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Ein Clip fürs Herz Damit die Herzklappe wieder richtig schließt

Eine Folge verschiedener Herzerkrankungen ist die Undichtigkeit der sogenannten Mitralklappe. Jeder zehnte Deutsche über 75 Jahren ist davon betroffen, dass die Mitralklappe nicht mehr richtig schließt und leidet unter Begleiterscheinungen wie Atemnot. Das Problem: Für viele Patienten ist eine Operation der Mitralklappe am offenen Herzen zu riskant. Doch es gibt eine Behandlungsform, die sich besonders für Risikopatienten eignet: Ein Clip für die Mitralklappe.

Das menschliche Herz verfügt über vier Klappen, eine davon ist die Mitralklappe. Sie liegt zwischen dem linken Vorhof und der linken Herzkammer. Dort verhindert sie, dass Blut aus der linken Kammer zurück in den Vorhof fließt. Bei verschiedenen Herzerkrankungen kommt es jedoch häufig zu einer Herzmuskelschwäche, die zu einer Erweiterung der Herzhöhlen führt. Der Ansatz der Mitralklappe dehnt sich als Folge aus. Dies kann zu einer Undichtigkeit der Klappe führen. Doch was passiert, wenn die Klappe nicht mehr richtig schließt? Betroffene leiden dann als Folge unter Atemnot, Enge in der Brust und verminderter Belastbarkeit. Lange Zeit gab es neben der medikamentösen Standardtherapie in Einzelfällen nur die Operation der Mitralklappe. Hierbei wird die Herzklappe ersetzt oder rekonstruiert. Eine Herzoperation ist jedoch gerade für ältere Patienten mit weiteren Erkrankungen mit einem hohen Risiko verbunden.

 

 

„Das MitralClipping bietet eine minimal-invasive Alternative zu einer Operation am offenen Herzen.“

  Prof. Dr. Hans-Joachim TrappeDirektor der Medizinischen Klinik II – Kardiologie / Angiologie des Marien Hospital Herne – Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum

Kleiner Eingriff statt großer OP

„Mit dem MitraClipping können wir solchen Patienten helfen, bei denen die medikamentöse Therapie nicht ausreicht oder für die eine große Operation am offenen Herzen ein zu hohes Risiko ist“, erklärt Prof. Dr. Hans-Joachim Trappe, Direktor der Medizinischen Klinik II – Kardiologie / Angiologie des Marien Hospital Herne – Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum. „Diesen Patienten bietet das sogenannte Mitralclipping eine minimal-invasive Alternative.“

Minimal-invasiv bedeutet, dass ähnlich wie bei einer Herzkatheter-Untersuchung nur kleine Schnitte oder Einstiche notwendig sind, um eine Behandlung durchzuführen. Eine Öffnung des Brustkorbs und der Einsatz einer Herz-Lungen-Maschine wie bei einer herkömmlichen Operation sind nicht nötig. Ein minimal-invasiver Eingriff ist deutlich schonender für den Patienten, dieser ist anschließend schneller wieder fit.

 

Von der Leiste in das Herz

Priv.-Doz. Dr. Hans-Jörg Hippe, Chefarzt der Kardiologischen Klinik des Marien Hospital Witten, erklärt diesen Eingriff genauer: „Wir führen ein Röhrchen, einen sogenannten Katheter, über eine Vene in der Leiste zuerst in den rechten und dann über ein kleines Loch in der Vorhofscheidewand in den linken Herzvorhof. Über diesen Katheter wird dann der Clip zur Herzklappe geführt und dort positioniert.“ Der Clip ist mit einer winzigen Wäscheklammer vergleichbar. Er heftet die beiden undichten Segel der Mitralklappe wieder aneinander und zwar an der Stelle, an der es beim Schließen die größte Undichte gibt.

 

„Der Clip wird über einen Katheter zur Herzklappe geführt und dort positioniert.““

  Priv.-Doz. Dr. Hans-Jörg HippeChefarzt der Kardiologischen Klinik des Marien Hospital Witten

Millimeterarbeit per Ultraschall

Damit der Eingriff erfolgreich ist und die beste Wirkung erzielt, muss der Clip exakt positioniert werden. Darum erfolgt während des Eingriffs eine dauerhafte Kontrolle durch einen Herzultraschall. So können das Herz und die betroffene Mitralklappe auf dem Monitor in verschiedenen Ebenen und auch dreidimensional dargestellt und in Echtzeit beobachtet werden. Damit lässt sich die beste Position für den Clip finden. Erst, wenn die Undichtigkeit erheblich reduziert ist, wird der Clip eingesetzt und der Katheter entfernt. Wenn der Patient aus der kurzen Narkose erwacht, ist sein Herz entlastet und die Mitralklappe arbeitet – und schließt – wieder nahezu vollständig.

 

Ihre Experten

doc

Prof. Dr. Hans-Joachim Trappe

Direktor
Medizinische Klinik II - Kardiologie / Angiologie
Marien Hospital Herne
Fon 02323 499-1604
kardiologie@marienhospital-herne.de

doc

Priv.-Doz. Dr. Hans-Jörg Hippe

Chefarzt
Kardiologische Klinik
Marien Hospital Witten
Fon 02302 173-1303
kardiologie@marien-hospital-witten.de