Eisenmangel

Eisenmangel Warum sich sparen lohnt

Die Symptome beginnen schleichend und werden von Betroffenen häufig erst spät bemerkt: Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Schwindel, aber auch äußerliche Symptome wie brüchige Nägel, Haarausfall, kleine Hauteinrisse in den Mundwinkeln oder eine extreme Blässe können Hinweise auf einen Eisenmangel sein. Doch was bedeutet diese Diagnose überhaupt für Betroffene? Experten der St. Elisabeth Gruppe erläutern das Krankheitsbild, Gründe für Eisenmangel und Behandlungsverfahren.

Nicht immer muss hinter den genannten Symptomen ein Eisenmangel stecken. Für Mediziner ist es jedoch durch einen Bluttest relativ einfach festzustellen, ob ein Patient davon betroffen ist. Da eine Blutabnahme erforderlich ist, ist es für Patienten nicht möglich, einen Selbst-Test durchzuführen. Der Gang zum Arzt ist bei einem Verdacht somit unumgänglich. Die Diagnose wird dabei häufig vom Hausarzt gestellt, die Ursachenforschung und der Therapiebeginn kann bei Bedarf im Krankenhaus erfolgen. Aufgrund der häufig unspezifischen Beschwerden ist es jedoch wichtig, dass andere, teils schwere Erkrankungen als Auslöser ausgeschlossen werden und eine intensive Ursachenforschung betrieben wird.

Die Funktion von Eisen im menschlichen Körper

Eisen ist ein wichtiges Spurenelement, das unter anderem für die Sauerstoffaufnahme und -speicherung sowie für viele biochemische Prozesse wie das Zellwachstum benötigt wird. Es spielt damit eine zentrale Rolle im menschlichen Energiehaushalt. Der menschliche Körper enthält etwa 3 bis 5 Gramm Eisen, das entspricht circa dem Gewicht einer 10 Cent Münze. Um den täglichen Bedarf an Eisen aufrecht zu erhalten, benötigt der Körper ca. 1 Milligramm Eisen pro Tag, das aus dem Darm aufgenommen werden muss.

 

„Der Körper kann Eisen speichern. Die Eisenspeicher funktionieren wie eine Art Spardose, aus der man sich eine gewisse Zeit lang bei Eisenverlust oder unzureichender Eisenzufuhr bedienen kann."

  Prof. Dr. Timm WesthoffDirektor der Medizinische Klinik I des Marien Hospital Herne - Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum

Verschiedene Formen von Eisenmangel

Prof. Dr. Timm Westhoff, Direktor der Medizinische Klinik I des Marien Hospital Herne - Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum, klärt über die Vorgänge im menschlichen Körper auf: „Der Körper kann Eisen speichern. Die Eisenspeicher funktionieren wie eine Art Spardose, aus der man sich eine gewisse Zeit lang bei Eisenverlust oder unzureichender Eisenzufuhr bedienen kann.

Sind die Ersparnisse weitgehend aufgebraucht, hat der Körper unzureichend Eisen für die Herstellung von roten Blutkörperchen. Es kommt dann zu einer Blutarmut. Man spricht in diesem Fall von einem ‚manifesten Eisenmangel‘.“ Ein Eisenmangel kann aber auch bereits vor Entstehung einer Blutarmut Symptome hervorrufen. Dies können Konzentrationsstörungen oder unruhige Beine (sogenannte „restless legs") sein, in diesem Fall spricht man von „latentem Eisenmangel".

„Für die Entstehung eines Eisenmangels können drei Gründe verantwortlich sein: Eisenverlust, eine zu geringe Eisenzufuhr oder ein überhöhter Eisenbedarf“, erklärt Dr. Viktor Rempel, Chefarzt der Klinik für Gastroenterologie, St. Anna Hospital Herne. „Zunächst gibt es den sogenannten Eisenverlust, der zum Beispiel durch sichtbare oder auch nicht sichtbare Blutungen im Magen-Darm-Trakt ausgelöst wird.

 

„Für die Entstehung eines Eisenmangels können drei Gründe verantwortlich sein: Eisenverlust, eine zu geringe Eisenzufuhr oder ein überhöhter Eisenbedarf.“

  Dr. Viktor RempelChefarzt der Klinik für Gastroenterologie, St. Anna Hospital Herne

Zum anderen kann Eisenmangel aber auch durch eine zu geringe Eisenzufuhr erzeugt werden, dies geschieht zum Beispiel bei Menschen mit vegetarischer Ernährung. Außerdem haben manche Menschen einen erhöhten Eisenbedarf wie Schwangere oder Dialyse-Patienten, aber auch regelmäßige Blutspender.“ Die größte Risikogruppe für einen Eisenmangel sind übrigens Frauen. Bei gut 50 % aller Frauen im gebärfähigen Alter kann ein zumindest leichter Eisenmangel nachgewiesen werden. Dies liegt zumeist an Blutverlusten während der Regelblutungen.

Behandlungsmöglichkeiten für Betroffene

„Die Behandlung des Eisenmangels besteht in erster Linie darin, die Ursachen zu beheben. Daher ist eine gründliche vorangegangene Untersuchung für eine zielgerichtete Therapie unbedingt notwendig“, erläutert Priv.-Doz. Dr. David Scholten, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin und Gastroenterologie, Marien Hospital Witten, „Darum werden häufig endoskopische Untersuchungen des Magens und des Darms notwendig. Ebenso sollte bei Frauen eine gynäkologische Kontrolle erfolgen. Auch Infektionen oder mögliche Tumorerkrankungen sollten abgeklärt werden.“

 

„Eisen kann als Tablette, Kapsel, Saft oder Tropfen zugeführt werden. Um eine bessere Aufnahme sicherzustellen sollten diese Präparate 2 Stunden vor oder nach einer Mahlzeit eingenommen werden.“

  Priv.-Doz. Dr. David ScholtenChefarzt der Klinik für Innere Medizin und Gastroenterologie, Marien Hospital Witten

Dr. Scholten erklärt weiter: „Eisen kann als Tablette, Kapsel, Saft oder Tropfen zugeführt werden. Um eine bessere Aufnahme sicherzustellen sollten diese Präparate 2 Stunden vor oder nach einer Mahlzeit eingenommen werden.“ Da nur etwa 10 % des als Präparat zugeführten Eisens aus dem Darm ins Blut aufgenommen werden können, bedarf es einer längeren Behandlung. Bei schwerer Blutarmut können auch Eisenpräparate in die Vene gegeben werden.

Die weiterführende Behandlung wird dann im Regelfall vom Hausarzt überwacht, denn es dauert mehrere Wochen, bis sich die Eisenspeicher wieder gefüllt haben und der Betroffene sich fit fühlt.

doc

Dr. med. Viktor Rempel

Chefarzt
Klinik für Gastroenterologie
St. Anna Hospital Herne
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