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Sport bei Hitze Was zu beachten ist, damit der Kreislauf nicht schlapp macht

Bei schönem Wetter macht Sport im Freien besonders viel Spaß. Vorsicht ist aber geboten, wenn Temperaturen um die 30-Grad-Marke erreicht werden. Dann wird die Hitze zur Belastung – bereits bei geringer Aktivität. Wer bei diesen Temperaturen dennoch Sport treibt, mutet seinem Körper und insbesondere dem Herz-Kreislauf-System einiges zu.

Denn Herz und Kreislauf müssen bei den hohen Temperaturen sowieso schon Höchstleistungen vollbringen, um den Körper zu kühlen. Dazu wird Blut in die Arme, Beine und die oberen Hautschichten geleitet und Wärme über die Haut abgegeben. Der Körper wird über die Verdunstung des Schweißes auf der Haut abgekühlt. Atmungsaktive Kleidung oder nackte Haut kann den Verdunstungs- und Abkühlungsprozess unterstützen. Die nötige Flüssigkeit dafür stammt aus dem Blut. Je höher der Fettanteil des Körpers, desto weniger Wärme kann dieser abgeben. Auch das fordert den Kreislauf bei Hitze zusätzlich heraus.

 

"Bei großer Hitze ist es wichtig, den Puls genau im Blick zu haben."

  Priv.-Doz. Dr. Hans-Jörg HippeChefarzt, Kardiologischen Klinik, Marien Hospital Witten

Zu große Hitze kann das Herz überfordern

Wird der Körper zusätzlich durch sportliche Aktivitäten angestrengt, muss er noch stärker abgekühlt werden. Das erfordert den Transport von noch mehr Blut, also auch eine schnellere und stärkere Herztätigkeit. Zusätzlich benötigen aktive Muskeln mehr Sauerstoff als passive, müssen also ebenfalls stärker durchblutet werden.

Schwitzt man über einen längeren Zeitraum, kann das Blut durch die entzogene Flüssigkeit zudem dickflüssig werden, dabei kann es zu Elektrolytverschiebungen kommen. Vom Kreislauf erfordert das Höchstleistungen. Um die Anstrengung für den Körper zu reduzieren sollte man daher die Intensität des Trainings bei Hitze verringern. „Bei hohen Temperaturen schlägt das Herz bei gleicher Trainingsintensität bis zu 20 Schläge pro Minute mehr als an kühleren Tagen“, erklärt Priv.-Doz. Dr. Hans-Jörg Hippe, Chefarzt der Kardiologischen Klinik des Marien Hospital Witten. Sobald der Puls deutlich über dem üblichen Niveau liegt, sollten Sportler die Belastung reduzieren oder Pausen im Schatten einlegen. Besonders Sportler mit bekannten Herz-Kreislauf-Erkrankungen sollten sich bei hohen Temperaturen zurück halten oder mit ihrem Arzt sprechen. Durch die große Hitze steigt bei ihnen die Gefahr, einen Herzinfarkt zu erleiden.

Flüssigkeitsmangel als großes Problem

Viele Hitzeprobleme, wie ein schwacher Kreislauf, sind daher vor allem auf Flüssigkeitsmangel zurück zu führen. Der Körper verliert große Mengen an Flüssigkeit und Mineralien, die ihm wieder zugeführt werden müssen. „Durch das Schwitzen können schnell einige Liter Flüssigkeit und Elektrolyte wie Kalium oder Magnesium sowie Kochsalz verloren gehen“, so Prof. Dr. Klaus Kisters, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin am St. Anna Hospital Herne. Sportler sollten im Sommer daher am besten bereits vor dem Training ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen. Denn schon ab einem Wasserverlust von etwa zwei Prozent des Körpergewichts drohen Leistungseinbußen und Kreislaufschwäche. Auch während des Trainings sollte daher regelmäßig getrunken werden – etwa 100 Milliliter pro Viertelstunde. Am besten eignet sich Mineralwasser mit einem hohen Anteil an Mineralien oder Fruchtsaftschorle in einem Verhältnis von 3:1 – drei Teile Mineralwasser auf einen Teil Fruchtsaft.

 

"Herzrhythmusstörungen können eines von vielen Symptomen einer Überhitzung sein."

  Prof. Dr. Hans-Joachim TrappeDirektor, Medizinische Klinik II – Kardiologie und Angiologie, Marien Hospital Herne – Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum

Vorsicht vor Überhitzung

Erhitzt sich der Körper zu stark und wird zu wenig getrunken, kann es zu einer Überhitzung kommen. Ein erstes Anzeichen können Muskelkrämpfe sein. Aber auch Kopfschmerzen, Schwindel und Übelkeit oder Herzrhythmusstörungen, können gravierende Symptome sein.

„Bei diesen Anzeichen sollte schnellstens eine kühle Umgebung aufgesucht und ausreichend Flüssigkeit getrunken werden“, empfiehlt Prof. Dr. Hans-Joachim Trappe, Direktor der Medizinischen Klinik II – Kardiologie und Angiologie, des Marien Hospital Herne – Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum. Handelt man nicht schnell genug, kann ein Hitzschlag auftreten, der sogar zu Bewusstseinsstörungen führen kann. Damit schnell auf Notfälle reagiert werden kann, empfiehlt der Experte, an heißen Sommertagen nur gemäßigt und möglichst nicht alleine Sport zu treiben.

Auch Ozon kann gefährlich werden

Vorsicht ist vor allem bei Ausdauer- und Mannschaftssportarten geboten, denn diese belasten den Kreislauf besonders. Sofern möglich, sollte das Training auf die Morgenstunden oder den späten Abend verlegt werden, um von kühleren Temperaturen und weniger direkter Sonneneinstrahlung zu profitieren.

 

"Verlegen Sie sportliche Aktivitäten an besonders heißen Tagen in die Morgenstunden, um Sport bei hoher Ozonkonzentration zu vermeiden."

  Prof. Dr. Klaus KistersChefarzt, Klinik für Innere Medizin, St. Anna Hospital Herne

Da mit der Temperatur auch die Ozonkonzentration in der Luft steigt, empfiehlt es sich, an besonders heißen Tagen nur auf die Morgenstunden auszuweichen, denn zu dieser Zeit ist die geringste Menge dieses Gases in der Luft vorhanden. Ozon kann die Lungenfunktion einschränken, die Schleimhäute reizen und Kopfschmerzen verursachen. Unter einer Konzentration von 110 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft (µg/m³) gilt Ozon als unbedenklich. Ab einer Ozonkonzentration von 180 µg/m³ sollten Sportler aber nur noch locker trainieren. Ab Werten von 360 µg/m³ sollten Aktivitäten im Freien gänzlich eingestellt werden.

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