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Klein und fies Nierensteine

Plötzliche, stechende und starke Schmerzen in der Rücken- und Leistenregion, Übelkeit und Erbrechen – verursacht von Nierensteinen. Je größer die Steine, desto schmerzhafter sind sie. Aber wie entstehen eigentlich die kleinen Steine und wie wird man sie am besten wieder los?

Nierensteine, auch Harnsteine, sind Ablagerungen aus Urinbestandteilen. Rund 2 % der Bevölkerung leiden in ihrem Leben an Nierensteinen, dabei sind Männer weit häufiger betroffen als Frauen. Zu finden sind Nierensteine in den Nieren, den Nierenbecken oder Harnleitern. Sie entstehen, wenn der Harn mit steinbildenden Substanzen übersättigt ist. Zunächst bilden sich kleine Kristalle, die sich dann zu größeren Kristallen zusammenschließen können. Sind die Nierensteine nur wenige Millimeter groß, verursachen sie oftmals keine Beschwerden und werden über das Wasserlassen ausgeschieden. Bleiben die Nierensteine jedoch aufgrund ihrer Größe im Harnleiter stecken, müssen sie meistens behandelt werden. Die Hauptsymptome sind dann, je nach Position der Nierensteine, starke Schmerzen im Rücken, Bauch oder in der Leiste einhergehend mit Übelkeit. Experten sprechen auch von einer Nierenkolik.  

Warum entstehen Nierensteine?

Verschiedene Faktoren begünstigen die Entstehung von Nierensteinen. Dazu zählen z. B. eine sehr eiweißhaltige Ernährung, Fettleibigkeit oder Bewegungsmangel. Aber auch verschiedene Lebensmittel wie Spargel oder Rhabarber können sich auf die Bildung von Nierensteinen auswirken. Durch den Verzehr wird dem Körper viel Wasser entzogen und der Urin mit Salzen überlastet. Zudem ist Vorsicht bei Nahrungsergänzungsmitteln wie Vitamin D und bestimmten Medikamenten geboten, da diese die Zusammensetzung des Urins beeinflussen können und dadurch die Bildung von Nierensteinen begünstigen können. Des Weiteren sind verschiedene Stoffwechselerkrankungen für die Entstehung von Nierensteinen verantwortlich.

 

„Mittels einer Ultraschalluntersuchung können bereits kleinste Nierensteine lokalisiert werden“, erläutert Prof. Dr. Joachim Noldus, Direktor der Klinik für Urologie des Marien Hospital Herne – Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum.

 

Wie werden Nierensteine diagnostiziert?

Eine Computertomographie gibt außerdem Aufschluss darüber, ob sich die Steine in der Niere oder den Harnleitern befinden. Zudem kann durch die Computertomographie die Größe der Nierensteine bestimmt werden. Zusätzliche Informationen über die Funktionstätigkeit der Nieren, der sogenannten Abflussverhältnisse, liefert eine Röntgenuntersuchung mit Kontrastmitteln.

Wie können Nierensteine behandelt werden?

Nach einer umfassenden Diagnostik kommen für die Behandlung von Nierensteinen verschiedene Methoden in Frage. Ein operativer Eingriff durch eine Blasen- oder Harnleiterspiegelung ist die in Deutschland zurzeit am häufigsten durchgeführte Therapiemethode. „Die Operationsinstrumente für die Blasen- und Harnleiterspiegelung konnten in den letzten Jahren den Bedürfnissen der Operateure so gut angepasst werden, dass nun schonend die höchsten Steinfreiheitsraten erzielt werden können“, so Prof. Dr. Noldus weiter.

 

„Die Stoßwellentherapie ist ein nicht-invasives Verfahren. Dabei werden große Nierensteine durch Stoßwellen von außen zertrümmert und dann auf natürliche Weise aus dem Körper abgetragen“, erklärt Prof. Dr. Noldus.

 

Eine weitere Alternative ist die extrakorporale Stoßwellenlithotripsie (ESWL) und perkutane Nephrolitholapaxie (PCNL). Die Stoßwellentherapie zeichnet sich durch geringe Nebenwirkungen aus, allerdings benötigt sie zumeist mehrfache Sitzungen und Behandlungen. Der Therapieerfolg ist zudem abhängig von dem allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten, aber auch von der Lokalisation und der Größe der Nierensteine. „Bei großen bis sehr großen Nierensteinen wird zumeist eine Operation über die Rumpfwand mit minimal-invasiven Instrumenten in unserer Klinik durchgeführt (Mini-PCNL). Dieses Verfahren erlaubt einen größeren Steinabbau in kurzer Operationszeit “, erläutert Prof. Dr. Noldus weiter.

Wie kann man Nierensteinen vorbeugen?

Patienten, die unter Nierensteinen leiden, entwickeln mit einer hohen Wahrscheinlichkeit erneut Nierensteine. Um dem vorzubeugen raten Experten, viel zu trinken und die Ernährung umzustellen. Auch sollten vorhandene oder geborgene Steine auf ihre Zusammensetzung untersucht werden. Eine kalziumreiche sowie kochsalzarme Ernährung können der Entstehung neuer Nierensteine entgegenwirken. Zudem spielt genügend Bewegung eine wichtige Rolle, um langfristig Nierensteine zu vermeiden.

Ihr Experte

doc

Prof. Dr.  Joachim Noldus

Direktor, Klinik für Urologie

Marien Hospital Herne – Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum

Fon 02323 499-2301

urologie@marienhospital-herne.de