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Den Urlaub unbeschwert genießen Reisethrombose vorbeugen

Australien, Thailand oder die Malediven – So unterschiedliche diese drei beliebten Reiseziele auch sind, haben sie eines gemeinsam: Um dorthin zu kommen, muss man sich auf eine längere Flugreise einstellen. Durch das lange Sitzen in engen Platzverhältnissen droht das sogenannte „Economy-Class-Syndrom“ – die Reisethrombose. Es gibt jedoch einfache Maßnahmen, mit denen das Risiko für die Entstehung einer Thrombose reduziert werden kann – diese sind übrigens auch in der Business-Class sinnvoll.

Was ist eine Thrombose?

„Von einer Thrombose spricht man, wenn sich ein Gerinnsel bildet, das eine Vene akut verschließt. Venen haben die Aufgabe, das sauerstoffarme Blut aus dem Körper zurück zum Herzen und weiter in die Lunge zu transportieren“, erklärt Dr. Luc Claeys, Leitender Arzt der Klinik für Gefäßchirurgie im Marien Hospital Herne – Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum. Bildet sich ein Gerinnsel in der Bein- oder Beckenvene, können Symptome wie Schmerzen oder ein Druckgefühl entstehen. Je größer der Verschluss ist, umso stärker sind die Symptome. Eine besonders schwere Form stellt die Lungenembolie dar: Sie entsteht, wenn sich ein Gerinnsel löst, mit dem Blutstrom in die Lunge gelangt und dort ein lebenswichtiges Lungenge­fäß verstopft.

 

"Das lange Sit­zen in den engen Reihen führt zu mangelnder Betätigung der eigenen Muskel-Venen-Pumpe. Diese erzeugt  bei Anspannung der Beinmuskulatur einen Druck, der den Blutfluss in die gewünschte Richtung vorantreibt" - Priv.-Doz. Dr. Stephan Langer, Chefarzt der Klinik für Gefäßchirurgie im Marien Hospital Witten

 

Was hat die Thrombose mit Flugzeugen zu tun?

Es gibt drei Ursachen für eine Thrombose: eine Veränderung der Blutzusammensetzung (Viskosität), eine Veränderung der Fließgeschwindigkeit des Blutes und eine Veränderung der Gefäßwand (z. B. Venenentzündung bei Krampfadern). Diese Veränderungen treffen auch auf Passagiere in einem Flugzeug zu, insbesondere bei engen Sitzreihen und bei Langstre­ckenflügen.

„Das lange Sit­zen in den engen Reihen führt zu mangelnder Betätigung der eigenen Muskel-Venen-Pumpe. Diese erzeugt  bei Anspannung der Beinmuskulatur einen Druck, der den Blutfluss in die gewünschte Richtung vorantreibt“, so Priv.-Doz. Dr. Stephan Langer, Chefarzt der Klinik für Gefäßchirurgie im Marien Hospital Witten. Die ständige Beugung im Kniegelenk engt die Gefäße zu­sätzlich ein.

Durch die trockene Luft in der klimatisierten Kabine verliert der Körper außerdem Flüssigkeit und das Blut dickt ein. Die verän­derte Luftdrucksituation in großer Höhe führt dazu, dass Gewebswasser von der Blutbahn ins Gewebe abgesondert wird. Eine zusätzliche  Schwellneigung der Beine und eine Verminderung des Flüssigkeitsanteils im Blut sind die Folgen.

Ist jeder Passagier gefährdet?

Natürlich bekommt nicht jeder, der länger im Flieger sitzt, eine Thrombose.

Für alle Vielflieger gibt es aber folgende Basismaßnahmen, die dem Körper gut tuen:

  • ausreichende (nicht alkoholische) Flüssigkeitszufuhr: idealerweise 100 ml Flüssigkeit pro Stunde
  • mindestens 1x pro Stunde die Wadenpumpe aktiv betätigen: mit den Füßen kreisen sowie auf und ab wippen

 

Außerdem gibt es Personengruppen, die ein mittleres bzw. hohes Thromboserisiko haben.

Zu der Personengruppe mit mittlerem Risiko zählen unter anderem Menschen mit Überge­wicht, einer laufenden Hormontherapie, einer Beinläh­mung, vorliegenden Krampfader­leiden, Schwangere, Wöchnerinnen sowie Raucherinnen, die die Antibabypille einnehmen.

Menschen mit mittlerem Risiko sollten:

  • Basismaßnahmen beachten
  • Kompressionsstrümpfe tragen, idealerweise der Klasse II

 

Zu der Personengruppe mit hohem Risiko zählen Menschen mit Thrombosen in der Vorge­schichte, Operationen in den letzten vier bis sechs Wochen vor An­tritt der Reise, aktiven Krebs­erkrankungen oder Veränderungen der Blutzu­sammensetzung aus anderer Ursache.

Menschen mit hohem Risiko sollten:

  • Basismaßnahmen beachten
  • nach Absprache mit ihrem behandelndem Arzt blutverdünnen­de Medikamente einneh­men

 

Wer zu einer Risiko­gruppe gehört, sollte vor einer längeren Autofahrt oder einem Langstreckenflug seinen Hausarzt kontaktieren, um geeignete vorbeugende Maßnahmen zu besprechen.

Ihre Experten

doc

Priv.-Doz. Dr. Stephan Langer

Chefarzt
Klinik für Gefäßchirurgie
Marien Hospital Witten
Fon 0 23 02 - 173-1223
gefaesschirurgie@marien-hospital-witten.de

doc

Dr. Luc Claeys

Leitender Arzt
Klinik für Gefäßchirurgie
Marien Hospital Herne – Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum
Fon 0 23 23 - 499 - 14 89
gefaesschirurgie@marienhospital-herne.de