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Folgeerkrankung Bauchfellkrebs Wenn Metastasen den Bauchraum befallen

Das Bauchfell umgibt die größte menschliche Körperhöhle, den sogenannten Bauchraum, und weist eine enorme Größe von bis zu 2m² Fläche auf. Bauchfellkrebs, von Medizinern auch Peritonealkarzinose genannt, entsteht in der Regel als Folge anderer Tumorerkrankung im Bauchraum. Wie Bauchfellkrebs diagnostiziert und behandelt werden kann, erklären unsere Experten der St. Elisabeth Gruppe – Katholische Kliniken Rhein-Ruhr.

 

"In vielen Fällen wird Bauchfellkrebs erst bei der operativen Behandlung der ursächlichen Erkrankung entdeckt. Dann ist der Bauchfellkrebs meistens schon weit fortgeschritten."

  Dr. Nurretin AlbayrakChefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie des St. Anna Hospital Herne

Wie wird Bauchfellkrebs diagnostiziert?

Da Bauchfellkrebs lange keine spezifischen Symptome hervorruft, wird die Erkrankung oft erst in einem weit fortgeschrittenen Stadium erkannt. Leidet ein Patient bereits an einer Krebserkrankung der Organe im Bauchraum, z. B. an Magen- oder Darmkrebs, kann es vorkommen, dass die Tumore streuen und sich Tumorzellen im Bauchraum einnisten und dort verbreiten.

Es gibt aber auch Tumore des Bauchfells, die von diesem selbst ausgehen, wie das sogenannte Mesotheliom. Diese Form von Bauchfellkrebs tritt gehäuft bei Personen mit Kontakt zu dem krebserregenden Stoff Asbest auf. CT-Untersuchungen, die üblicherweise zur Diagnose von Tumoren eingesetzt werden, können den Verdacht auf Bauchfellkrebs erst bestätigen, wenn die Bauchhöhle bereits stark von Tumoren befallen ist. Eine frühere Diagnose ermöglicht hingegen eine Bauchspiegelung. Die Bauchspiegelung erfolgt unter Vollnarkose über mehrere kleine Schnitte. Durch die Untersuchungsergebnisse können die Ursache für die Erkrankung und das Stadium bestimmt werden.  

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Zur Therapie von Bauchfellkrebs stehen verschiedene Behandlungsansätze zur Verfügung, die die Erkrankung zurückdrängen können. Eine Heilung der Erkrankung wird jedoch nur bei wenigen Patienten erzielt. In der Regel wird Bauchfellkrebs durch eine Chemotherapie behandelt, die jedoch allein nicht ausreichend wirksam ist. Ergänzend zur Chemotherapie kann daher die hypertherme intraperitoneale Chemoperfusion, kurz HIPEC, eingesetzt werden.

HIPEC

Die hypertherme intraperitoneale Chemoperfusion ist ein neu entwickeltes Verfahren, das zur Behandlung von Bauchfellkrebs eingesetzt wird. In Kombination mit der operativen Entfernung des Tumors bietet es eine effektive Therapie bei Bauchfellkrebs. Nachdem der Tumor und alle durch Metastasen befallene, nicht lebensnotwendige Organe entfernt wurden, wird der Bauchraum mit einem hochdosierten Chemotherapeutikum gefüllt, das selbst kleinste Tumorzellen zerstört. Die Wirkung der Chemotherapie ist dabei lokal auf den Bauchraum beschränkt.

 

„Durch die PIPAC-Therapie kann der Bauchfellkrebs in vielen Fällen zurückgedrängt und die Lebensqualität des Patienten verbessert werden."

  Prof. Dr. Dirk BauschDirektor der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie des Marien Hospital Herne – Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum

PIPAC

Eine weitere Behandlungsmethode bei Bauchfellkrebs stellt das PIPAC-Verfahren (Pressurized Intra Peritoneal Aerosol Chemotherapy) dar. Dieses Verfahren wird vor allem bei Patienten mit einer weit fortgeschrittenen Erkrankung eingesetzt, bei denen eine OP nicht mehr möglich ist. Bei dem Behandlungsverfahren handelt es sich jedoch um ein palliatives Verfahren, eine Heilung der Erkrankung ist nicht möglich.

Bei der PIPAC-Therapie wird ein Chemotherapeutikum in Gasform unter Druck in die Bauchhöhle eingeführt. Durch den Druck kann das Medikament tiefer in das Tumorgewebe eindringen und dieses zurückdrängen. So wird die Wirksamkeit, im Vergleich zu einer Chemotherapie über den Blutkreislauf, gesteigert. Damit die Therapie die gewünschte Wirkung erzielt, muss das Verfahren in bestimmten Abständen wiederholt werden.

Ihre Experten

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Dr. Nurettin Albayrak

Chefarzt
Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie
St. Anna Hospital Herne
Fon 02325 - 986 - 2051
chirurgie@annahospital.de

doc

Professor Dr. med. Dirk Bausch

Direktor
Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie
Marien Hospital Herne – Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum
Fon 02323 - 499 - 1478
chirurgie@marienhospital-herne.de