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Schluss mit Schonen! Sport mit künstlichen Gelenken

Jedes Jahr werden bei einer Vielzahl von Menschen künstliche Gelenke eingesetzt. Besonders häufig: Hüft- und Knie-Endoprothesen. Im Jahr 2019 wurden laut des Instituts für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen deutschlandweit rund 183.000 Kniegelenke und 194.000 Hüftgelenke künstlich ersetzt. Dabei hat der Anteil der unter 70-Jährigen mit Gelenkprothesen in den letzten Jahren immer mehr zugenommen. Diese jüngere Altersgruppe hat ganz andere Ansprüche an ihre Lebensqualität. Vor allem Sport ist für viele wichtig. Zwei Experten der St. Elisabeth Gruppe klären auf, welche Sportarten bei Gelenkersatz empfehlenswert sind und welche man lieber vermeiden sollte.

 

Bei der Kombination von Sport und künstlichen Gelenken gilt es, den gesunden Mittelweg zu finden. Denn einerseits entsteht bei Überlastung mehr Abrieb, was zu einer Lockerung des Gelenks führen kann, aber andererseits stärkt Bewegung auch den Knochen. „Durch Bewegung entsteht ein mechanischer Reiz, der den Knochenstoffwechsel anregt und dafür sorgt, dass neue Knochenzellen gebildet werden“, erklärt Dr. Oliver Meyer, Chefarzt des Zentrum für Becken-, Hüft-, Knie- und Fußchirurgie der St. Elisabeth Gruppe. So kann einer Osteoporose vorgebeugt und das Risiko für Stürze verringert werden, die wiederum häufig einen (weiteren) Gelenkersatz zur Folge haben.

 

„Durch Bewegung entsteht ein mechanischer Reiz, der den Knochenstoffwechsel anregt und dafür sorgt, dass neue Knochenzellen gebildet werden.“

  Dr. Oliver Meyer, Chefarzt des Zentrum für Becken-, Hüft-, Knie- und Fußchirurgie der St. Elisabeth Gruppe
 

„Ein Mix aus gerätegestütztem Krafttraining, Koordinationsübungen und Kardiotraining ist eine besonders gute Mischung für Sportbegeisterte mit Gelenkprothesen.“

  Alexander Kröplin, Leitung des Zentrum für Prävention, Therapie, Rehabilitation und sportmedizinische Diagnostik der St. Elisabeth Gruppe am Standort St. Anna Hospital Herne

In der Kraft liegt die Kraft

Besonders empfehlenswert ist eine Kombination aus Kraft- und Ausdauertraining, die den Stoffwechsel von Knochen und Muskeln gleichermaßen berücksichtigt. „Wichtig ist hierbei, dass Anfänger, aber auch Wiedereinsteiger zu Beginn eine Einweisung durch einen Physiotherapeuten, Sportwissenschaftler oder Rehabilitationstrainer in Anspruch nehmen, damit die Übungen einerseits gelenkschonend ausgeführt werden, aber auch alte Schonhaltungen resultierend aus der Zeit vor der Gelenkprothese erkannt und beseitigt werden können. Kontrollierte Bewegungsabläufe beim Training sind hier besonders wichtig,“ so Alexander Kröplin, Leitung des Zentrum für Prävention, Therapie, Rehabilitation und sportmedizinische Diagnostik der St. Elisabeth Gruppe am Standort St. Anna Hospital Herne. „Ein Mix aus gerätegestütztem Krafttraining, Koordinationsübungen und Kardiotraining ist eine besonders gute Mischung für Sportbegeisterte mit Gelenkprothesen“. 

Im Wasser und im Sattel

Darüber hinaus sind besonders Wassergymnastik und Aquafitness, angeleitet durch spezialisierte Trainer, aber auch Schwimmen sehr gelenkschonend, da durch den Auftrieb des Wassers die Belastung durch das Körpergewicht um ein Vielfaches reduziert wird.

Radfahren ist ebenfalls empfehlenswert. Wichtig ist hierbei, dass der Sattel richtig eingestellt ist und der Rahmen des Fahrrads die richtige Höhe hat. Der sichere Umgang – gerade auch mit Elektrofahrrädern – ist essenziell, da hier schnell Geschwindigkeiten erreicht werden, die bei einem spontanen Bremsen und Absteigen für den Gelenkersatz besonders belastend sein können. 

Unterstützende Stöcke

Auch Nordic Walking eignet sich gut für Menschen mit künstlichen Gelenken, da das schnelle Gehen durch den Stockeinsatz weniger belastend ist. Wanderungen sind ebenfalls möglich, auch in sehr hügeligem Gelände. Zur Entlastung sollte hier ebenfalls ein Stock zum Einsatz kommen, insbesondere wenn es bergab geht. Auch Skilanglauf ist mit künstlichen Gelenken kein Problem. Vor allem Einsteiger sollten die klassischen Techniken bevorzugen, da bei diesen die seitliche Krafteinwirkung auf Knie und Hüften reduziert wird.

Am Ball bleiben? Besser nicht!

Abzuraten ist im Allgemeinen von Sport, der ein erhöhtes Verletzungsrisiko aufweist, ruckartige Bewegungen erfordert oder mit Stoßbelastungen, wie etwa durch Sprünge, einhergeht. Dazu gehören etwa Joggen oder Ski Alpin sowie die meisten Ballsportarten, wie Fußball, Handball oder Basketball. Golf ist allerdings möglich, weil die Bewegungen hier kontrolliert ausgeführt werden können. Geübte Tennisspieler können zumindest im Doppel an der Grundlinie mit einer Gelenkprothese weiter ihren Sport ausüben. „Die Position am Netz sowie Tennis im Einzel sollten unbedingt vermieden werden. Die ruckartigen Stoßbewegungen belasten Hüft- und Kniegelenke zu stark“, warnt Dr. Meyer.