Die Neuroformanestenose zwingt Betroffene dazu, Gehpausen einzulegen.

Neuroforamenstenose Wenn die Nerven in die Enge getrieben werden

Das Rückenmark läuft durch den Spinalkanal der Wirbelsäule, wo es die Rückenmarksnerven vereinigt. Diese übermitteln wichtige Informationen zwischen dem Körper und dem zentralen Nervensystem, das aus dem Gehirn und dem Rückenmark besteht. Die Rückenmarksnerven verlassen den Wirbelkanal jeweils in der Höhe des zugehörigen Wirbels nach rechts und links. Dies geschieht über Löcher in den Zwischenwirbeln – die sogenannten Neuroforamen. Ist eine dieser Öffnungen verengt, spricht man von einer Neuroforamenstenose oder -Enge (griech. sténosis, Verengung). Diese Einengung kann zu einer Reizung oder Schädigung der Nerven führen.

 

„Zumeist tritt die Neuroforamenstenose in der Hals- oder Lendenwirbelsäule auf. Auslöser ist häufig ein Höhenverlust der Bandscheibe. Durch die flacher werdende Bandscheibe wird der Abstand zwischen den Wirbelkörpern kleiner, was zu einer Verengung des Nervenwurzelkanals führt.“

  Priv.-Doz. Dr. Sebastian Rütten, Direktor, Zentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie der St. Elisabeth Gruppe – Katholische Kliniken Rhein-Ruhr

Die Bandscheibe als Auslöser

„Zumeist tritt die Neuroforamenstenose in der Hals- oder Lendenwirbelsäule auf. Auslöser ist häufig ein Höhenverlust der Bandscheibe. Durch die flacher werdende Bandscheibe wird der Abstand zwischen den Wirbelkörpern kleiner, was zu einer Verengung des Nervenwurzelkanals führt“, erklärt Priv.-Doz. Dr. Sebastian Rütten, Direktor des Zentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie der St. Elisabeth Gruppe – Katholische Kliniken Rhein-Ruhr. Da sich die Bandscheibe häufig nicht gleichmäßig abnutzt, kann dies auch nur einseitig auftreten. Bei fortgeschrittener Abnutzung können Kalkablagerungen sowie Arthrosen der Wirbelbogengelenke die Wurzelaustrittsöffnungen zusätzlich verengen. Auch versucht der Körper oft, selbst einen Ausgleich für die defekten Gelenke und Bandscheiben zu schaffen und bildet rund um die betroffenen Stellen neue Knochenstrukturen, sogenannte Spondylophyten. „Dies verschlimmert die Situation jedoch, wenn die neu gebildeten knöchernen Anbauten in das Nervenaustrittsloch oder den Spinalkanal reichen und diese zusätzlich verengen oder Druck ausüben“, so der Mediziner.

Symptome der Neuroforamenstenose: Schmerzen und Taubheit

Wer unter einer Neuroforamenstenose leidet, verspürt Schmerzen, Brennen und Taubheitsgefühle in den Beinen, die häufig einseitig auftreten. Es fällt den Betroffenen zunehmend schwerer, längere Gehstrecken zu bewältigen. Je nach der Höhe der betroffenen Segmente der Wirbelsäule, können auch einschießende Schmerzen und Taubheit im Arm ein Zeichen für die Erkrankung sein.

Hilfe durch den Orthopäden

Bei Verdacht auf eine Neuroforamenstenose muss eine genaue Diagnose erfolgen. Dafür erfragt der behandelnde Orthopäde zunächst, wo genau die Schmerzen auftreten und wie sie sich äußern. Mittels bildgebender Verfahren wie Röntgen, CT oder MRT lassen sich wirbelsäulenbedingte Ursachen für die Beschwerden sowie andere Erkrankungen wie Rheuma oder Tumore ausschließen. Auch eine neurologische Untersuchung ist wichtig, um festzustellen, ob es bereits zu Schädigungen in diesem Bereich gekommen ist.

Ambulante Therapie bei leichteren Beschwerden

Sollten die Beschwerden durch die Neuroforamenstenose nur leicht oder mittelstark sein, kann zunächst eine Therapie mittels konservativer, also nicht-operativer, Methoden angewendet werden. Dazu gehören unter anderem die Schmerztherapie, die ma­nuelle Therapie oder die Wärmetherapie. Ergothera­peutische Maßnahmen wie beispielsweise gezieltes Muskeltraining oder Radfah­ren können zu einer Linde­rung der Symptome beitra­gen.

Innovative Methoden für fortgeschrittene Fälle

„Handelt es sich um eine be­reits fortgeschrittene Form der Neuroforamenstenose mit starken Schmerzen oder Lähmungserscheinun­gen, kann zumeist stationär eine multikonzeptionelle Schmerztherapie durchge­führt werden“, erklärt Dr. Rütten. Neben intensi­veren Therapieeinheiten wie Kälte- oder Wärmetherapie, Massagen sowie Elektrothe­rapie kommt hierbei insbe­sondere die interventionelle Therapie im Operationssaal zum Einsatz. „Dabei werden Medikamente bei direkter Sicht unter Röntgenkontrolle mittels feiner Nadeln direkt in den betroffenen Bereich der Wirbelsäule verabreicht. Zudem kann so bei mehre­ren erkrankten Bereichen der Wirbelsäule eine besse­re Eingrenzung des Haupt­befundes erfolgen.“ Häufig lassen sich die Beschwerden auf diese Weise so gut lin­dern, dass keine Operation notwendig ist. Sollte dies jedoch unvermeidbar sein, bietet sich hierfür ein inno­vatives minimal-invasives Operationsverfahren an. Es wurde von den Experten des Zentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie der St. Eli­sabeth Gruppe im St. Anna Hospital Herne entwickelt und kommt mittlerweile weltweit zum Einsatz. „Bei diesem Verfahren erfolgt der mittels eines Endoskops, welches nicht größer als ein Kugelschreiber ist. Es schont das umliegende Gewebe und bietet eine optimale Sicht“, so der Experte. Je nach Ursache der Neuroforamenstenose werden dann bei­spielsweise knöcherne Anteile des betroffenen Wir­belgelenkes weggefräst, die den Nerv einengen. Sollte ein Bandscheibenvorfall im Bereich des Nervenaustritts­loches der Auslöser für die Beschwerden sein, wird der ausgetretene Teil der Band­scheibe, der Druck auf den Nerv ausübt, entfernt.

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