thumbnail

Hatte Oma Recht? Schützt ein Unterhemd vor Nierenentzündung?

Oma hat immer gesagt: „Zieh dir ein Unterhemd an, sonst bekommst du eine Nierenentzündung!“ Doch ist das wirklich so? Kann es tatsächlich zu einer Entzündung der Nieren kommen, wenn diese nicht ausreichend vor Kälte geschützt sind? 

Die Niere ist ein erstaunliches Organ!

Fünfmal pro Stunde fließt das gesamte Blut des menschlichen Körpers durch das paarige, bohnenförmige Organ. Es reinigt das Blut dabei von Abfallprodukten des Stoffwechsels, reguliert den Wasser- und Elektrolythaushalt, hilft bei der Blutdruckregulierung und bildet verschiedene Hormone. Kurz: Die Niere ist ein erstaunliches Organ! Da sie an so vielen lebenswichtigen Körperfunktionen beteiligt ist, ist es umso wichtiger, dass die Niere gesund bleibt und nicht durch Entzündungen oder andere Erkrankungen geschädigt wird.

Häufige Ursache für Nierenschmerzen

„Eine der häufigsten Ursachen für Nierenschmerzen ist die Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis). Dabei sind die Nieren sowie das Nierenbecken entzündet“, erläutert Prof. Dr. Klaus Kisters, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin  im St. Anna Hospital Herne.

 

"Eine Nierenbeckenentzündung ist häufig der Grund für Nierenschmerzen."

  Prof. Dr. Klaus Kisters, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin im St. Anna Hospital Herne

Das Nierenbecken ist der Hohlraum im Inneren der Niere. Dort sammelt sich der aus den Nierenkanälchen kommende Urin und gelangt von dort in den Harnleiter. Eine Nierenbeckenentzündung bleibt zu Anfang oft unbemerkt. Dann treten plötzlich Symptome auf wie:

  • Fieber und Schüttelfrost
  • Schmerzen in der Flanke
  • Schmerzen und Brennen beim Wasserlassen
  • Blut im Urin
  • Übelkeit
  • Kopf- und Bauchschmerzen
     
 

"Eine Nierenbeckenentzündung wird durch Bakterien ausgelöst. Nur in sehr seltenen Fällen sind Viren oder andere Erreger der Auslöser."

  Prof. Dr. Timm Westhoff, Direktor der Medizinische Klinik I - Allgemeine Innere, Nephrologie, Gastroenterologie, Pneumologie im Marien Hospital Herne – Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum

Nierenbeckenentzündung – sind „verkühlte“ Nieren schuld?

„Eine Nierenbeckenentzündung entwickelt sich meist aus einer Harnwegsinfektion und zählt daher zu den oberen Harnwegsinfekten. Ausgelöst wird sie durch Bakterien (nur in seltenen Fällen durch Viren oder andere Erreger), die über die Harnwege in die Nieren gelangen und dort zu einer Entzündung führen“ so Prof. Dr. Timm Westhoff, Direktor der Medizinische Klinik I - Allgemeine Innere, Nephrologie, Gastroenterologie, Pneumologie im Marien Hospital Herne – Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum.

In rund 80 Prozent der Fälle handelt es sich um Escherichia coli-Bakterien. Diese Bakterien kommen im Darm vor, können aber in die unteren Harnwege gelangen und Entzündungen hervorrufen. „Besonders häufig sind Frauen betroffen, da der Harnröhreneingang sehr nahe am After liegt. Zudem ist die Harnröhre der Frau kürzer, so dass die Keime schneller in die Blase und von dort über die Harnleiter in die Nieren gelangen“ erklärt Dr. Ulrich Wilke, Leitender Oberarzt der Klinik für Innere Medizin und Gastroenterologie  im Marien Hospital Witten.

 

Frauen sind besonders häufig betroffen, da ihre Harnröhre kürzer ist als die der Männer. So gelangen die Bakterien schneller in die Blase und von dort in die Nieren.

  Dr. Ulrich Wilke, Leitender Oberarzt der Klinik für Innere Medizin und Gastroenterologie im Marien Hospital Witten

Der direkte Auslöser für eine Nierenbeckenentzündung ist daher nicht die Verkühlung, sondern die bakterielle Infektion. Ist der Tipp von Oma daher falsch? Nicht ganz: Nierenbeckenentzündungen treten besonders häufig im Winter auf, wenn das Immunsystem geschwächt ist. Bakterien und Viren habe es bei einem geschwächten Immunsystem leichter, eine Infektion zu verursachen. Wer sich warm anzieht und so eine Unterkühlung vermeidet, hilft auch seinem Immunsystem.

Muss es denn unbedingt das Unterhemd sein?

Zugegeben: Das Unterhemd hat ein etwas altmodisches Image, doch eine sehr positive Wirkung in der kalten Jahreszeit. So ist es die perfekte erste Lage für den „Zwiebellagen-Effekt“: Durch mehrere Lagen von Kleidungsstücken werden zwischen den Schichten Hohlräume geschaffen, in denen sich die Luft sammelt und erwärmt. So bildet sich ein wärmender Kälteschutz um den Körper. Das Unterhemd aus Baumwolle transportiert außerdem den Schweiß vom Körper weg und hält ihn so auch noch trocken.

Fazit: Ohne Unterhemd bekommt man nicht gleich eine Nierenentzündung, doch mit Unterhemd ist es einfach wohlig warm und das hilft auch dem Immunsystem.

Ihre Experten

doc

Prof. Dr. Klaus Kisters

Chefarzt
Klinik für Innere Medizin
St. Anna Hospital Herne
Fon 0 23 25 - 986 - 21 01
medklinik1@annahospital.de

doc

Prof. Dr. Timm Westhoff

Direktor
Medizinische Klinik I - Allgemeine Innere, Nephrologie, Gastroenterologie, Pneumologie
Marien Hospital Herne – Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum
Fon 0 23 23 - 499 - 16 71
innere-medizin@marienhospital-herne.de

doc

Dr. Ulrich Wilke

Leitender Oberarzt
Klinik für Innere Medizin und Gastroenterologie
Marien Hospital Witten
Fon 0 23 02 - 173 - 13 71
medizinischeklinik@marien-hospital-witten.de