Tipps im Überblick

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  • Immer einen Helm tragen: Beim Fahrradfahren, Inlineskaten, Reiten, Skateboarden usw. sollte immer ein passender Schutzhelm getragen werden
  • Kinder gehören beim Autofahren in einen für ihre Körpergröße passenden Kindersitz
  • Wohnung sichern, dies gilt besonders für den Fenster-, Treppen- und Balkonbereich
  • Fernseher, Regale und Kommoden kippsicher machen
  • Auf einen Gehfrei verzichten
  • Zuhause rutschfeste Socken oder Hausschuhe anziehen

Ihr Experte

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Dr. Bahman Gharavi

Chefarzt
Kinder- und Jugendklinik
Marien Hospital Witten
Fon 02302 173 - 1353
kinderklinik@elisabethgruppe.de